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Musik

Junge Taktstockelite in Bamberg

Die Bamberger Symphoniker genießen Weltruf; das gilt auch für den internationalen Gustav Mahler Dirigentenwettbewerb des Orchesters. Der findet in diesem Jahr zum vierten Mal seit 2004 in der Weltkulturerbe-Stadt statt.

Der Südkoreaner June-Sung Park probt mit den Bamberger Symphonikern Copyright: Peter Eberts.

In Aktion: der Südkoreaner June-Sung Park

Mut muss man als junger Musiker mitbringen, um sich vor ein Weltklasseorchester zu stellen und diesem seine musikalische Sicht auf Joseph Haydns "Oxford"-Sinfonie Nr. 92 zu vermitteln – und das auch noch vor Publikum. Jeder versucht, so gut es geht, sich zu präsentieren: Der US-Amerikaner Joseph Young beispielsweise tritt forsch und selbstbewusst auf, der Südkoreaner June-Sung Park höflich und bestimmt, und die Finnin Dalia Stasevska mit Temperament und Energie. Sie gehören zu den letzten sechs Kandidaten, die es in die Finalrunde geschafft haben.

Hohe Anforderungen

Der erste internationale Dirigentenwettbewerb des Orchesters "Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie" wurde 2004 zu Ehren des bedeutenden Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler veranstaltet. Der Name ist gleichzeitig auch Programm: Wer hier antreten will, muss vier Kompositionen von Mahler sowie einen Klassiker von Haydn, Mozart oder Beethoven und dazu noch drei weitere Werke der klassischen und zeitgenössischen Moderne im Repertoire haben.

Allein in dieser Hinsicht wartet der Wettbewerb mit sehr hohen Anforderungen an die Kandidaten auf. Doch die scheint das nicht zu schrecken; gerade in diesem Jahr, sagt Wolfgang Fink, der Intendant der Bamberger Symphoniker, haben sich 407 junge Dirigentinnen und Dirigenten um eine Teilnahme beworben – so viele wie noch nie. Für ihn ist der Wettbewerb ein voller Erfolg: "Seit 2004 sind insgesamt über 1200 Bewerbungen in Bamberg eingetroffen, das ist eine stattliche Zahl."

Teilnehmer aus aller Welt

Foto aller Semifinalisten des Gustav Mahler Dirigentenwettbewerbs. Copyright: Peter Eberts.

Die Semifinalisten des Gustav Mahler Dirigentenwettbewerb 2013

Die Bewerbungen zum diesjährigen internationalen Wettbewerb kamen aus 60 Nationen, unter anderem aus Marokko, Südafrika, Neuseeland, Chile, Singapur, Taiwan oder Usbekistan. Dabei müssen die Kandidatinnen und Kandidaten die aus Dirigenten, Komponisten und Konzertmanagern hochkarätig besetzte Jury zunächst per Video von ihren Dirigierkünsten überzeugen.

Nach weiteren Durchgängen bleibt nur noch eine kleine Gruppe übrig, die dann nach Bamberg zu den Endrunden eingeladen wird. Diesen Sprung schafften dieses Jahr immerhin drei Musikerinnen und neun Musiker aus elf Nationen. Allein schon nach Bamberg zu kommen empfindet der Südkoreaner und Mahler-Fan June-Sung Park als Auszeichnung: "Ich glaube, für junge Dirigenten ist das der größte Wettbewerb der Welt. Die Unterstützung hier, wie das organisiert ist, finde ich perfekt. Und vor allem mit den Bamberger Symphonikern zu arbeiten ist fantastisch, das ist eine Riesenchance und eine wahnsinnige Erfahrung."

Herausforderung für alle Beteiligten

Marina Mahler, Enkelin von Gustav Mahler, mit Jurymitgliedern Copyright: Peter Eberts.

Gruppenbild mit Dame: Marina Mahler, Enkelin von Gustav Mahler, mit Jurymitgliedern

Nicht nur für die angehenden Dirigenten, sondern auch für die Bamberger Symphoniker ist der Wettbewerb eine Herausforderung: Denn die Orchestermitglieder müssen sich sehr schnell auf die einzelnen Kandidaten und ihre musikalischen Interpretationen einstellen, was sie bei den Semifinalrunden in bewundernswerter Weise tun.

In dieser Hinsicht ist der Intendant stolz auf sein Orchester; allerdings meint er mit Blick auf die allgemeine deutsche Orchesterszene: "Meines Erachtens wird viel zu wenig für Dirigenten getan. Die Orchester stellen sich viel zu wenig zur Verfügung für den dirigentischen Nachwuchs. Das ist auch schwierig, aber das ist ein großes Defizit in Deutschland."

Sprungbrett zur Karriere?

Schlagtechnik, musikalisches Empfinden oder die Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester sind als Kriterien der Jury bei der Beurteilung der Kandidaten wichtig, erläutert der Kölner Dirigent Markus Stenz: "Wir wollen wissen: Wie geht man an das Stück ran, wie probt man? Das ist bei jedem Dirigenten anders, und deswegen versuchen wir zu schauen, wie rundet sich das Genie."

Lahav Shani, der Gewinner des Gustav Mahler Dirigentenwettbewerbs, probt mit den Bamberger Symphonikern. Copyright: Peter Eberts.

Der freudige Gewinner: Lahav Shani

Natürlich sei auch ein gewisses Charisma nicht schlecht, doch das allein reiche nicht, fügt Wolfgang Fink hinzu. Beides, Genie und Charisma, hatte der Gewinner des 1. Wettbewerbs 2004: Der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel startete anschließend eine beachtliche Weltkarriere.

Lahav Shani aus Israel, mit 24 Jahren der jüngste Teilnehmer des Wettbewerbes 2013 blickt abwartend in die Zukunft: "Der Einzug ins Finale ist schon eine große Chance zu einer Karriere, weil man eine professionelle Beurteilung von der Jury bekommen hat und mit einem sehr guten Orchester arbeiten konnte, aber das sagt noch nichts für die Zukunft aus."

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