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Deutschland

Jugend forsch

Auf der Zielgeraden des Wahlkampfes werben die Parteien verstärkt um die Jungwähler. Um die zu gewinnen, schicken die Parteien ihre Jugendorganisationen ins Rennen. Deren Wahlkampf ist unkonventionell und unangepasst.

Mitglieder der Jungen Union

Junge Union

Eines wollen sie alle: Vertrauen. Alle Parteien werben im Wahlkampf um das Vertrauen der Wähler. Doch eine wichtige Wählergruppe scheint genau dieses Vertrauen der Politik zu verweigern: Die Jungwähler. Nur 39 Prozent der Heranwachsenden sind laut der Shell-Jugend-Studie politisch interessiert. Jene Studie datiert zwar aus dem Jahr 2006, aber ihr Koordinator Klaus Hurrelmann erwartet auch bei der nächsten Erhebung 2010 ähnlich niedrige Werte.

Nicht die besten Voraussetzungen also für einen Wahlkampf um junge Stimmen. Um die werben stellvertretend für die Mutterparteien vor allem ihre Jugendorganisationen - und zwar mit völlig anderen Mitteln. Wer junge Menschen erreichen will, sollte sich vom konventionellen Wahlkampf verabschieden, glaubt Johannes Vogel, Vorsitzender der Jungen Liberalen (JuLi): "Wir haben bewusst nicht auf Wahlkampf-Stände gesetzt, da man junge Menschen dort gar nicht erreicht. Wir haben das Internet sehr viel stärker genutzt und sind dort hingegangen, wo junge Leute sind: in Kneipen oder ins Freibad."

Verbale Überzeugungsarbeit vor Ort

Junge Liberale

Junge Liberale


Auch Plakate spielen im Wahlkampf der parteinahen Jugendorganisationen scheinbar kaum noch eine Rolle. Die Jungpolitiker setzen eher auf verbale Überzeugungsarbeit vor Ort. So touren zum Beispiel JuSos, Junge Grüne oder auch die Linksjugend mit Wahlkampf-Bussen durchs Land und versuchen, an Schulen und Unis zu punkten.

Die Forderungen der jungen Wahlkämpfer gehen dabei oft weiter als die ihrer Mutterpartei: "Die Linke will eine Aufstockung des BAföG. Wir wollen dagegen Studienhonorare einführen, unabhängig vom Einkommen der Eltern", erklärt Christoph Kröpl, Bundesgeschäftsführer der Linksjugend. Auch die Grüne Jugend grenzen sich in einigen Punkten klar von der Mutterpartei ab: Wegen der hohen Umweltbelastung wollen sie innerdeutsche Flüge ganz verbieten – während grüne Spitzenpolitiker für Wahlkampftermine gerne auch schon mal in den Flieger steigen.

"So langsam reicht's auch mit Wahlkampf"

Einige Jungpolitiker versuchen sich im Spagat: So ist die stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union, Dorothea Bär, gleichzeitig auch Stellvertretende Generalsekretärin der CSU. Ihr merkt man den Stress der letzten Wochen deutlich an: "So langsam reicht's auch mit Wahlkampf", seufzte die Bayerin am Ende des Interviews mit der Deutschen Welle. Sie kämpft gerade um ihren Platz im Bundestag und glaubt, dass junge Wähler nicht sehr einfach zu gewinnen sind; am ehesten noch mit klaren Aussagen, zum Beispiel in der Koalitionsfrage: "Sowie ich die SPD jetzt im Wahlkampf erlebe, ist die SPD kein Koalitionspartner. Eine Neuauflage der großen Koalition wird die Probleme unserer Zukunft nicht lösen".

Grüne Jugend (Foto: flickr / Bündnis 90 / Die Grünen)

Grüne Jugend

Auch Max Löffler, Sprecher der Jungen Grünen, hat seine eigenen Vorstellungen von möglichen Konstellationen nach der Wahl. "Diese Ausschließeritis, die da gerade wieder stattfindet, ist ein Zeichen dafür, dass viele etablierte Politiker noch nicht im Sechs-Parteien-System angekommen sind", sagte Löffler. Die Jugendorganisationen seien generell "viel gesprächsbereiter als unsere
Altvorderen". So haben die Jungen Grünen gute Kontakte zu den Jungen Liberalen und auch die Linksjugend stehe nicht so isoliert da wie die Linkspartei auf Bundesebene, findet Löffler.

"Mehr Kreativität wagen"

Jungsozialisten (Jusos)

Jusos


Ein Thema scheint die Jungpolitiker von Junge Union bis Grüne Jugend zu einen: das Schlagwort Generationengerechtigkeit. Der Anstieg der Staatsverschuldung durch teure Konjunkturprogramme gehe zu Lasten der jungen Generation, argumentieren viele von ihnen. So ist Franziska Drohsel, Vorsitzende der JuSos, offenbar auch von der eigenen Mutterpartei enttäuscht: "Ich habe gar keine Lust, mir von älteren Politikern vorschreiben zu lassen, wie unsere Generation in 20 bis 30 Jahren Haushaltspolitik betreiben soll. Das finde ich sehr ärgerlich."

Und was könnte sich ändern, wenn die junge Generation ins politische Establishment aufrückt? Für JuLi-Chef Johannes Vogel sind vor allem die Wahlkampf-Methoden der Parteien verbesserungswürdig. "Ich wäre etwas mutiger gewesen in der Wahlkampfgestaltung und hätte auch auf frechere Aussagen gesetzt. Man könnte dort durchaus etwas mehr Kreativität wagen."

Autor: Joscha Weber
Redaktion: Hartmut Lüning