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Kultur

Juden im Iran - ein Leben in der Diaspora?

Der iranische Präsident Ahmadinedschad leugnet den Holocaust. Trotzdem lebt im Iran die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Nahen Osten - und die weltweit älteste. Eigentlich fühlt sie sich verwurzelt und integriert.

Ein älterer Jude sitzt lesend in einer Synagoge in Teheran

Ein iranischer Jude in einer Synagoge in Teheran: Im Gebet wird hebräisch gesprochen

Sie leben ausgerechnet in dem Staat, dessen Präsident den Holocaust an den Juden verleugnet: Die größte jüdische Gemeinde im Nahen Osten außerhalb Israels lebt im Iran. Die Mitglieder betrachten sich als iranische Juden. Die Frage, wo ihre Eltern herkommen, ist für diese Menschen - im Gegensatz zu anderen in der Diaspora lebenden Juden - ohne Bedeutung. Auf die besondere Erlaubnis zur Immigration des Staates Israel, die nicht zuletzt wegen der Äußerungen Ahmadinedschads gewährt wird und eine privilegierte Religionsfreiheit mit sich bringt, antworten viel iranische Juden: "Unsere iranische Identität ist nicht mit Geld aufzuwiegen."

Arash Abaie, Vertreter der jüdischen Gemeinschaft im staatlichen Institut für Religions-Dialog im Iran und Gründer des jüdischen Monatsmagazins “Bina”, erklärt die Verbundenheit: "Volkshistorisch sind sie weltweit die ältesten und beständigsten Juden. Sie leben seit dem König Kyros II. (539 v. Chr.) in den Gebieten des heutigen Irans, während andere Juden von Generation zu Generation ihren Wohnsitz und ihr Land wechseln mussten." Ihre Wurzeln seien auf die Zerstörung des ersten Tempels in Jerusalem durch die Babylonier zurückzuführen. Man könne den Iran also weltweit als die zweite jüdische Heimat bezeichnen.

Die Kultur ist eher persisch geprägt

Dies zeigt sich auch in Bezug auf die Sprache. Abaies jüdisches Magazin "Bina" erscheint auf Persisch. Einzig beim Gebet gebe es Unterschiede in der Sprache, meint Abaie. "Hebräisch ist für iranische Juden genauso die Sprache des Gebets, wie es Arabisch für iranische Moslems darstellt". Auch die jüdische Kultur wird im Iran nicht so gepflegt, wie in der restlichen Welt. "Bei uns ist die religiöse Kultur mehr persisch geprägt als jüdisch. So gleichen die Hochzeitssitten und Trauer-Bräuche mehr denen der Iraner, als denen der Juden in anderen Ländern", erläutert Abaie.

Jüdische Stadtviertel gibt es in den iranischen Städten nicht. Sie leben als Iraner in der Nachbarschaft mit anderen Iranern. Der jüdische Chirurg Dr. Mohaber arbeitet zweimal wöchentlich im Krankenhaus "Saphir" in der Hauptstadt Teheran, welches von iranischen Juden im In- und Ausland finanziert wird. "Unsere Besucher sind mehrheitlich Moslems. Nicht wenige möchten gern hier stationär behandelt oder von einem jüdischen Arzt untersucht werden", sagt er und zeigt, dass es keine Berührungsängste zwischen den Religionen gibt.

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