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Europa

Jugendproteste erschüttern Frankreich

Die Massendemonstrationen gegen die umstrittene Rentenreform in Frankreich halten an. Landesweit gehen auch immer mehr Schüler und Studenten auf die Straßen. Und die Jugendproteste werden zunehmend gewalttätiger.

Menschen demonstrieren in Südfrankreich gegen die Rentenreform der Regierung (Foto: AP)

Menschen demonstrieren in Südfrankreich gegen die Rentenreform der Regierung

Autos werden in Brand gesteckt, Bushaltestellen und Telefonkabinen demoliert und Steine geworfen. Die Demonstrationen in Frankreich spitzen sich zu. Allein am Dienstag (19.10.2010) gingen nach Gewerkschaftsangaben wieder 3,5 Millionen Menschen auf die Straße gegen die umstrittene Rentenreform. Und immer mehr Jugendliche machen mit bei den Protesten gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre. In den vergangenen Tagen kam es häufig zu Zusammenstößen zwischen jungen Leuten und der Polizei.

Tränengas und brennende Autos

Demonstranten zünden vor der Ölraffinerie in Grandpuits Autoreifen an (Foto: AP)

Demonstranten zünden vor der Ölraffinerie in Grandpuits Autoreifen an

In Nanterre bei Paris kam es am Dienstag (19.10.2010) vor einer Schule erneut zu Ausschreitungen, nachdem dort am Montag mehrere Autos angezündet wurden und die Polizei Tränengas eingesetzt hatte. In Paris wurde ein 15-jähriges Mädchen nach einem Brand explodierender Motorroller schwer verwundet.

Mehrere Polizisten und ein Fotograf wurden bei Krawallen verletzt. Schaufenster wurden demoliert und Läden geplündert. Laut Erziehungsministerium waren am Dienstag 379 Schulen an den Protestaktionen beteiligt. Auch drei Universitäten in Bordeaux, Pau und Rennes waren völlig blockiert.

Gewerkschaften mahnen zur Mäßigung

Angesichts der gewaltsamen Ausschreitungen bei den Rentenprotesten haben die Gewerkschaften die Demonstranten zur "Friedfertigkeit" aufgerufen. Der Generalsekretär der einflussreichen Gewerkschaft CFDT, François Chérèque, sagte, die Demonstranten sollten sich nicht durch "Provokationen" aufstacheln lassen. Er verwies dabei auf Aktionen durch "Gruppen von Provokateuren und die Polizei".

Auch der Premierminister François Fillon sprach von einer Radikalisierung der Proteste. Präsident Nicolas Sarkozy rief zur Besonnenheit auf: "Ich appelliere an das Verantwortungsgefühl aller Beteiligten, um sicherzustellen, dass bestimmte Grenzen nicht gebrochen werden." Die Justizministerin Michèle Alliot-Marie sagte dem Sender Europe 1, gegen "Randalierer" werde mit "Härte" vorgegangen.

Allgemeine Unzufriedenheit in Frankreich

Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Deauville (Foto: AP)

Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Deauville

Präsident Sarkozy steht zunehmend unter Druck der eigenen Bevölkerung. Die Aktionen richten sich gegen die umstrittene Rentenreform. Hinzu kommt eine allgemeine Unzufriedenheit gegen die Regierung von Sarkozy. Es gehe um eine Ablehnung der amtierenden Regierung und eine als Ungerechtigkeit empfundene Politik, meint der Soziologe Didier Lapeyronnie von der Sorbonne.

Dagegen unterstützt Angela Merkel den französischen Präsidenten. "Wenn wir eine vernünftige Rente garantieren wollen, dann muss die Tatsache, dass wir länger leben, auch dazu führen, dass die Lebensarbeitszeit länger wird", sagte die deutsche Bundeskanzlerin dem französischen Sender France 2. Auch in Deutschland stößt die Reform um die Rentenanhebung von 65 auf 67 auf viel Widerstand.

Die aktuelle Rentenreform wird noch diese Woche im französischen Senat beraten. Das abschließende Votum wird frühestens am Donnerstag erwartet.

Autor: Rayna Breuer (dpa, ap, afp)

Redakteur: Dirk Eckert

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