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Bücher

Jutta Richters Jugendroman 'Hechtsommer'

Wenn der Hecht gefangen ist, wird Mama wieder gesund, denken Lukas und Daniel. Anna glaubt das nicht. Aber Lukas und Daniel sind ihre Freunde. In "Hechtsommer" erzählt Jutta Richter eine Geschichte vom Ende der Kindheit.

Ausschnitt aus dem Buchcover Jutta Richter: Hechtsommer (Hanser)

Ausschnitt aus dem Cover der Originalausgabe bei Hanser

Der erste Satz ist der schwerste, sagt Jutta Richter. Denn er sei der Türöffner zu einer Geschichte, an ihm hänge alles. Jutta Richter sammelt deshalb erste Sätze. Und manchmal schreibt sie nur wegen so eines Satzes eine Geschichte dazu. "Hechtsommer" beginnt mit den Worten: "Es war so ein Sommer, der nicht aufhört. Und dass es unser letzter werden würde, hätten wir damals nicht geglaubt". Diesen Satz habe sie gehabt, sagt Jutta Richter. Und sie habe gewusst, dass sie über den Verlust der Kindheit schreiben wollte. "Ich hatte Beispiele und Erfahrungen mit dem Sterben von Müttern im Freundeskreis. Und ich habe die Verlorenheit dieser Kinder gesehen".

Autorin von Kindheit an

Ihre ersten Geschichten hat Jutta Richter für Martin erfunden. Er war ihr Freund im Kindergarten, er war taubstumm und er hat sie nie unterbrochen. Schriftstellerin wurde Jutta Richter dann mit fünfzehn. Da war sie als Austauschschülerin in Amerika und hat gegen das Heimweh angeschrieben und gegen die Angst, ihre Sprache zu vergessen. Das Buch, das dabei entstanden ist, wurde schließlich auch gedruckt. Jutta Richter hat dann noch studiert, aber meistens hat sie sich Geschichten ausgedacht und Bücher geschrieben. Das tut sie sehr erfolgreich bis heute, auf einem Schloss im Münsterland. Ihre Erzählung "Hechtsommer", erschienen im Jahre 2004, wurde nicht nur mit dem "Luchs" und dem "Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis" ausgezeichnet, sondern ist auch in zehn Sprachen übertragen worden.

Alles wird anders

Ein Hecht im Wasser (Foto: CC/Luc Viatour)

Wenn der Hecht gefangen ist ...

Anna ist es, die damit beginnt, Fragen zu stellen. Ganz vorsichtig, weil eigentlich ja alles so schön ist in diesem sonnengetränkten, flirrend heißen Monat Mai, in dem die Humpelhenne vier Küken bekommen hat, im Schlossteich ein Hecht steht und die Rotfedern beißen wie verrückt. Bloß, dass Gisela, die Mama von Lukas und Daniel, im Krankenhaus war und jetzt nicht mehr so ist wie vorher. Weil sie - hätte Anna doch nur nicht gefragt! - krank ist, sehr krank. Weil sie Krebs hat und Daniel beinahe ertrinkt in Traurigkeit und dann beschließt, den Hecht zu fangen, den Hecht im Schlossteich. Weil, wenn er den gefangen hat, alles wieder gut wird.

Jutta Richter ist eine ernsthafte nachdenkliche Frau, die dennoch gerne lacht. Und obwohl sie schon lange erwachsen ist, blieb sie dem Kind in sich sehr nahe und erzählt, getränkt von diesem ihrem unumstößlichen Wissen, erschreckend wahrhaftige, schnörkellos wunderschöne Geschichten.

Die Kinder und der Tod

Buchcover Jutta Richter: Hechtsommer (dtv Reihe Hanser)

Cover der aktuellen Paperback-Ausgabe

In "Hechtsommer" lässt sie Anna ruhig, ganz still, in hingetupften Bildern von diesem ganz besonderen Sommer erzählen. Vom Ärger mit dem Grafen, in dessen Schloss sie alle seit ewigen Zeiten Pächter sind; dass sie sich gerne mit Anna-Sofia Schulze-Wettering anfreunden würde, aber dann doch - wie immer schon - nur mit Daniel und dessen kleinem Bruder Lukas zusammen ist. Dass sie eifersüchtig ist, weil ihre Mutter sich nun so liebevoll um die Jungs kümmert. Dass Daniel einmal schreit "Ich will das nicht!", weil er so grenzenlos verzweifelt ist, und dass Anna keine Lust mehr hat auf Kescher und schleimige Rotaugen, bis Gisela ihr, "ihrem Mädchen", ein Angelbuch schenkt. Gisela, die immer mehr verschwindet. Und dann stirbt. An dem Tag, an dem Daniel den Hecht gefangen hat.

"Hechtsommer" ist eines dieser Bücher, bei dessen Lektüre man sich nicht schämt, wenn man weint. Das man nicht aus der Hand legt und an das man immer wieder zurückdenkt. In Wehmut. Und dabei lässt diese Geschichte vom Ende der Kindheit niemanden alleine zurück. Vielmehr tröstet sie, wie eine ganz ganz zarte Umarmung. Das Leben aber geht weiter. Am Ende des Buches heißt es: "Es war alles wie immer, es war so, als wäre gar nichts geschehen."

Autorin: Silke Bartlick
Redaktion: Gabriela Schaaf

Jutta Richter: Hechtsommer. dtv Reihe Hanser. 128 Seiten. 6,95 Euro.

Die Audio-CD ist im Hör-Verlag erschienen. Preis: ab 7,99 Euro.

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