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Wirtschaft

Jubiläum für ein Erfolgsmodell

Vor 60 Jahren mochten sich viele westdeutsche Unternehmer nicht mit der wirtschaftlichen Teilung Europas abfinden. Sie gründeten den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, und der wurde zur Erfolgsgeschichte.

Ein Teil der Berliner Mauer in Berlin (Foto: DW/Louise Osborne)

Ein Teil der Berliner Mauer in Berlin

"Es ging dem Ost-Ausschuss vom Tag Eins an darum, die wirtschaftliche Teilung als Folge des Krieges, die wirtschaftliche Teilung Europas zu überwinden", sagt Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Man schrieb das Jahr 1952. Die junge Bundesrepublik befand sich mitten im Wirtschaftswunder, feierte einen Exporterfolg nach dem anderen - aber nur in den Westen. Die Wirtschaft jenseits des Eisernen Vorhangs, im sogenannten Ostblock, war für deutsche Unternehmer terra incognita.

"Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre waren die Wirtschaftsbeziehungen zum Osten zusammengebrochen. Vertretungen der deutschen Wirtschaft in den Staaten des Warschauer Paktes gab es nicht mehr", so Cordes. "Es gab keine Handelsverträge. Und alles das, was Sie heute sehen, die Außenhandelskammern, die wir in dieser Region haben, dieses dichte Netz an Beziehungen - alles das ist eben in den vergangenen 60 Jahren aufgebaut worden."

Der Manager und Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes (l) und Ex-Bundeminister Egon Bahr (Foto: dpa)

Egon Bahr (re.) wollte "Wandel durch Annäherung". Eckhard Cordes leitet heute den Ost-Ausschuss.

Wandel durch Handel

Doch es war ein langer Weg dorthin, denn es herrschte eiserne Kälte zwischen den beiden großen Machtblöcken. Der Kalte Krieg war der Versuch der Marktwirtschaft im Westen und der zentralen Planwirtschaft im Osten, sich als das jeweils bessere System zu beweisen - überall, nur nicht auf dem Schlachtfeld. "Als das damals begann, da verhandelte man von der Seite der deutschen Wirtschaft nicht mit Unternehmen, sondern mit Staatswirtschaften. Da lag es nahe, sich zusammenzuschließen, Wissen und Kontakte auszutauschen, Ressourcen zu bündeln um mit einer Stimme der Wirtschaft zu sprechen in Richtung Osteuropa. Das war die Geburtsstunde für das gedankliche Konzept für den Ost-Ausschuss."

Die älteste Regionalinitiative der deutschen Wirtschaft wurde 1952 von Unternehmern und Wirtschaftsverbänden wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie gegründet. Ihr Glaubenssatz hieß: "Wandel durch Handel", eine Überzeugung, die auf politischer Seite von Politikern wie Egon Bahr und Willy Brandt unterstützt und gefördert wurde, denn ihr politisches Credo hieß "Wandel durch Annäherung". Witzig nebenbei: Die westdeutsche Wirtschaft, traditionell mit den Christdemokraten verbunden, war damals schon weiter als die CDU selbst, denn die verteufelte die Politik der Sozialdemokraten Bahr und Brandt damals aufs heftigste.

Pragmatismus vor Ideologie

Doch der Pragmatismus siegte über die Ideologie. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Anfang der 50er Jahre lag das bundesdeutsche Handelsvolumen mit Osteuropa praktisch bei Null. Ende der 80er Jahre stieg der Anteil Osteuropas an den westdeutschen Exporten auf sechs Prozent, 2011 machten die Exporte Deutschlands nach Osteuropa 17 Prozent aus. "Damit liegen die Exporte nach Osteuropa über den Exporten nach USA, die sind nämlich bei sieben Prozent, und auch nach China, die liegen bei sechs Prozent", so Cordes.

Dem Ost-Ausschuss gehören heute wichtige deutsche Unternehmerverbände und rund 180 deutsche Unternehmen an. Wichtiger aber: Er unterhält Kontakte zu 21 Ländern in Ost- und Südosteuropa und in Zentralasien. Wer immer dort Geschäfte machen will, sollte sich auch heute noch an den Ost-Ausschuss wenden, um Rat, Tat und Hilfe zu bekommen. Das lohnt sich: Rund 6500 deutsche Unternehmen sind heute in Russland vertreten, rund 1000 in Kasachstan, 820 in Usbekistan.

Lob aus Russland

Und wie sieht die andere Seite den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft? Der Geschäftsmann Boris Titov, der seit Juni 2012 als Ombudsmann des russischen Präsidenten Putin für die Rechte der Unternehmer tätig ist, leitete vorher viele Jahre lang die russische Unternehmervereinigung "Delowaja Rossija", "Das geschäftliche Russland". Er hält den Ost-Ausschuss für "eine der durchsetzungsfähigsten und effizientesten Institutionen in den westlichen Ländern, die mit Russland auf wirtschaftlichem Gebiet zusammenarbeiten. Und was besonders wichtig ist: Er schenkt gerade der Zusammenarbeit mit den verarbeitenden, industriellen, mittelständischen Unternehmen in Russland sehr große Aufmerksamkeit ".

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