1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Junge Frau öffentlich hingerichtet

In Afghanistan ist eine junge Frau wegen angeblichem Ehebruch hingerichtet worden. Die Taliban begrüßen die Erschießung, wollen aber angesichts der Empörung in der Bevölkerung keine Verantwortung übernehmen.

Afghan young women attended in a demonstration against the increase of violence against women in Afghanistan on Saturday 14 April in Kabul. The demonstration organised by Young Women For Change in Kabul. Photo by Hussain Sirat, the DW correspondent in Kabul

Afghanistan Frauen bei einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen

Afghanistan im Juni 2012: Eine junge Frau wird unter den Augen der versammelten Dorfbewohner erschossen. Einige jubeln, andere schauen neugierig zu, keiner protestiert. Die öffentliche Hinrichtung fand vor rund zwei Wochen in der nördlichen Provinz Parwan statt, keine Stunde von der Hauptstadt Kabul entfernt. Die Szene wurde gefilmt und später auf der Videoplattform "Youtube" veröffentlicht.

Viele Afghanen sind geschockt. Sie fühlen sich in die Zeit der Taliban-Herrschaft Mitte der 90er Jahre versetzt, eine Zeit, wo staatlich angeordnete Todesstrafen oder Auspeitschungen als erzieherische Maßnahmen stets vor einem großen Publikum vollstreckt wurden. "Ich bin als Mensch und Frau geschockt", sagt Somaya Ramesch, Hausfrau und Mutter von zwei Kindern aus Herat. "Und ich verstehe nicht, warum es keine Massenproteste gegen diese Art von Unmenschlichkeit in unserem Land gibt. Ich habe Angst um die Zukunft der Frauen in unserem Land."

Schock und Empörung

Demonstrierende Afghaninnen halten Protestschriften hoch (Foto: AEP)

Afghanische Frauen protestieren gegen wachsende Gewalt

Zehn Jahre nach ihrem Sturz seien die Taliban wieder stark genug, um ihre Gesetze durchzusetzen, stellt die 23-jährige Schiwan Seddiqi aus der südwestlichen Provinz Nimroz fest. Auch sie fürchtet um die Frauen und ihre Rechte. "Die Taliban versuchen, Frauen als amoralische Wesen darzustellen. Sie erschießen eine Frau, weil sie angeblich Ehebruch begangen hat. Mit welchem Recht tun sie das? " Das Ziel der Gotteskrieger sei klar, so die junge Frau: "Die Taliban wollen Frauen in ihren Häusern einschließen und ihnen alle ihre gesellschaftlichen Rechte rauben."

Auch Mustafa, ein Bewohner der nördlichen Provinz Balkh ist entsetzt: "Ich fühle mich schrecklich. So etwas darf nicht geschehen." Die Zeiten, wo die Taliban nach ihrem Gutdünken Menschen gepeinigt und ermordet haben, müssen endgültig vorbei sein, fügt er hinzu.

"Sadistischer Frauenhass"

Taliban Krieger mit Gewehr (Foto: EPA)

Taliban in Afghanistan

Die afghanischen Menschenrechtsorganisationen und Frauenverbände verurteilen die Hinrichtung der jungen Frau in Parwan und werfen den Taliban einen "sadistischen Frauenhass" vor. Asila Wardak vom "Netzwerk der afghanischen Frauen" prangert die "ungeheure Diskriminierung" von Frauen unter den Taliban-Gesetzen an: "Laut der Logik der Taliban ist Ehebruch eine unmoralische Tat, die mit dem Tode gesühnt werden sollte. Doch zum Ehebruch gehören doch immer mindestens zwei Personen. Wieso ist in Parwan nur die Frau allein bestraft worden?"

Warum es in Parwan zu der öffentlichen Hinrichtung gekommen ist, ist bislang nicht eindeutig geklärt worden. Mitglieder der örtlichen Behörden bestätigten gegenüber der Deutschen Welle, dass ihren Informationen zufolge die Taliban für die Tat verantwortlich seien. Das entlegene Dorf sei zeitweise zu einem Sammelbecken von verschiedenen Taliban-Gruppierungen geworden. Ranghohe Taliban sollen mit der 22-jährigen Frau sexuelle Beziehungen unterhalten haben. Mit ihrer Erschießung sollte verhindert werden, dass Taliban-Kommandaten in Verruf geraten. Die Taliban selbst begrüßen zwar die Exekution, lehnen aber jede Verantwortung dafür ab.

Aufklärung gefordert

Portrait der Frauenrechtlerin und Parlamentsabgeordneten Fauzia Kofi (Foto:AP)

Frauenrechtlerin Fauzia Kofi fordert Aufklärung des "Verbrechens von Parwan"

Fauzia Kofi, eine bekannte Frauenrechtlerin und Parlamentsabgeordnete aus Kabul, sagt, dass nach ihren Informationen und Gesprächen mit den Behörden und Bewohnern des Ortes die Taliban eindeutig die Hinrichtung geplant und durchgeführt haben. "Die Taliban", sagt die Politikerin, "wollen nie die Verantwortung übernehmen, wenn ihre Gräueltaten zu Empörung vieler Menschen im Land geführt haben." Kofi verlangt von der Regierung eine rasche Aufklärung des "Verbrechens von Parwan": "Ich verlange von Präsident Hamid Karsai, dass er die wachsende Gewalt gegen die Frauen endlich ernst nimmt und sich persönlich für die Festnahme der Verbrecher von Parwan einsetzt. Der Präsident muss ein Zeichen setzen."

Die afghanische Regierung verurteilte die Hinrichtung von Parwan und bezeichnete sie als eine "unmenschliche Grausamkeit der Taliban". Seddiq Seddiqi, Sprecher des afghanischen Innenministeriums, versicherte gegenüber der Deutschen Welle, dass die Behörden alles tun werden, um die Mörder der jungen Frau in Parwan festzunehmen. Auf die Frage, ob diejenigen, die bei der Tat gejubelt haben, auch zur Verantwortung gezogen werden, gab Seddiqi keine eindeutige Antwort. "Die Behörden seien angewiesen", sagte er, "das Verbrechen in Parwan restlos aufzuklären." Mehr könne und dürfe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.