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Amerika

Jugendliche auf der Flucht

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA ist gefährlich. Trotzdem versuchen täglich Hunderte verzweifelte Mittelamerikaner, sie illegal zu überqueren. Unter denen, die es versuchen, sind immer mehr Minderjährige.

Es ist eine alarmierende Zahl: Fast 50.000 Jugendliche unter 18 Jahren haben innerhalb des vergangenen Jahres versucht, die Grenze zwischen Mexiko und den USA ohne eine entsprechende Erlaubnis zu überqueren. Komplett auf sich allein gestellt machen sich Kinder und Jugendliche täglich auf den Weg. Sie wollen der Armut und der Gewalt in ihren Ländern entfliehen und hoffen auf ein besseres Leben in den Vereinigten Staaten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich

die Zahl der Flüchtlinge fast verdoppelt.

Für das kommende Jahr wird eine weitere Verdoppelung erwartet.

Die Zahlen stammen vom Forschungszentrum "Pew" aus Washington. Und sie haben das wahre Ausmaß nicht einmal komplett erfasst: Denn die Statistik zählt lediglich diejenigen Jugendlichen, die von den Grenzpolizisten festgenommen wurden. Wie viele Minderjährige wirklich den gefährlichen Weg von Zentral- nach Nordamerika gehen, ist unbekannt.

Gewalt und Armut treibt die Minderjährigen in die Flucht

Die meisten dieser jungen Menschen kommen aus den ärmsten Ländern Mittelamerikas: El Salvador, Guatemala und Honduras. Ein Viertel von ihnen sind Mexikaner.

Grenzzaun an der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. (Foto: FREDERIC J. BROWN/AFP)

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko wird streng bewacht

Neben Armut gehört vor allem auch die Angst vor Gewalt im eigenen Land zu den wichtigsten Gründen, aus denen die jungen Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Sowohl in Guatemala als auch in den umliegenden Ländern werden tagtäglich unzählige junge Menschen ermordet - sie werden in die Streitigkeiten krimineller Banden verwickelt oder werden Opfer von Raubüberfällen.

Personen, die vor Gewalt fliehen, haben ein Recht auf Asyl im Ausland, sagt Leslie Vélez. Sie ist beim Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) unter anderem für Asylbewerber und Staatenlose in den USA zuständig. Das Flüchtlingswerk sprach Anfang 2014 mit zahlreichen jungen Flüchtlinge, um die Beweggründe für ihre Flucht aus der Heimat festzustellen.

"Wenn diese jungen Menschen ausgewiesen werden ohne, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, Asyl zu bekommen oder sie auf eine andere Art und Weise Schutz erhalten, dann verletzt dieses Land internationale Konventionen", sagte Leslie Velez in einem Interview mit dem US-Magazin "National Journal". Nicht nur in den USA stellen immer mehr Zentralamerikaner Asylanträge, auch in Belice, Costa Rica, Mexiko, Nicaragua und Panama suchen die Flüchtlinge zunehmend Zuflucht und Schutz. Seit dem Jahr 2008 sei die Zahl der Asylanträge in diesen Ländern um ein siebenfaches angestiegen, so Velez.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Grenze zwischen Mexiko und USA. (Foto: HECTOR GUERRERO/AFP/Getty Images)

Viele versuchen auf den Dächern von Zügen über die Grenze zu gelangen

Auch Isabel Rosales glaubt, dass vor allem die

in vielen mittelamerikanischen Ländern vorherrschende Gewalt

die jungen Menschen zur Auswanderung bewegt: "Diese Jugendlichen machen sich nicht auf so eine gefährliche Reise, nur weil sie darauf hoffen, in den USA mehr Geld zu verdienen, das sie dann an ihre Eltern schicken können. Sie machen das, weil die Gewalt in ihrer Heimat ihnen das Leben unmöglich macht." Rosales forscht am GIGA Institut in Hamburg und ist auf Migration in Mittelamerika spezialisiert.

Für das Wohl der Kinder seien vor allem die verschiedenen Staaten und deren Politik verantwortlich, so Rosales im Gespräch mit der DW: "In den Ländern gibt es keine garantierte Bildung und die Möglichkeiten für die Jugendlichen, sich zu entwickeln, sind ebenfalls so gut wie gar nicht vorhanden." Die fehlende Aufmerksamkeit seitens des Staates nutzen dann die kriminellen Banden in den Ländern, erklärt Rosales weiter: "Und die Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen vertreibt diese ebenfalls."

Zu spät reagiert

Die Vereinigten Staaten sind nun auf der Suche nach einer Lösung: Sowohl die US-Agentur für Katastrophenschutz (FEMA) als auch das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten wurden von Präsident Barack Obama mit der Aufgabe betraut, die Krise einzudämmen. Trotzdem prangern Kritiker die Regierung weiter an. Die USA habe zu spät reagiert, heißt es.

"Es ist eine humanitäre Krise", sagt die Politologin Rosales. Auch Leslie Velez betont die Dringlichkeit des Problems. Die Bekämpfung von Armut, Arbeitslosigkeit und Korruption in den Heimatländern der Flüchtlinge müssten - neben der humanitären Hilfe - ebenso in den Vordergrund gerückt werden.

Ebenso sollten die Länder, in denen die jungen Menschen Zuflucht suchen, sich zusammen tun, um ihnen mehr Schutz zu bieten. Es müssten mehr Informationen zwischen den Ländern ausgetauscht werden und auch die restriktive Einwanderungspolitik der USA und Mexikos müssten überdacht werden. Denn auch sie sei ein Grund dafür, dass sich viele dafür entscheiden, illegal und ohne Dokumente auszuwandern und somit noch mehr Risiken auf sich zu nehmen.

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