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Wissen & Umwelt

Jugendliche gegen den Klimawandel

Jugendliche setzen sich weltweit gegen den Klimawandel ein. Sie sind so erfolgreich, dass sie nun sogar ein Mitspracherecht bei den UN-Klimakonferenzen haben. Auch junge Afrikaner und Asiaten sind dabei.

Auf dem Bild ist ein junges Mädchen von der NGO Negotiator Tracker bei der UN-Klimakonferenz in Bonn im Juni 2011 zu sehen. Foto: Benkamorvan, benoitkubiak.com

'Negotiator Tracker' auf der UN-Klimakonferenz in Bonn

Mostafa Medhat sitzt in einer der hintersten Reihen im großen Plenarsaal. Gespannt folgt er den Gesprächen über seine Kopfhörer, während er hastig in den Laptop tippt. Vor ihm steht das Schild "Civil Society" - er vertritt die Zivilgesellschaft. In Bonn findet zurzeit die UN-Konferenz zur Vorbereitung auf die 18. Klimakonferenz in Katar statt. Aus jedem Land sind Delegierte angereist, um über die Zukunft der Erde zu verhandeln.

Mostafa und der Delegierte Ägyptens stehen nebeneinander. (Foto: DW/Greta Hamann)

Mostafa mit dem ägyptischen Delegierten, den er "verfolgt"

Mostafa ist 23 Jahre alt und kommt aus Ägypten. Auf der Konferenz verfolgt er, was die arabischen und afrikanischen Delegierten auf den Weg bringen. "Adopt a Negotiator" - Adoptiere einen Delegierten - heißt das Projekt, für das Mostafa gemeinsam mit jungen Kollegen auf einer Internetseite erklärt, was auf der UN-Klimakonferenz passiert. Das Projekt soll Jugendlichen und allen Interessierten dabei helfen, die Verhandlungen besser zu verstehen. Zahlreiche Abkürzungen und verklausulierte Begriffe machen das oftmals schwer. "In den Nachrichten hört man dann immer, dass irgendeine Person etwas gesagt hat. Aber oft weiß man nicht: wer das ist und was die Person genau sagt. Wir vereinfachen das Gesagte und bringen es multimedial und interessant aufbereitet auf unserer Webseite zusammen", erklärt Mostafa.

Mostafa ist aber auch hier, um die afrikanische Jugend zu repräsentieren. Letzten Dezember war er noch in Südafrika auf der Klimakonferenz. Und seine nächste Reise zur Konferenz in Katar ist auch schon geplant.

Offizielles Mitspracherecht

Camilla Born sitzt an einem Tisch. (Foto: DW/Greta Hamann)

Camilla Born hält eine Rede vor dem Plenum der UN-Klimakonferenz

Mostafa und "Adopt a Negotiator" sind Teil einer internationalen Jugendklimabewegung, die sich von Jahr zu Jahr auf den großen Klimakonferenzen trifft und immer mehr Einfluss gewinnt. YOUNGO nennen sie sich. Die Abkürzung steht für "Youth Non-Governmental Organization" - ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen von Jugendlichen. Seit einem halben Jahr wird der internationalen Jugendklimabewegung vom UN-Klimasekretariat ein Mitspracherecht eingeräumt. Sie haben nun offiziell eine Stimme bei den Konferenzen und dürfen vor dem gesamten Plenum sprechen.

Dieser Status hat die Jugendlichen einen großen Schritt voran gebracht. Um effektiv Einfluss nehmen zu können, ist es wichtig, bei den großen UN-Konferenzen vor Ort zu sein. Hier werden die Entscheidungen getroffen. Doch Veranstaltungsorte in Indonesien, Dänemark, Mexiko oder Katar machen es den Jugendlichen nicht immer einfach, auch dabei zu sein. Durch den offiziellen Status der YOUNGO in der UN können jetzt auch Jugendliche aus finanzschwächeren Regionen unterstützt werden.

Alle Stimmen sollen gehört werden

Mostafa Medhat hält ein Plakat in der Hand. (Foto: Mostafa Medhat )

Protest in Durban: Mostafa Medhat

Die 24-jährige Pitri Rajagopalar aus Indien ist schon seit mehr als drei Jahren in der internationalen Jugendklimabewegung YOUNGO aktiv. Gemeinsam mit vielen anderen Jugendlichen hat sie für das Mitspracherecht der Jugend bei der UN gekämpft. Denn ein Problem war oftmals, dass Jugendliche aus armen Ländern nicht die Mittel aufbringen konnten, um bei den Konferenzen dabei zu sein.

"Bei den vergangenen UN-Klimakonferenzen war die Jugend aus den Ländern Afrikas und besonders aus Entwicklungsländern nicht so stark vertreten", so die junge Aktivistin. "Nachdem wir YOUNGO gegründet haben, können wir diesen Jugendlichen finanziell helfen, damit sie beispielsweise ihre Reisekosten decken können. Die Jugendlichen machen zwar eine super Arbeit bei sich zu Hause, aber wir wollen auch, dass ihre Stimmen bei den großen Konferenzen gehört werden."

Rund um die Welt für den Klimaschutz

In 42 Ländern Afrikas engagieren sich Jugendliche gegen Klimawandel und für Fortschritte in den UN-Verhandlungen. Sie haben sich zur Afrikanischen Jugendinitiative gegen Klimawandel (AYICC) zusammen geschlossen. Ihr ehrenamtlicher Leiter ist zurzeit Jean Paul Brice. Im vergangenen Jahr war der 24-Jährige außerdem ehrenamtlicher Vorsitzender der internationalen Jugendklimabewegung YOUNGO und stand so in regelmäßigem Kontakt zum UN-Klimasekretariat.

Jean Paul Brice stellt die Organisation African Youth Initiative on Climate Change vor. (Foto: Christian Schwarzer)

Jean Paul Brice bei der Klimakonferenz in Bonn 2011

Jean Paul kommt aus Kamerun. Sein persönlicher Hintergrund war für ihn ausschlaggebend, sich für den Klimawandel einzusetzen. “Ich habe mich dazu entschlossen, gegen den Klimawandel zu kämpfen, weil ich die Auswirkungen in meinem Land selbst sehen konnte. Damals wusste ich nicht einmal was Klimawandel ist, aber ich konnte sehen, dass sich viele Menschen in meinem Land nicht für die Umwelt interessieren“, sagt Jean Paul.
Damals kämpfte er noch gegen die regelmäßigen Überflutungen seines Hauses. Heute vertritt er die internationale Jugend auf Konferenzen weltweit.

Gerade ist Jean Paul in Portugal aus dem Flieger gestiegen. Er vertrat YOUNGO bei den Vereinten Nationen in New York, die nächsten drei Tage verbringt er auf einer Konferenz in Lissabon, um anderen Jugendlichen von seinen Erfahrungen zu erzählen. Danach geht es zurück nach New York und von dort aus direkt nach Rio de Janeiro zur Rio+20 UN-Konferenz, wo er an der Seite der internationalen Jugend stehen wird.

Schlaflose Nächte und keine Bezahlung

Für seine Arbeit erhält er kein Gehalt, lediglich Anfahrt und Unterkunft werden gezahlt. Doch daran denkt der junge Mann selten - dafür hat er viel zu wenig Zeit. Im Minutentakt informiert er Jugendliche in aller Welt über neue Kampagnen und Möglichkeiten, sich einzusetzen. In Kamerun hat er seine eigene Organisation gegründet. Müde ist er selten.

"Was mich motiviert, so hart zu arbeiten und mich aufzuopfern, ist das Wissen, dass viele andere Jugendliche rund um den Globus das Gleiche tun. Sie verbringen schlaflose Nächte, geben ihr eigenes Geld aus, um ins Internet zu kommen oder um Leute anzurufen. Und sie tun all das ohne Bezahlung, sie alle arbeiten ehrenamtlich. Wenn ich das sehe, dann merke ich, dass ich nicht alleine bin."

Während er die letzten Sätze spricht, tippt er schon die nächste E-Mail in seinen Laptop - eine Minute später lädt auch Mostafa Medhat einen neuen Eintrag auf seinen Blog hoch. Er ist davon überzeugt, dass die Jugend weltweit dazu bereit ist, den Klimawandel zu bekämpfen - jetzt muss sie es nur noch schaffen, die Politiker zum Mitmachen zu bewegen.

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