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Wirtschaft

Junge Ideen für eine bessere Welt

Es müssen nicht immer die großen Projekte sein, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Oft genügt schon eine einfache Idee. Auf dem Global Economic Symposium in Rio wurden einige davon vorgestellt.

ARCHIV - Blick auf Rio De Janeiro, Brasilien, aufgenommen am 16.07.2006. Die Stadt am Zuckerhut wartet auf die Staffelübergabe aus Los Cabos in Mexiko. Wenn dort der G20-Gipfel der führenden Volkswirtschaften am Dienstag (19.06. 2012) zu Ende geht, fällt wenige Stunden später am Mittwoch bereits der Startschuss für den UN-Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung «Rio+20». (Zu dpa Warten auf «Rio+20»: Die Stadt am Zuckerhut im Gipfelfieber) Foto: Lacerda +++(c) dpa - Bildfunk+++

Rio de Janeiro Blick auf Zuckerhut

Sie sind jung, haben ihr Studium abgeschlossen und stehen am Anfang ihrer Karriere. Sie kommen aus Deutschland, Kenia, England, Australien, Polen und Indien. Eingeladen hat sie das Global Economic Symposium, eine Art Denkfabrik des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und der Bertelsmann-Stiftung. Dieses Symposium fand am Dienstag und Mittwoch (17.10.2012) in Rio de Janerio statt, es war die fünfte Auflage.

Seit dem zweiten Treffen bietet das Forum auch jungen Menschen und ihren Ideen eine Bühne. "Das ist ein ganz besonders wichtiges Programm", sagt GES-Gründer Dennis Snower über "seine" Global Economic Fellows. "Die Stimme der nächsten Generation zu hören und ihre Vorstellungen einzubeziehen in das Gedankengut des Symposiums ist von erstrangiger Wichtigkeit."

Idee im Vordergrund

Und dann sitzen sie auf dem Podium eines Tagungsraums und stellen ihre Projekte vor. Fünf Minuten freie Rede für jeden, mehr Zeit gibt es nicht, keine Power-Point-Präsentation. Dann eine offene Runde mit dem Publikum und schließlich die Einschätzung eines Experten. Mit Euphorie und voller Überzeugung kämpfen die Fellows für ihre Ideen. Ihnen geht es nicht vordergründig darum, hier Geld für ihre Projekte aufzutreiben, zunächst soll das Vorhaben bekannt gemacht werden - sozusagen in ein Netzwerk eingespeist werden.

Die Teilnehmer am GES-Fellows-Programms vor der Kulisse des Zuckerhuts in Rio de Janeiro (Foto: GES)

Die Teilnehmer am GES-Fellows-Programms vor der Kulisse des Zuckerhuts in Rio de Janeiro

Ideen für Afrika

Wie etwa das Projekt der Kenianerin Caroline Muthoni Muriithi. Sie möchte etwas tun, um die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Sambia zu bekämpfen. Mittels mobiler Kommunikation soll parallel zu den Telefon-Providern eine bezahlbare, einfach zu nutzende Plattform aufgebaut werden, um Gewalt anzeigen zu können ohne Angst haben zu müssen, dadurch erneut zum Opfer von Gewalt zu werden. Ebenfalls in Afrika engagiert sich Simon Quinn, ein gebürtiger Australier von der Universität Oxford. Er hat einen Wettbewerb in Dar es Salaam, Lusaka und Addis Ababa um die beste Geschäftsidee organisiert - für den Gewinner gab es 1000 US-Dollar an Startkapital. Während des Projekts wurden viele Daten gesammelt, die das Verständnis des Geschäftslebens in Afrika erleichtern.

Wie Massenmedien Millionen Menschenleben retten können, das hat der Engländer Will Snell von Development Media International untersucht. In afrikanischen Ländern hören 75 Prozent der Menschen regelmäßig Radio - und Snell hat berechnet, dass per Äther die Kindersterblichkeit um zehn bis 20 Prozent mindern ließe: Mit gezielten Medienkampagnen. In Burkina Faso läuft bereits ein Modellprojekt. Anders der Ansatz von Thomas Baden, ein Neurowissenschaftler von der Universität Tübingen in Deutschland. Er möchte, dass die Forscher in Afrika vom Wissen der industrialisierten Welt profitieren können und hat dazu mit der Universität von Kampala in Uganda ein Lehrprojekt installiert: Wissensaustausch per Internet und vor Ort heißt die Devise.

Ideen gegen Rerssourcenknappheit

Um das Recycling drehen sich die Ideen von Philipp Brandecker und Vimlendu K. Jha. Brandecker, ein Deutscher, kommt von Veolia, einem weltweit führenden Umweltdienstleister. Also eine Firma, die eigentlich am Ende der Wertschöpfungskette steht. Aber Recycling dürfe nicht am Ende des Wertstoffzyklus stehen, sagt Brandecker. Schon bei der Entwicklung der Produkte müsse ihre Wiederverwertbarkeit bedacht werden. Das setze aber die Kooperation von Forschern, Designern und Recycling-Experten voraus. Wie anders die Dinge in Indien liegen, wird beim Projekt von Vimlendu K. Jha deutlich. Seine Firma namens Swechha produziert Waren aus Müll auf einer fairen Basis. Da werden aus alten Reifen oder abgelegter Kleidung neue Produkte. Hergestellt werden sie von Strafgefangenen, denen man damit eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz verschafft.

Ideen für großes und kleines Geld

Um Geld und Geschäfte mit Geld geht es bei den Projekten von Anna Grochowska und Zarpana Massud-Baqa. Die gebürtige Afghanin, die sich bei der Deutschen Bank um nachhaltige Anlageformen kümmert, sieht in Mikrokrediten nach wie vor den besten Ansatz für die Gründung von Unternehmen in Entwicklungsländern. Das müsse aber in Zusammenhang mit einer besseren Ausbildung junger Menschen geschehen. Anna Grochowska aus Polen, die bei der EU-Kommission arbeitet, hat sich Geldgeschäfte genauer angeschaut und festgestellt, das für die Kunden die Kompetenz bei solchen Geschäften immer wichtiger wird. Um Konflikte zwischen Anbietern und Verbrauchern zu vermeiden, brauche es einen Verhaltenskodex für Geschäfte mit Finanzprodukten und eine Institution, die das überwacht.

Neue Plattform

Zu hoffen ist, dass diese vielen guten Projekte eine Zukunft haben. Von den Teilnehmern des Global Economic Symposium hier in Rio bekamen die GEFellows viel positives Feedback. Viele Visitenkarten und Mail-Adressen wurden ausgetauscht. Auf jeden Fall will das GES dem Nachwuchs eine feste Plattform bieten. Mit einem "Emerging Leaders Network" soll eine Struktur geschaffen werden, mit der die Fellows fester in die Community des Global Economic Symposium eingebunden werden. So sollen ehemalige Teilnehmer des Programms selbst neue Teilnehmer nominieren und mit ihren Erfahrungen auch das GES selbst bereichern.

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