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Kultur

Jugendbücher für jedes Alter: All-Age-Romane

All-Age-Romane sind angesagt: Sofies Welt und Harry Potter sind wohl die berühmtesten Beispiele für Bücher für junge Menschen, die Leser in allen Altersgruppen gefunden haben.

Theologin Katrin Schröder blättert in Harry Potter Buch. (Quelle: Picture Alliance/dpa)

Als erwachsene Frau Harry Potter lesen? Das ist nicht komisch, sondern im Trend

"Die Lesegewohnheiten haben sich in den letzten Jahren ganz sicher verändert", sagt Thomas Zirnbauer, der beim Deutschen Taschenbuch Verlag zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit ist. Die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch würden zunehmend verschwimmen. Otfried Preusslers "Krabat" etwa, ein Klassiker der Jugendliteratur, dessen Verfilmung soeben erfolgreich in den Kinos angelaufen ist, verkauft der Thienemann Verlag nach wie vor gut an ein junges Publikum. Die Großdruck-Ausgabe bei dtv findet hingegen mehr Zuspruch von erwachsenen Lesern. In diesem Fall bedienen zwei Verlage mit unterschiedlichen Ausgaben verschiedene Zielgruppen. Zunehmend aber greifen Erwachsene auch ganz gezielt nach Jugendbüchern. "Da scheint gerade die Fantasy das perfekte Genre zu sein, um jugendliche und erwachsene Leser auch zusammen zu führen", weiß Thomas Zirnbauer. Fantasy-Leser seien extensive Leser, die viel und engagiert lesen würden und sich gerne darüber austauschen. Gerade im Bereich Fantasy finde man sehr viele All-Age-Titel, weil diese offensichtlich ein bestimmtes, altersübergreifendes Lesebedürfnis erfüllen würden.

Der All-Age-Roman ist nicht neu

Bücher für verschiedene Lesealter hat es schon immer gegeben. Friedbert Stohner, verantwortlich für das Kinder- und Jugendbuch im Hanser Verlag, erinnert etwa an "Gullivers Reisen" oder "Die Schatzinsel". Das waren Bücher, die für Erwachsene geschrieben wurden, dann aber in den Kanon der Jugendliteratur Eingang gefunden haben, zum Teil in gekürzter oder altersgerecht aufbereiteter Form. Neuerdings aber geht der Trend in die umgekehrte Richtung, immer mehr Erwachsene greifen zu Jugendbüchern: "Mir als Verleger von Jugendbüchern und Young-Adult-Büchern sollte das eigentlich recht sein", erzählt Stohner, "aber als normal Sterblichem gibt mir das zu denken". Offensichtlich würden auch erwachsene Leser es nicht so schwierig haben wollen.

Wolfgang Steigner, Vertriebsleiter des Gerstenberg Verlags, kennt sich aus mit Jugendromanen. Die Anspruchshaltung sei nicht so hoch, sondern sie seien so erzählt, dass man sie auch mit einem normalen Wissenshintergrund verstehen könne. "Der Jugendroman ist spannend, er ist fesselnd, denn sonst würden Jugendliche nicht dran bleiben", erklärt Steigner. Genau das sei offensichtlich ein Reiz, den viele Erwachsene für sich auch suchen würden. "Möglicherweise ist das ein Defizit in der Belletristik, dass viele Romane für normal gebildete Menschen zu schwierig sind, und die sich lieber von einem gut geschriebenen Jugendbuch fesseln lassen."

Berührungen mit der Realität

Außerdem finden Erwachsene im Jugendbuch gelegentlich Titel, die ihren eigenen Lebensentwurf berühren. Der Roman "Ich, Adrian Mayfield" von Floortje Zwigtman, im aktuellen Herbstprogramm bei Thienemann erschienen, erzählt vom Coming-Out eines jungen Mannes, der im London um die letzte Jahrhundertwende Zugang in die Künstlerkreise um Ocsar Wilde findet. Der wird nun auch in den Versandkatalogen schwuler Buchläden empfohlen. Aber der Hinweis, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, fehlt. Kerstin Gleber, Lektorin für internationale Literatur im Verlag Kiepenheuer & Witsch, erklärt: "Man muss sagen: Jugendlich heißt nicht für Vierzehn- bis Achtzehnjährige. Sondern wir denken, es sind Vierzehn- bis Vierzigjährige."

Buchcover Slam von Nick Hornby

Auch ein All-Age-Roman: Nick Hornbys Buch "Slam"

In der Kiwi-Paperback-Reihe veröffentlicht das Haus, das sich keineswegs als verkappter Jugendbuchverlag versteht, Titel wie Nick Hornbys "Slam" oder Niven Govindens "Graffiti my soul", einen Roman über das Erwachsenwerden in den Zeiten von Hip-Hop und Handy. Zielgruppe sind neben Erwachsenen auch Jugendliche, die das Etikett "Jugendbuch" nicht mögen, weil sie sich dem Genre bereits entwachsen fühlen. Das weiß auch Kerstin Gleber. "Als wir gesagt haben, wir möchten ein jüngeres Publikum haben, war das fast ein kulturkämpferischer Anspruch." Man habe gesagt, es könne nicht sein, dass die Jugendlichen nicht lesen. Es müsse daran liegen, dass sie nicht die richtigen Bücher zum Lesen bekommen. "Das ist für uns ein Anspruch", sagt Gleber, "auch Bücher zu finden, die Jugendliche oder junge Leser interessieren". Gleichzeitig soll deren Interesse für das weitere – erwachsene – Verlagsprogramm geweckt. Die Rechnung könnte aufgehen. Die Kiwi-Paperback-Reihe erfreut sich bei Jugendlichen nämlich großer Beliebtheit. "Jugendliche wollen richtige Bücher lesen", sagt Kerstin Gleber. Zumindest jene, ließe sich einschränken, die bereit sind, sich auch auf anspruchsvolle Inhalte einzulassen.