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Fokus Südosteuropa

Junge Griechen in den Startlöchern?

Jeder dritte Grieche unter 25 Jahre ist ohne Job. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind düster. Viele wollen deshalb auswandern. Wer wirklich weggeht, erzählen zwei Griechen, die seit kurzem in Deutschland leben.

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Die jungen Griechen demonstrieren für ihre Zukunft

Als die Krise in Griechenland ausbrach, konnte Dakis Fesopoulos einfach nicht glauben, wie schwer die Lage war. „Ich dachte, das Ganze wäre ein Trick der Regierung. Und dann begannen die Demonstrationen und die Streiks“, erzählt der 32-jährige Mann aus Piräus. Er hat in Griechenland Regie studiert und Kurzfilme gemacht. Vor zehn Monaten ist er nach Köln gekommen - die Medienstadt hatte es ihm bei einem früheren Besuch angetan. Als sich dann die Situation in Griechenland zuspitzte, entschied er sich, in die Rheinmetropole zu ziehen und sein Glück als Filmemacher dort zu finden.

In Griechenland hat Dakis Fesopoulos mit befristeten Verträgen gearbeitet, allerdings nicht auf seinem Gebiet. In der Filmindustrie einen guten Job zu bekommen sei sehr schwer, erzählt der junge Mann: „Wie in vielen anderen Bereichen des Berufslebens in Griechenland, möchte man auch in der Filmindustrie keine gut ausgebildeten Kräfte haben, sondern junge Menschen, die dann schlecht bezahlt werden.“

Angst vor der Zukunft

Dakis Fesopoulos (Dakis Fesopoulos)

Dakis Fesopoulos will in Köln den Durchbruch schaffen

Über die schlechte Lage am griechischen Arbeitsmarkt kann auch die 25-jährige Maria Brand berichten. Die Deutsch-Griechin hat die letzten 14 Jahre ihres Lebens in Thessaloniki verbracht. Nach ihrem Germanistik-Studium hat sie sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Hochschulabsolventen hätten es besonders schwer einen Job zu finden, sagt Maria Brand: „Den Überschuss an Absolventen, den es jedes Jahr gibt, kann die Wirtschaft gar nicht aufsaugen.“

Im Juli 2009 kam sie von der Uni und wollte ein Jahr lang nach einem geeigneten Job suchen. Ein Job, der zumindest mit dem Basislohn von 700 Euro honoriert sei, erzählt Maria Brand: „Und dann kam das Jahr 2010. Das Geld wurde immer knapper, die Ausgaben stiegen täglich – auch wegen der zweimaligen Steuererhöhung.“ Die Aussichten auf eine Stelle wurden düsterer. Hinzu sei die Angst vor der Zukunft gekommen, die überall zu spüren gewesen sei, sagt die Germanistin.

Die Unsicherheit hat viele jungen Menschen dazu gebracht, das Land verlassen zu wollen. Darüber berichten regelmäßig die griechischen Medien. Die Zahl jener, die einen ersten Schritt zur Verwirklichung ihrer Emigrationspläne gemacht haben, soll in den letzten Monaten gestiegen sein, schreibt die griechische Tageszeitung „To Vima“. Sie beruft sich auf Zahlen der Nationalen Organisation für Zertifizierung von Qualifikationen: Im letzten Jahr hätten über 46.000 Menschen einen Europäischen Lebenslauf ausgefüllt, der ihnen ermöglicht, sich für einen Job am europäischen Arbeitsmarkt zu bewerben, so der Präsident der Organisation, Kostas Kaltsas. Allein in den ersten vier Monaten 2011 waren es bereits 27.000.

Auch eine aktuelle Umfrage des Personaldienstleistungsunternehmens Randstadt, die Anfang des Jahres in 29 Ländern durchgeführt wurde, bestätigt die pessimistische Stimmung der griechischen Arbeitnehmer. 93 Prozent der Befragten glauben, dass in der Zukunft eine massive Auswanderung von griechischen Arbeitskräften zu erwarten ist.

Viele hoffen noch

Maria Brand (Quelle: Maria Brand)

Maria Brand lebt seit neun Monaten wieder in Deutschland

Maria Brand ist weggegangen. Im Oktober 2010 ist sie nach Berlin ausgewandert. Denn besonders die letzten Monaten in Griechenland hätten ihr zugesetzt: „Die Leute sind angespannt und haben einen permanenten Stress im Kopf. Und das zeigt sich auch körperlich. Irgendwann habe ich das nicht mehr ausgehalten.“

Marias Freunde sind aber in Griechenland geblieben: Menschen mit Hochschulabschlüssen und Fremdsprachenkenntnissen, die auch die Möglichkeit hätten ins Ausland zu gehen, sagt sie: „Ich weiß nicht, ob sie sich nicht trauen oder ob sie dort bleiben wollen, weil irgendjemand dort doch noch bleiben muss. Denn wenn alle auswandern, bleibt eigentlich nichts mehr übrig.“

Wenn gut ausgebildete Menschen ihr Land verließen, dann verliere es seine wirtschaftliche Kraft, sagt Dakis Fesopoulos. Er ist der einzige aus seinem Freundeskreis, der ins Ausland gegangen ist. Viele seiner Freunde würden schon überlegen, nach Deutschland, Großbritannien oder Frankreich zu gehen, wenn sich bald nichts ändert, sagt der Regie-Student: „Aber sie bleiben noch, weil sie hoffen, dass sich die Situation doch noch verbessert.“

Autor: Blagorodna Grigorova

Redakteur: Robert Schwartz

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