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Flüchtlingskrise

Jugendlicher überlebt als wohl Einziger einen Schiffsbruch im Mittelmeer

Er wurde auf hoher See gefunden, nur an ein Stück Holz geklammert: Ein 16-jähriger Afrikaner ist einziger Zeuge und Überlebender einer neuen Tragödie im Mittelmeer. Fast 150 weitere Flüchtlinge werden vermisst.

Ein 16-Jähriger hat einen Schiffbruch auf dem Mittelmeer überlebt, bei dem mehr als 140 Menschen ertrunken sein könnten. Festgeklammert an ein Stück Holz sei er von der spanischen Fregatte "Canarias" entdeckt und Dienstagnacht von der Küstenwache nach Lampedusa gebracht worden. Das teilte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, mit.

Den Rettungskräften habe der Junge berichtet, dass er im libyschen Sabrata mit 146 anderen an Bord eines Bootes ging, das schließlich verunglückte. Es seien auch fünf Kinder und mehrere schwangere Frauen dabei gewesen. Die Flüchtlinge stammten demnach in der Mehrzahl aus Nigeria, Gambia und Mali. Wenige Stunden nach dem Start habe das Boot begonnen zu sinken. Er selbst habe sich zunächst an einem Benzinkanister festgeklammert, sagte der Jugendliche.

IOM: Vermutlich mehr Schiffsbrüche als bekannt

Die IOM geht davon aus, dass der 16-Jährige als einziger überlebt hat. "Das Unglück zeigt, dass wir von vielen Schiffbrüchen gar nichts mitbekommen", sagte Di Giacomo. Es könnten also in diesem Jahr bereits deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sein als die 649, die IOM als offizielle Zahl nennt.

Menschenschmuggler versuchen neben der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer Flüchtlinge über neue Routen nach Europa zu bringen. So haben Schleuser 91 Migranten - darunter 42 Minderjährige - aus der Türkei nach Zypern gebracht. Die aus verschiedenen Staaten des Nahen Ostens stammenden Menschen wurden von der Polizei an einem Strand nahe der Ortschaft Pomos im Nordwesten der Mittelmeerinsel entdeckt. Sie sagten den Behörden, sie hätten pro Kopf 1000 Euro an Schleuser für die Überfahrt bezahlt. Von den Schleppern fehlte jede Spur. Zypern liegt rund 70 Kilometer von der südtürkischen Küste entfernt.

Mittelmeer Rettungsaktion Flüchtlinge (Reuters/Y. Behrakis)

Die spanische Hilfsorganisation Pro-Activa Open Arms bei einer Rettungsaktion vor der libyschen Küste

In der vergangenen Woche hatte die spanische Hilfsorganisation Pro-Activa Open Arms nach dem Auffinden zweier gekenterter Schlauchboote vor der libyschen Küste die Befürchtung geäußert, etwa 250 Flüchtlinge aus Afrika könnten ums Leben gekommen sein. Seit Anfang des Jahres sind laut IOM mindestens 59 Migranten vor der Küste Libyens verschwunden. Die italienischen Behörden registrierten mehr als 23.000 Ankömmlinge an den Küsten Italiens. Allein seit Dienstag koordinierte die italienische Küstenwache demnach Maßnahmen zur Rettung von mehr als 1100 Flüchtlingen.

Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge aus Afrika nach Europa. Das Krisenland hat jedoch keine funktionierende Zentralregierung und wird in weiten Teilen von bewaffneten Milizen kontrolliert. Hilfsorganisationen weisen schon länger auf die katastrophalen Bedingungen für Flüchtlinge und die Menschenrechtsverstöße in dem nordafrikanischen Land hin.

Italien weitet Schutz für minderjährige Flüchtlinge aus

Italien will in Zusammenarbeit mit libyschen Stellen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge noch vor der Überfahrt über das Mittelmeer in Auffanglager in Libyen und von dort aus in ihre Heimatländer gebracht werden. Bei Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen stößt dies auf heftige Kritik. Italien ist von der Flüchtlingskrise besonders betroffen, weil die meisten Migranten über das Mittelmeer in dem Land ankommen - darunter auch Tausende unbegleitete Minderjährige.

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Migranten hängen in Italien fest

Mit einem neuen Gesetz hat Italien den Schutz für minderjährige Flüchtlinge nun ausgeweitet. Es sieht unter anderem vor, dass Kinder künftig nicht mehr an der Landesgrenze abgewiesen werden dürfen. Außerdem soll das System zur Identifizierung der Kinder beschleunigt werden und in ganz Italien einheitlichen Maßstäben unterliegen.

Menschenrechtsorganisationen begrüßten das Gesetz. Der Präsident des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) in Italien, Giacomo Guerrera, sagte: "Das ist ein wichtiger Schritt vorwärts für die minderjährigen Migranten und Flüchtlinge, die vor menschenunwürdigen Zuständen geflohen sind und voller Hoffnung auf ihre Zukunft nach Italien gekommen sind." Die Organisation Save the Children sprach von einem "historischen Tag für die Rechte der so verwundbaren Minderjährigen", weil das Gesetz den Schutz und die Aufnahme der Kinder garantiere. Laut Unicef sind alleine im vergangenen Jahr 25.850 Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern in Italien angekommen - mehr als doppelt so viele wie noch 2015.

myk/se (afp, dpa, kna)

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