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Kultur

Junge Jury: Streiten für den Lieblingsfilm

Studenten und Filmemacher aus Deutschland und Frankreich küren jedes Jahr ihren Lieblingsfilm. Und lernen so die Berlinale ziemlich intensiv kennen.

Florene Freitag und Christophe Lucchese mit Handy und Laptop auf dem Potsdamer Platz (Foto: DW/Nadine Wojcik).

Schwer beschäftigt: Florence und Christophe

Einen Termin mit den jungen Juroren auszumachen, ist gar nicht so leicht. Die Tagespläne sind rappelvoll, gefüllt mit Filmpremieren, Veranstaltungen, Feiern und natürlich Jury-Sitzungen. Im Laufschritt erscheinen Florence Freitag, 23 Jahre alt, und Christophe Lucchese, 26, zum Interview. Um ihren Hals hängt ihre Akkreditierung, die Eintrittskarte zu allen Filmvorführungen. Doch ihre ist orange. Um so eine Highclass-Akkreditierung beneiden sie sicherlich viele Filmliebhaber, die stundenlang an den Ticketkassen anstehen müssen. "Damit können wir in alle Kinosäle rein und fast alle Filme sehen, die wir sehen wollen", sagt Christophe. Das finde er natürlich super, gibt aber zu: "Wir haben kaum Zeit, um die Akkreditierung wirklich zu nutzen."

Florence und Christophe haben sich vergangenen Herbst für die Jury der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" beworben. Florence stammt aus Paderborn und hat gerade ihren Bachelor in Medienkultur abgeschlossen. Auch Christophe aus Toulouse hat gerade sein Übersetzer-Studium beendet.

Streiten für den Lieblingsfilm

Akkreditierungs-Ausweise von Florence Freitag und Christophe Lucchese (Foto: DW/Nadine Wojcik).

Schwer begehrt: die ultimative Berlinale-Eintrittskarte

Für die Bewerbung mussten sie zahlreiche Fragen beantworten: Was ist dein Lieblingsfilm? Welchen Filmschaffenden würdest du gerne einmal interviewen? Zusätzlich mussten sie eine Filmkritik zu "Soul Kitchen" von Fatih Akin verfassen. Finanziert wird die ausgewählte Jury vom deutsch-französischen Jugendwerk. "Die Idee ist, dass junge Leute gemeinsam Filme gucken und dadurch miteinander reden", sagt Linda Söffker, Leiterin der "Perspektive Deutsches Kino". Am Ende dieses Prozesses sollen sie sich dann für den Film entscheiden, "über den sie am meisten gestritten, geredet und sich schließlich geeinigt haben."

Junge Jury gibt sich diskret

Jurorin Florence Freitag aus Paderborn (Foto: DW/Nadine Wojcik).

Jurorin Florence Freitag

Konkret heißt das: Die sieben jungen Juroren sehen sich jeden Abend die Premieren von den insgesamt elf Filmen der Sektion an. Danach wird diskutiert. Begleitet werden die Sitzungen von dem deutschen Regisseur Romuald Karmakar, er ist Juryvorsitzender in diesem Jahr. Er leitet nicht nur die Diskussionen, er gibt auch viele Insidertipps preis. Ob sie sich denn auch streiten? Christophe übt sich in Diskretion und sagt, dass sie darüber nicht sprechen könnten. Ebenso wenig, wie sie die bisher gesehenen Filme einschätzen. "Wir streiten nicht, wir argumentieren", sagt Christophe.

Kino-Erlebnisse auf dem Klo

Juror Christophe Lucchese (Foto: DW/Nadine Wojcik).

Juror Christophe Lucchese

Florence pflichtet ihm bei: "Emotionen lassen wir da völlig raus. Wir sagen zum Beispiel nicht einfach, diesen oder jenen Film finde ich Mist." Am Ende der Berlinale werden sie dann mit ihren fünf weiteren Jury-Kollegen einen Favoriten für den Preis "Dialogue en perspektive" gefunden haben. Ihr ganz persönlicher Preis: Das internationale Filmfestival so intensiv und lehrreich miterlebt haben zu können. Und dazu gehören nicht nur die vielen Filme und die anschließenden Diskussionen, sondern auch ganz eigene Promi-Erlebnisse, sagt Christophe. "Ich habe Wim Wenders auf dem Klo getroffen. Das muss man sich mal vorstellen! Ich war noch nie so nah an einem großen Filmemacher."

Autorin: Nadine Wojcik
Redaktion: Sabine Oelze

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