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Top-Thema – Podcast

Jugend nach der Wende

Jugendliche in Ostdeutschland sehen bei sich kaum noch Unterschiede zu ihren westdeutschen Altersgenossen. Und doch wuchsen sie in einem anderen Deutschland auf. Viele wollen nach der Schule nach Westdeutschland ziehen.

Frankfurt an der Oder liegt direkt an der polnischen Grenze. Für einige Westdeutsche steht das für hohe Arbeitslosigkeit und Verfall. Die Schüler eines Frankfurter Gymnasiums sind von solchen Vorurteilen genervt. Florian Hundertmark erzählt: "Wenn jemand über uns berichtet, dann geht es doch eh nur um Arbeitslose oder Rechtsradikale. Da kann man ja als Wessi nichts Tolles von Frankfurt denken."

Wenn Jugendliche aus Frankfurt an der Oder an die deutsche Einheit denken, geht es nicht um Politik oder Geschichte. Es geht um ihre Zukunft auf dem Arbeitsmarkt. In Ostdeutschland gibt es mit 11,5 Prozent fast doppelt so viele Arbeitslose wie in Westdeutschland. Während 1990 noch 80.000 Menschen in Frankfurt an der Oder wohnten, haben 20 Jahre nach der Wende fast 30.000 die Stadt verlassen. Auch Florian und seine Freunde werden wohl in die alten Bundesländer ziehen. Florians Studienfach, Fahrzeugbau, gibt es nur im Westen. Doch eigentlich würde er gerne in der Nähe bleiben.

Es gibt immer noch ökonomische Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Auch die Ausdrücke "Ossi" und "Wessi" tauchen noch auf. Trotzdem sind sich die Frankfurter Jugendlichen einig, dass es kein geteiltes Deutschland mehr gibt. Schüler Jörn meint: "Man hört zwar immer noch von der Mauer in den Köpfen, aber ich denke, so langsam legt sich das auch." Die heutigen Oberstufenschüler kennen Deutschland nur als geeinten Staat – sie wurden zwischen 1992 und 1994 geboren.

Was die Interessen der Jugendlichen angeht, wachsen junge Deutsche sehr ähnlich auf, meint Thomas Gensicke, der bei einem Forschungsinstitut arbeitet. Aber es gibt auch Unterschiede: So stehen laut Gensicke die Jugendlichen in Ostdeutschland dem politischen System skeptischer gegenüber. Trotzdem freuen sich die ostdeutschen Schüler über die Einheit. Schülerin Inka stellt fest: "Es gab im Osten viele eingeschränkte Freiheiten, zum Beispiel Ausreiseverbote."

Glossar

Wende, die – hier: der Mauerfall und die Wiedervereinigung der DDR und BRD

Altersgenosse/in, der/die – jemand, der so alt wie jemand anders ist

Frankfurt an der Oder – eine Stadt im Osten Deutschlands, die am Fluss Oder liegt (nicht verwechseln mit Frankfurt am Main)

für etwas stehen – hier: etwas bedeuten

Verfall, der – die Tatsache, dass etwas langsam kaputtgeht

jemand ist von etwas genervt – etwas stört jemanden

Vorurteil, das – eine negative Meinung über etwas/jemanden, die meist nicht richtig ist

Rechtsradikale, der/die – jemand mit einer politisch extrem rechten Meinung

"Wessi", der – umgangssprachlich für: der Westdeutsche (↔ der "Ossi"), meist negativ gebraucht

deutsche Einheit, die – die Vereinigung von BRD und DDR im Jahre 1990

die alten Bundesländer – gemeint sind: die Bundesländer auf dem Gebiet der BRD vor 1990 (↔ die neuen Bundesländer)

ökonomisch – wirtschaftlich

sich über etwas einig sein – die gleiche Meinung zu etwas haben

etwas legt sich – etwas wird weniger

Oberstufenschüler/in, der/die – ein/e Schüler/in der 11. oder 12. Klasse

geeint – vereinigt; so, dass etwas, was getrennt war, (wieder) zusammen ist

etwas skeptisch gegenüberstehen (mit Dativ) – etwas kritisch sehen

eingeschränkt – hier: so, dass bestimmte Dinge verboten sind

Ausreiseverbot, das – das Verbot, einen Staat verlassen zu dürfen


Fragen zum Text

1. Es gibt Westdeutsche, die bei ostdeutschen Städten an … denken.

a) die polnische Grenze

b) Arbeitslosigkeit und Rechtsradikale

c) Frankfurter Schulen

2. In Ostdeutschland gibt es …

a) mehr Bundesländer als in Westdeutschland.

b) weniger als 80.000 Menschen.

c) fast doppelt so viele Arbeitslose wie in Westdeutschland.

3. Die Jugendlichen aus Frankfurt an der Oder …

a) studieren Fahrzeugbau in Ostdeutschland.

b) ziehen zum Studieren wahrscheinlich in die alten Bundesländer.

c) werden nach der Schule in die neuen Bundesländer ziehen.

4. Wie kann man diesen Satz sinnvoll ergänzen? "Die Deutschen sind sich … darüber, dass der Mauerfall ein positives Ereignis war."

a) geeint

b) einig

c) vereint

5. Es gibt in Deutschland zwei Städte, die Frankfurt heißen. Wie heißen die Flüsse, die durch diese Städte fließen, im Nominativ?

a) die Main und die Oder

b) der Main und die Oder

c) der Main und der Oder

Arbeitsauftrag

1. Im Text ist die Rede von der "Mauer in den Köpfen". Das macht sich auch in der deutschen Sprache bemerkbar. Erklären Sie zunächst, was Sie unter "die Mauer in den Köpfen" verstehen und markieren Sie dann im Text diejenigen Begriffe, die zeigen, dass diese noch existiert. Diskutieren Sie: Was kann man tun, um diese Mauer zu überwinden?

2. Schlagen Sie die Begriffe "Einigung", "Vereinigung", "Einheit" und "Einigkeit" nach und arbeiten Sie die Unterschiede in der Bedeutung heraus. Bilden Sie dann jeweils einen Satz mit jedem dieser Wörter.

Autor: Benjamin Hammer/Lukas Völkel

Redaktion: Shirin Kasraeian

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