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Kultur

"Jurassic-Park"-Autor Crichton gestorben

Der Science-Fiction-Autor, Regisseur, Produzent und Arzt Michael Crichton starb im Alter von 66 Jahren in Los Angeles an Krebs.

Porträt Michael Crichton (ap)

Michael Crichton, eine "sanfte Seele, die ihre extravagante Seite für die Romane aufhob"

Star-Regisseur Steven Spielberg würdigte Crichton, der wie seine Familie erst am Mittwoch Ortszeit (04.11.2008) bekanntgab, einen Tag zuvor verstarb, als Freund und langjährigen Wegbegleiter. "Sein Talent war größer als seine Dinosaurier in Jurassic Park." Crichton habe die einmalige Gabe gehabt, Wissenschaft mit großen szenischen Konzepten zu verbinden und damit der Welt der Dinosaurier Glaubwürdigkeit verliehen. Die beiden hatten bei der Verfilmung der Crichton-Romane "Jurassic Park" und "Twister" sowie der Fernsehserie "ER" zusammengearbeitet.

Szene aus dem Film Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All (ap)

Szene aus dem Film "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All"

Crichton wurde am 23. Oktober 1942 in Chicago geboren. Die Liebe zum Schreiben entdeckte der Sohn eines Journalisten während seines Medizinstudiums an der Harvard Universität. 1969, dem Jahr seines Abschlusses, veröffentlichte er seinen ersten Bestseller, "Andromeda", in dem ein US-Wissenschaftler in New Mexiko gegen einen außerirdischen Virus kämpft. Der Roman schlug auch in Hollywood ein - nur zwei Jahre nach seinem Erscheinen wurde er von Robert Wise verfilmt.

Zu weiteren bekannten Romanen gehörten "Endstation" ("The Terminal Man"), "Der große Eisenbahnraub" ("The Great Train Robbery") und "Expedition Kongo" ("Congo).

"Crichtonsaurus bohlini"

Seine größten Erfolge feierte Crichton aber mit der Verfilmung seiner Romane "Jurassic Park" und "Die Vergessene Welt" ("Lost World"), die in den 1990er Jahren Millionen an den Kinokassen einspielten. Aber nicht nur das: Sein Thriller "Jurassic Park", in dem Dinosaurier mittels genetischer Experimente wieder auferstehen, machten Crichton so berühmt, dass später eine neu entdeckte Dinosaurier-Art nach ihm benannt wurde: "Crichtonsaurus bohlini".

Jurassic Park: Ein riesiger Dinosaurier bricht durch einen elektrisch geladenen Zaun. (ap)

"Jurassic Park": Ein riesiger Dinosaurier bricht durch einen elektrisch geladenen Zaun.

Crichton lebte seine Visionen nicht nur fiktiv aus, sondern auch praktisch als Regisseur und Produzent. Filmerisch setzte er eigene Maßstäbe. 1973 benutzte er als erster Filmemacher in "Westworld" zweidimensionale, am Computer generierte Aufnahmen - so genannte CGI. 1976 wurde das Gleiche dreidimensional in "Futureworld" umgesetzt. Für seine technischen Errungenschaften wurde Crichton 1995 mit dem Oscar ausgezeichnet.

Auch seine medizinischen Kenntnisse verwendete er. Seine Erfahrungen als Assistenzarzt verarbeitete Crichton in dem Roman "Fünf Patienten/Notaufnahme" ("Five Patients") und in der Fernsehserie "ER" ("Emergency Room - Die Notaufnahme"). Für den 1970 erschienenen Roman wurde er vom amerikanischen Ärzteverband AMA mit dem Schriftstellerpreis ausgezeichnet. Für die 1994 kreierte Fernsehserie, für die er in Teilen auch das Drehbuch schrieb, wurde er 1996 und 1997 mit dem höchsten US-Fernsehpreis, dem Emmy ausgezeichnet. Die Serie läuft noch heute in vielen Ländern weltweit.

Crichton, der Mahner

Trotz seines Engagements in Hollywood schreckte Crichton auch vor harter Kritik an den Herrschenden nicht zurück. Er wetterte gegen den Missbrauch von Patenten im US-Gesundheitswesen. In Kommentaren und Artikeln für große amerikanische Tageszeitungen wies er immer wieder darauf hin, dass in den USA bereits jedes menschliche Gen unter Patentschutz stehe.

Damit würden Tests und Behandlungen unnötig teuer und Wissenschaftler aus Kosten- und juristischen Gründen davon abgehalten, an einem bereits patentierten Gen weiter nach Krankheiten zu forschen.

Auch die Umweltschutzpolitik nahm er aufs Korn. Auf die katastrophalen Folgen eines Wirbelsturms wie "Katrina" hatte Crichton bereits knapp zehn Jahre, bevor dieser die USA heimsuchte, hingewiesen: In dem Film "Twister", für den er 1996 das Drehbuch schrieb und ihn auch produzierte.

Crichton signiert im Dezember 2004 sein Buch Welt in Angst (ap)

Crichton signiert im Dezember 2004 sein Buch "Welt in Angst"

Zuletzt sorgte er mit seinem 2004 veröffentlichten Roman "Welt in Angst" ("State of Fear") für Wirbel. Während alle Welt vor den Gefahren der globalen Erdwärmung warnte, stellte er diese in Frage. In dem Roman wird beschrieben, wie Umweltschützer planen, Naturkatastrophen wie ein Seebeben auszulösen, um die Welt aus eigennützigen wirtschaftlichen Motiven in Angst vor dem Klimawandel zu halten.

Crichtons Bücher werden rund um den Globus verschlungen. 17 schrieb er unter seinem Namen, neun unter seinen Pseudonymen John Lange (eine Anspielung auf seine Körpergröße von 2,06 Meter) und Jeffrey Hudson. In sieben Verfilmungen führte er Regie, zu elf Romanen oder Serien verfasste er das Drehbuch, einige produzierte er.

Für seinen Freund Steven Spielberg war er "eine sanfte Seele, die ihre extravagante Seite für die Romane aufhob", für seine Familie ein "großer Geschichtenerzähler, der "unsere vorgefassten Ansichten über die Welt in Frage gestellt und uns dabei unterhalten hat".