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Aktuell Nahost

Justizminister stolpert über Standesdünkel

Am Sonntag gab er sich im Fernsehen noch äußerst versnobt: Ägyptens Justizminister Sabud erklärte, der Sohn eines Müllmanns könne niemals zum Richter aufsteigen. Tags darauf ist er sein Amt los.

"Ein Richter hat eine besondere Ehre und Stellung, er muss aus einem angesehenen Milieu stammen, sowohl materiell als auch moralisch", sagte Justizminister Mahfus Saber im Fernseh-Interview. "Es ist ja schön und gut, wenn ein Vater seinen Sohn so erzieht, dass er ein Studium macht, aber wenn er in den Justizdienst geht, dann sehen wir, dass ihm mancherlei zustoßen kann, wie etwa Depressionen." So könne der Sohn eines Müllmanns niemals Richter werden.

In ägyptischen Internet-Foren erntete Saber einen Sturm der Entrüstung. "Wenn der Begriff von Justiz in einer Nation fehlt, dann bleibt nichts mehr", twitterte der ehemalige Präsidentschaftskandidat Mohammed ElBaradei. Auf Facebook und anderen Plattformen erklärten Nutzer ihre Solidarität mit den Bediensteten der Müllabfuhr und unterstrichen ihre Wichtigkeit für die Gesellschaft. Andere kritisierten die fehlende Unabhängigkeit, den Klassendünkel und die Regimetreue der ägyptischen Justiz.

Saber versuchte noch zu retten, was nicht mehr zu retten war, und sprach davon, ihm sei die "Zunge ausgerutscht". Doch am Montagabend sagte Regierungschef Ibrahim Mahlab, er habe den Rücktritt seines Justizministers akzeptiert.

rb/wl (afp, ap, dpa, rtr)