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Kultur

Jung und ausgebremst

Am 12. August ist Internationaler Tag der Jugend. Sein Ziel ist, jungen Menschen politischen Einfluss zu geben. Margret Steffen geht der Frage nach, ob das gelungen ist.

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Jugend braucht Perspektiven - überall

Wer jung ist, hat nichts zu lachen. Es geht nicht nur um ein paar Hormone zuviel und vom Taschengeld zu wenig. Sondern um existenzielle Verunsicherung in Sachen Kleidung, Musik und Meinung. Dabei sind die Pickel zahlreich, die Eltern desinteressiert und das Guthaben im Handy aufgebraucht - immer dann, wenn die erste Liebe anruft.

In der Pupertät, sagen Wissenschaftler, wird das ganze Gehirn noch einmal umkonstruiert. Risikobereitschaft, Sprache und Schlafrhythmus, Logik und Vernunft - eine einzige Baustelle. Und eine Riesenchance: Der Mangel an Erfahrung veranlaßt die Jugend zu Leistungen, die ein erfahrener Mensch niemals vollbringen würde.

Jung sein zuerst für Alte

Nutzen will das derzeit kaum jemand. Man kämpft heute nicht für die Jungen. Man kämpft mit einem Jugendwahn, mit der Furcht vorm eigenen Alter. Verpflichtet, hip und fresh zu sein. Nur: Die, die es sind, lässt man nicht durchstarten.

Studenten vor dem Reichstag

Druck von oben schon für die Jüngeren

Es geht um eine ganze Generation, die verzagen muss an der Kluft zwischen Müssen und Können. Klassenfahrten, Sport, Parties, Internet - auf den Jüngsten lastet ein enormer Druck. Schlau sein, dabei sein, vorn sein: Viele können schon heute nicht mehr mit halten. Nach der Arbeitsmarktreform Hartz IV werden es noch mehr sein, rechnet der Deutsche Kinderschutzbund vor.

Steigende Armut unter den Jüngsten

Kinderarmut ist nicht immer sichtbar. Ausgrenzung schon. Mit ihr beginnt eine Spirale von Inkompetenz und Werteverlust. Eine Generation ohne Lobby fällt beim Start ins Leben auf die Nase.

Per Ausbildungsplatzabgabe sollte unlängst die deutsche Wirtschaft gezwungen werden, die künftigen Verlierer noch ins Boot zu holen. Doch die Regelung ist gekippt. 162.000 Jugendliche ohne Lehrstelle - die Zahl der Ausgebremsten ist nun noch höher als im letzten Jahr.

Die neuen Jungen sind in einem Klima der Machtlosigkeit aufgewachsen. Ihre Eltern - im Osten Deutschlands mutlos, im Westen verdrossen, ausgeliefert an Politik und globale Wirtschaft.

Punker im Park

Selten gewordene Ausreisser: Punks

Früher galt: Wenn die Eltern schon alles aufgebaut haben, bleibt den Söhnen und Töchtern nur das Einreißen. Im neuen Jahrtausend hat Jugendrebellion ausgedient - das übernehmen heute die Marken und ihre mächtigen Strategen. Und die Erwachsenen haben wenig, was sich einzureißen lohnte. Sie haben Zweitwagen, wenig Zeit und eine Regierung, die an der Wirtschaftskrise scheitert.

Jugend ohne Chance

Natürlich - Verlierer der Globalisierung sehen eigentlich anders aus. Südlich der Sahara arbeitet fast jedes dritte Kind für sich und seine Familie, in Asien jedes Fünfte. 300.000 Kindersoldaten kämpfen nach Schätzungen weltweit. Die UN-Kinderrechtskonvention nützt ihnen genau so wenig wie den 20 Millionen Flüchtlingskindern: Kein Recht auf Unversehrtheit, Bildung, Erholung, Leben mit den Eltern. Kein Recht auf besonderen Schutz.

Tapfere Kindersoldaten

Von Geburt an erwachsen: Kindersoldaten

Und doch: Verbaute Perspektiven von Anfang an, das ist in jedem Kontext überall gleich schlimm. Die neuen EU-Mitgliedsstaaten im Süden und Osten allerdings machen es anders: Eine Generation von Durchstartern ist dort nach flotten Schulabschlüssen selbst in der Regierung schon am Mitmischen. Junge Politik für junge Länder - mutig und aussichtsreich.

Der polnische Schriftsteller Adolf Nowaczynski sagte Anfang des vorigen Jahrhunderts: "Nicht der ist arm, der sich keinen Jugendtraum erfüllt hat, sondern der schon in der Jugend nichts träumte." Arm an Träumen und Zielen sind junge Menschen nirgendwo. Aber auf ihrem Reichtum liegen Hypotheken. Es sieht nicht danach aus, als könnten wir ihnen beim Abarbeiten helfen.

Perspektiven selber suchen

Doch was offenbart die aktuelle Studie "Jugend. Werte. Zukunft!" der Universität Mannheim? Jugendliche sind besser als ihr Ruf. Sie streben nach klassischen Werten, planen sorgfältig ihre Zukunft. Sie sind dabei nicht rücksichtslos und egoistisch, sondern an Fairness und sozialer Verantwortung interessiert.

Von den Erwachsenen können sie das nicht haben. Sie haben es von ihren Freunden, sagt die Studie. Perspektivensuche selbst gemacht: Doch eine Jugendrebellion!? Zumindest eine leise. Sie werden es uns schon zeigen.

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  • Datum 12.08.2004
  • Autorin/Autor Margret Steffen
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5R1r
  • Datum 12.08.2004
  • Autorin/Autor Margret Steffen
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