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Kultur

Juror auf der Suche

In wenigen Tagen wird die Jury die Preisträger der diesjährigen Berlinale präsentieren. DW-WORLD sprach mit Jury-Mitglied Dan Talbot über das Filmfestival.

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Mitentscheider über die Preisträger: Jury-Mitglied Talbot

Der New Yorker Dan Talbot kam durch Briefmarken zum Film. Als kleiner Junge besaß er viele bunte Marken aus so fernen Ländern wie China, Frankreich und Sansibar. "Ich denke, damit hat es angefangen", sagt der 77-jährige in der VIP Lounge der Berlinale. "Das hat mein Vorstellungsvermögen für die Welt da draußen angefacht."

Vom Kino-Gänger zum Kino-Betreiber

Talbot wurde zum regelmäßigen Kino-Gänger - und er spielte einzelne Szenen mit Freunden auf der Straße nach. Viel später wurde er in New York zum Kino-Betreiber. Er gründete "New Yorker Films" und wurde damit der führende Importeur für ausländische Produktionen in die USA. Unter anderem machte er so Rainer Werner Fassbinder dem amerikanischen Publikum bekannt. Heute besitzt Talbot unter anderem die Lincoln Plaza Kinos, eine der führenden Adressen New Yorks für ausländische und unabhängige Filme.

Für zehn Tage hat er sich nun eine Auszeit genommen, um bei der Berlinale in der Jury zu sitzen - eine relativ neue Rolle für Talbot. "Ich liebe es, aber er ist harte Arbeit", sagt er. Mindestens drei Filme pro Tag muss er sich anschauen. "Einen Film als Juror zu sehen ist etwas ganz anderes, als wenn ich ihn für meinen Vertrieb sehen würde. Ich habe die Verantwortung Auszeichnungen zu vergeben - und ich mag es eigentlich nicht, soviel Macht zu haben."

"Wie ein Bauer"

Ist Talbot bei der Berlinale bisher schon aus einer Vorstellung raus gegangen? "Das beantworte ich nicht", sagt Talbot und lächelt. Auch seine Favoriten will er nicht nennen. Trotz seiner Verpflichtungen als Juror versucht Talbot sich noch eine paar Filme nur für sich anzusehen. "Ich fühle mich wie ein Bauer, der auf den Markt geht und nach guten Sachen sucht."

Welcome, Lenin

Bei dieser Suche hat Talbot schon Neues für sein Kino gefunden. Er wird den deutschen Erfolgsfilm "Good Bye, Lenin" zeigen. Der verpasste zwar den Oscar für den "Besten ausländischen Film", doch Talbot ist überzeugt davon, dass der Film auch sein amerikanisches Publikum finden wird. "Das ist zwar eine sehr deutsche Geschichte, aber sie geht über das pure Deutsch-Sein hinaus", sagt er. "Es ist auch eine sehr menschliche Geschichte. Das Leben von so vielen Menschen war der von der Mauer beeinflusst."

Nach dem Interview muss Talbot wieder zurück zum Festival. Ein Offizieller teilt ihm aber mit, dass ein anderes Team von Journalisten schon mit den nächsten Fragen wartet. "Noch ein Interview", fragt er fast ungläubig. "Ich bin ja selbst schon fast so etwas wie ein Film-Star!"