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Top-Thema – Podcast

Jung und heimatlos in Deutschland

Als Teenager seine Heimat verlassen und in ein fremdes Land fliehen müssen – so geht es vielen jungen Flüchtlingen, die ohne Familie nach Deutschland kommen. Der Verein Globus nimmt diese Flüchtlinge auf. ‎

Der Gemeinschaftsraum bei Globus e.v.

Globus e.v. gibt Flüchtlingen eine neue Heimat

Die Jungen, die im Gemeinschaftsraum des Vereins Globus im Internet surfen, haben eine tragische Vergangenheit. Der 17-Jährige aus Nigeria zu Beispiel, der seinen Namen nicht nennen möchte: Seine Eltern wurden bei Unruhen getötet, erzählt Sozialarbeiter Markus Lettmann. Der Junge selbst will nicht darüber reden – die Geschichte ist noch zu frisch.

Allein in Nordrhein-Westfalen kamen 2009 mehr als 700 Flüchtlinge ohne Eltern in soziale Einrichtungen. Lettmann erzählt: "Die werden entweder von den Eltern geschickt oder sind allein unterwegs, haben ihre Eltern verloren oder sich über mehrere Jahre hierher durchgeschlagen."

Die Mitarbeiter von Globus betreuen zurzeit 16 Kinder aus der ganzen Welt. Sie versuchen Normalität in das Leben der Kinder zu bringen: Sie versorgen sie und bringen sie zu den Ärzten. Die Flüchtlinge wohnen bei Globus allein oder zu zweit in normalen Wohnungen. Sie gehen zum Sprachkurs oder in die Schule, nachmittags können sie ins Gemeinschaftshaus kommen. Dort wird gemeinsam gekocht oder gesurft.

Zu den unangenehmeren Dingen gehören Termine bei der Ausländerbehörde. Hier erfahren viele, dass sie wahrscheinlich nicht in Deutschland bleiben können. Die meisten bekommen nämlich nur so genannte Duldungen für einen oder drei Monate, die dann wieder verlängert werden. Bis sie 18 Jahre alt sind. Dann bekommen sie vielleicht politisches Asyl. Im schlimmsten Fall werden sie abgeschoben.

Bis jetzt sind alle Kinder, um die sich Markus Lettmann und seine Kollegen kümmern, jünger als 18 Jahre. Denn den Verein Globus gibt es erst seit zwei Jahren. Die Unsicherheit über den weiteren Aufenthalt macht Lettmann Sorgen: "Die ersten werden im Oktober 18", sagt er, "und dann wird es diese traurigen Geschichten geben, dass wir Abschied nehmen müssen."

Glossar

Teenager, der (aus dem Englischen) – ein/e Jugendliche/r von 13 bis 19 Jahren

jemanden aufnehmen – hier: jemandem eine Bleibe geben

Gemeinschaftsraum, der – ein Raum, in dem viele Leute gemeinsam etwas machen können

im Netz/Internet surfen (aus dem Englischen) – sich verschiedene Informationen im Internet anschauen

tragisch – sehr schlimm

Unruhe, die – hier: der Kampf

Sozialarbeiter/in, der/die – jemand, der sich um Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien (hier: Flüchtlinge) kümmert

allein – hier: nur

soziale Einrichtung, die – hier: eine Organisation, die jugendliche Flüchtlinge aufnimmt

sich durchschlagen – hier: mit großer Anstrengung an ein Ziel kommen

jemanden versorgen – jemandem alles geben, was er zum Leben braucht

Ausländerbehörde, die – das Amt, das z. B. für Aufenthaltsgenehmigungen zuständig ist

Duldung, die – hier: die Erlaubnis, für eine bestimmte Zeit in einem Land zu bleiben

etwas verlängern – etwas länger dauern lassen, als geplant

Asyl, das – der Aufenthalt, den ein Staat einem Menschen gewährt, der in seiner Heimat verfolgt wird

jemanden abschieben – jemanden in seine Heimat zurückschicken

Fragen zum Text

1. Alle jugendlichen Flüchtlinge im Verein Globus haben …

a) eine lange Geschichte erzählt.

b) traurige Geschichten erlebt.

c) ein aufregendes Leben gehabt.

2. Die Sozialarbeiter versuchen vor allem …

a) dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen geduldet werden.

b) mit den Teenagern im Gemeinschaftshaus zu kochen.

c) den Flüchtlingen zu helfen, ein normales Leben zu führen.

3. Bei der Ausländerbehörde erfahren viele der jungen Flüchtlinge, dass …

a) ihre Duldung immer wieder verlängert wird.

b) sie auch in Deutschland nicht für immer bleiben können.

c) auch ihre Familien bald nach Deutschland kommen können.

4. Viele der Flüchtlinge dürfen auch in Deutschland nicht dauerhaft bleiben. Manche werden mit 18 wieder …

a) durchgeschlagen.

b) geschickt.

c) abgeschoben.

5. Wer eine zeitlich begrenzte Aufenthaltserlaubnis besitzt, wird in Deutschland …

a) versorgt

b) geduldet

c) verlängert

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich im Internet über mindestens zwei andere soziale Einrichtungen, die Flüchtlinge aufnehmen. Fassen Sie das Konzept der Einrichtungen in einem kurzen Text zusammen.

Autor: Manfred Götzke/Lukas Völkel

Redaktion: Shirin Kasraeian

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