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Filme

Junges ägyptisches Kino sucht die Tabus

Die studentischen Regisseure der Filmhochschule in Kairo zeichnen sich vor allem durch ihren künstlerischen Mut aus. Denn in ihren Absolventenfilmen karikieren sie unverblümt Diktatur, Armee und Schleier.

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Metro in Kairo

Bei den vom Goethe-Institut veranstalteten Filmvorführungen von Studenten der Filmhochschule Kairo wurden insgesamt fünf Kurzfilme gezeigt, darunter "Salweit" von Hisham Fathi, "Lieber Freund" von der Regisseurin Marwa Ali ad-Din sowie "Montag" von Tamer al-Said. Außerdem wurden neun Zeichentrickfilme vorgeführt.

Ein Filmclub als Talentschmiede

In einem Interview mit "Qantara.de" betont der Leiter der ägyptischen Filmhochschule, Fauzi Sulaiman, mit der Präsentation dieser Filme kröne man die von langer Hand geplanten Bemühungen des Filmclubs, der der Filmhochschule angegliedert ist.

Dort hatte man bereits vor Jahren damit begonnen, nach neuen Kinotalenten zu suchen und diese systematisch aufzubauen. Deren kreative Arbeiten hatten erst dadurch die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhalten.

Fauzi Sulaiman verweist hier auf einige Newcomer, die inzwischen sehr professionell arbeiten und auf internationalen Festivals Auszeichnungen gewonnen haben, so zum Beispiel Hala Khalil und Kamila Abu Zikri.

Besonders hervorzuheben sei die intensive Zusammenarbeit des Goethe-Instituts mit der ägyptischen Filmhochschule, so Sulaiman. Man veranstaltete Workshops mit deutschen Drehbuch-Dozenten und gewann ägyptische Filmschaffende für die Mitarbeit an den Filmen der Studenten, von denen einige auf Filmfestivals, wie in München, bereits liefen.

Persiflage auf die Armee

Bemerkenswert findet Sulaiman auch die hohe Professionalität, die die Filme der Studenten in diesem Jahr auszeichnet, ihre Perfektion in Form und Inhalt, der künstlerische Mut, mit dem tabuisierte Themen aufgegriffen werden.

Hier ist zum Beispiel Amgad Mohsins Zeichentrickfilm "Es gibt keine Gnade" zu nennen, der die Armee und ihre hierarchische Organisation persifliert. Es geht darin um den Umgang des Oberst Abu Sari mit den Soldaten seiner Kompanie.

Aufmerksamkeit verdienen auch einige Filme, in denen es um die Themen Gewalt und Willkür geht. Wiederum sind dies vor allem Zeichentrickfilme, so die bereits genannten "Es gibt keine Gnade" und "Es gibt keinen Grund".

Dabei ist auffällig, wie hoch professionell gestaltet auch die Zeichentrickfilme sein können. Wie Sulaiman berichtet, arbeiten ihre Macher überwiegend in der Werbung, da die arabischen Sender und Kinoproduzenten für diese Art Filme kein Budget haben.

Als Anregung mag der Vorschlag des Kritikers Ahmad Abd al-Al für eine Zusammenarbeit zwischen der Filmhochschule und dem ägyptischen Bildungsministerium dienen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, die kreativen Fähigkeiten der Zeichentrickfilmer für pädagogische Zwecke zu nutzen sowie um eine Vereinfachung der Lehrpläne.

Kein einziger Dokumentarfilm

Besonders mitgerissen hat das Publikum die mutige Geschichte des Films "Salweit" von Hisham Fathi. Er befasst sich darin mit der Verschleierung der ägyptischen Frauen: Ein Mann und sein Sohn sind nicht in der Lage, auf der Straße die Frau, die die Ehefrau des Mannes und Mutter des Sohnes ist, unter einigen anderen verschleierten Frauen ausfindig zu machen.

Einige der Kurzfilme sind Literaturadaptionen, so beispielsweise der Streifen "Wovon sollen wir träumen" von Husam al-Djawhari, der auf der Erzählung "Der Fluss Nil" der Ägypterin Salwa Bakr basiert, oder der Film "Ich kaufe dein Hirn" von Shadi Georg, entnommen der Erzählung des Autors Yusuf Izz al-Din Isa.

Kein einziger Dokumentarfilm war dieses Mal unter den Projekten der Absolventen der Filmhochschule – ein Zeichen dafür, dass dieses Genre im ägyptischen Kino derzeit eine Krise durchlebt. Khaled Abd al-Djalil, Dozent am Institut für Film, sieht die Verantwortung dafür nicht bei der Hochschule, vielmehr seien es die Studenten selbst, die bei der Zusammenstellung ihrer Studienpläne ganz einfach andere Prioritäten setzten, obwohl in diesem Genre die gleichen Punktwertungen wie in fiktionalen Projekten erlangt werden können.

Die Jury, bestehend aus den Kritikern Safa al-Laithi und Ahmad Abd al-Al sowie Azza Mashali, verlieh Marwa Ali ad-Din einen Preis für ihren Kurzfilm "Lieber Freund", der auch einen Publikumspreis erhielt. Der Film setzt sich symbolisch mit dem Tod auseinander, wobei theater- und filmspezifische Techniken miteinander vermischt werden.

Ein weiterer Publikumspreis ging an den Zeichentrickfilm "Nachricht eines Todes", der in sehr direkter Art den palästinensischen Widerstand gegen die israelische Besetzung thematisiert.

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