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Amerika

Junge Evangelikale feiern Trump als Retter

Donald Trump braucht die Unterstützung der Evangelikalen, um die Nominierung der Republikaner zu gewinnen. Bei evangelikalen Studenten kommen seine Heilsversprechungen an. Ines Pohl berichtet aus Lynchburg, Virginia.

Bei der Veranstaltung, die Donald Trumps Team organisiert, wird sein Publikum anders eingepeitscht. Kürzlich hat eine Gruppe kleiner, nur dürftig bekleideter Mädchen für ihn getanzt und gesungen. Nicht nur Feministinnen #link:http://m.motherjones.com/mojo/2016/01/freedom-girls-donald-trump-rally:haben sich bitter über diese sexualisierte Inszenierung# beschwert.

Protestierende bei der Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Virginia. Foto: Ines Pohl

Trump stieß nicht nur auf Anhänger - einige Protestestierende hatten sich vor der Universität aufgebaut.

Hier in der Liberty University in Virginia ist es der heilige Christen-Pop einer Studentenband, die den derzeit populärsten Kandidaten der Republikaner ankündigt. "Jesus ist der Größte." "Er ist unser Retter." Und ähnliches.

Liberty University ist eine der bekanntesten christlichen Privatunis in den Vereinigten Staaten. Sie wurde 1971 von dem evangelikalen Babtisten Jerry Falwell gegründet. Dem Fernsehprediger, der 30 Jahre später behauptete, Schwule, Lesben und Menschenrechtsorganisationen seien Schuld am Niedergang Amerikas. Deshalb hätten sie die Terroranschläge vom 11. September zu verantworten.

Mittlerweile hat Sohn Jerry Falwell jun. das Geschäft übernommen. Nach den Anschlägen von Paris forderte er die Studenten auf, Waffen mit in die Uni zu bringen. "Damit wir uns bei einem Angriff gegen die Muslime verteidigen können."

Sein Sohn hat kürzlich auf einer der Weingüter von Donald Trump Hochzeit gefeiert. Falwells jun. selbst hat Donald Trump als Redner eingeladen.

Eigentlich unterstütze er keine Politiker aktiv, sagt er während der Begrüßung und lobt den Milliardär über alle Maße. An seinen eigenen Vater erinnere er ihn, und überhaupt, ein guter Christenmensch sei dieser Vater wunderbarer Kinder.

Joshua Winzrey während der Wahlveranstaltung an der Liberty University in Virginia. Foto: Ines Pohl

Joshua Winzrey auf der Wahlkampfveranstaltung an der Liberty University in Virginia

Bevor die Trump Show losgeht, hatte sich Joshua Winfrey noch mächtig darüber geärgert, dass Trump ausgerechnet heute, am Martin Luther King Day eingeladen wurde. "An diesem Tag wird gefeiert, dass alle Menschen gleich sind. Da sollte niemand reden, der Muslime nicht wertschätzt", sagt Joshua, der aus Atlanta kommt und hier Musik und Religion studiert. Nach der Trump-Show spricht der 19-Jährige, der in diesem Jahr zum ersten Mal wählen wird, anders. Trump hat ihn überzeugt. "Er ist ehrlich, das ist für mich als Christ wichtig. Wichtiger, als dass ich mit jedem seiner Punkte übereinstimme." Seine Heilsversprechen glaubt er ihm gerne.

Viele Studierende sagen ähnliches. Auch wenn die Rede Trumps keinen eigentlichen Höhepunkt hat, von einem Thema zum nächsten wabert, viele Fakten durcheinanderbringt und es keine Botschaft gibt, außer der einen: Ich, Trump, bin der einzige, der Amerika wieder groß macht.

Die Studierenden mögen die plumpen Witze. "Nicht nur die Chinesen können eine Mauer bauen. Ich kann das auch." Nur müsse sie natürlich gut aussehen. "Denn irgendwann wird sie Trump-Wall heißen."

Gelächter und Applaus.

Viele der rund 10.000 Besucher werden in diesem Jahr das erste Mal wählen. Sie klatschen besonders laut, wenn Trump gegen das Establishment wettert. Oder auf Obama schimpft. Oder eben billige Witze macht.

"Wir mögen Trump, weil er etwas Wirkliches geleistet hat. Er ist ein Milliardär. Er kann Amerika wieder groß machen", sagt Maribeth Harrington aus North Carolina. "Ich weiß nicht viel von ihm. Aber er hat schon viel Geld für Kirchen gespendet. Das ist gut."

Maribeth Harrington während der Wahlveranstaltung an der Liberty University in Virginia. Foto: Ines Pohl

Maribeth Harrington auf der Wahlkampfveranstaltung an der Liberty University in Virginia

Es ist schwer, wirkliche Gegenstimmen zu finden. Von den Anhängern, die aus der Umgebung in die Uni gekommen sind, ist das auch nicht zu erwarten. Männer wie Tim Beverley fanden ihn vor seiner Rede toll. Und danach noch toller: "Er ist doch der einzige, der sagt, was er denkt. Die anderen lügen alle."

USA, Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump

Tim Beverley erschien in Verkleidung

Tim arbeitet in der Baubranche. Er wohnt 20 Meilen von der Uni entfernt. Hat sich heute freigenommen und ist ein, wie er sagt, "echter Christ." Bei Trump ist er ein wenig nachsichtiger, wenn es um Religion geht. "Seine Werte zählen. Und er will Amerika wieder zu dem machen, was wir mal waren." Ja, er meine damit auch, dass nur die ins Land kommen dürfen, die beweisen könnten, dass sie keine Terroristen sind. Wie man das denn beweisen könne, weiß er auch nicht. "Wenn Trump Präsident ist, wird er schon einen Weg finden."

Andrew Reichman sieht das ein wenig differenzierter. "Wir bekommen, was wir verdienen." Vor allem die außenpolitischen Einschätzungen von Donald Trump haben ihn nicht überzeugt. Man werde ISIS nicht einfach wegbomben oder eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen können. "Das ist aber gar nicht so wichtig. Er ist ein guter Geschäftsmann. Und wird sich entsprechende Beratern kaufen."

Ihn wie seine Freundin Sara Swaly stört etwas anderes: "Ich habe noch kein einziges Mal gehört, dass er Gott um Verzeihung gebeten hat. Wenn er das tut, kann er ein guter Führer werden."

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