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Europa

Jubiläum für die Metro

Nicht nur Paris hat eine Metro - auch Moskau ist stolz auf seine Untergrundbahn. Vor 75 Jahren wurde die erste Linie eröffnet. Mareike Aden mit einer Liebeserklärung an die Moskauer Metro.

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Wer als Deutscher länger in Moskau wohnt, der läuft Gefahr, ein Wort zu vergessen: U-Bahn. Stattdessen schleicht sich in den Alltagswortschatz schon bald ein auf Deutsch eher altmodisch klingendes Wort ein: Metro. Die Metro ist die Lebensader von Moskau, denn irgendwann benutzt sie fast jeder. Genau deshalb wählen Selbstmordattentäter sie als Ziel für ihre tödlichen Anschläge, wie zuletzt Ende März. Aber auch wenn die Waggons danach für ein paar Tage nur halbvoll waren - Tatsache ist, dass kaum ein Moskowiter vorbei kommt an der Metro.

Metro-Zeichen der Moskauer Metrostation Elektrosawodskaja (Foto: dpa)

Zeichen der Moskauer Metro

Derzeit feiert die Metro - offiziell Moskowskij Metropoliten - Jubiläum. Am 15. Mai 1935 wurde die erste Metrolinie eröffnet, heute gibt es elf. In den Stationen, die Gewölben ähneln und wegen ihrer bunten Mosaike und Kronleuchter oft als Paläste fürs Volk bezeichnet werden, hängen seit Wochen Plakate mit schwarz-weißen Fotos aus den ersten Tagen der Metro. Ein Foto zeigt eine Jubeldemonstration, bei der Menschen Plakate tragen, auf denen steht: "Es gibt eine Metro."

Metro am Bahnsteig (Foto: AP)

Moskauer Metro

Seit es die Metro gibt, gibt es auch Gründe, über sie zu schimpfen – und das gern und oft: Zur Hauptverkehrszeit sind die unterirdischen Gänge so überfüllt, dass für einen Richtungswechsel ausgefahrene Ellenbogen nötig sind – und die Hauptverkehrszeit ist bis auf wenige Stunde am Tag Normalzustand. In den Wagen ist es dann meist so voll, dass die Türen kaum zugehen. Fallen sie dann doch ruckartig zu, scheppern sie so heftig, dass man hofft, niemals dort eingeklemmt zu werden. In den Wagen ist es zu jeder Jahreszeit stickig, und immer wieder schläft auf dem Nebensitz jemand seinen Vollrausch aus.

Aber es gibt mindestens genauso viele Gründe, die Metro zu mögen. Der Hauptgrund, weshalb auch viele, die ein Auto zu Hause stehen haben, mit der Metro fahren, sind die riesigen Staus. Eine Autofahrt von einem Ende der Stadt zum anderen kann schon mal vier Stunden dauern. Im Winter bei bis zu minus 30 Grad freut sich jede und jeder über jede Minute im Schutz der Metromauern. Wer die Monatskartenpreise in Berlin oder Hamburg gewöhnt ist, zahlt dafür in Moskau gern die knapp 30 Euro.

Wie ein Palast: Der Eingang zur Metrostation Kurskaja (Foto: AP)

Kein Palast, sondern Metrostation Kurskaja

Und für all jene, die nach dem Fall der Sowjetunion zum ersten mal nach Moskau gekommen sind, kann eine einfache Metrofahrt zur Reise zurück in die Vergangenheit werden, vorbei an Lenin-Statuen, an Hammer-und-Sichel-Emblemen und an Arbeiterdenkmälern. Sogar romantisch ist die Metro: Paare nutzen die Zeit auf den langen Rolltreppen zum Knutschen, und in den Stationen - man trifft sich nicht auf der Straße, sondern "in der Mitte des Saales" - warten vor allem am Abend Männer mit einer Rose oder gar einem ganzen Strauß auf ihre Liebste.

Mag sein, dass die auf den Fotos abgebildete Jubeldemo zu Ehren der Metro im Jahr 1935 bestellt war von den Mächtigen im Kreml, für die der Bau der Metro ein Prestigeprojekt war. Aber tatsächlich gibt es auch heute noch täglich Grund zum Bejubeln des gigantischen Systems. Der 15. Mai sollte von daher zumindest Grund sein, einmal nicht über die Metro zu schimpfen.

Autorin: Mareike Aden
Redaktion: Hartmut Lüning