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Kultur

Jubiläum des Al-Kamel-Verlags

Buchmesse in London - unter den kleineren Verlagen findet man dort den Al-Kamel Verlag und seinen Inhaber, Khalid Al-Maaly. Sitz des Verlages - Deutschland. Al-Maaly floh aus dem Irak und gründete in Köln einen Verlag.

Khalid Al-Maaly in seinem Arbeitszimmer (11.4.2008, Quelle: DW, Kästner)

Literarischer Helfer - Khalid Al-Maaly

Ein Kamel, Sinnbild des Al-Kamel-Verlags, vor Al-Maalys Bücherregal (11.4.2008, Quelle: DW, Kästner)

Die Karawane zieht weiter - das Kamel, Sinnbild des Al-Kamel-Verlags

Das Arbeitszimmer von Khalid Al-Maaly lässt keinen Zweifel an seiner Leidenschaft aufkommen: Regale bis unter die Decke, die sich unter der Last der Bücherberge biegen, und was in das Regal nicht mehr hinein passt, stapelt sich auf dem Fußboden, Titel in arabischer und deutscher Sprache. Auf dem breiten Schreibtisch verdecken Papiere die Tastatur vor drei Monitoren. In den Bücherregalen spaziert eine Karawane, Kamele aus Bronze, Holz und Ton. Hier ist das Herz des Al-Kamel-Verlags, den Khalid Al-Maaly vor 25 Jahren in Köln gegründet hat, und der Werke arabischer Schriftsteller auf arabisch verlegt.

Auf der Flucht

"Unsere Bücher waren Mitteilungen", sagt Al-Maaly. "Sie waren für uns ein Forum, weil es für irakische Autoren, die gegen Saddam Hussein waren, damals schwierig war, ihre Bücher in der arabischen Welt zu veröffentlichen." Al-Maaly ist selbst einer dieser Regimekritiker gewesen. Er wurde im südirakischen As-Samawa geboren, und erlebte, wie Saddam Hussein an die Macht kam. Als junger Mann durfte er nicht studieren. Sein erster Lyrikband mit kritischen Texten wurde kurz nach der Veröffentlichung verboten. Als 23-Jähriger floh er über den Libanon und Paris nach Deutschland. Erst vor fünf Jahren konnte er seine Eltern und Verwandten wieder besuchen.

Wie es heute in seiner Heimat aussieht, erfährt er auch durch die Texte junger irakischer Autoren, die er auf arabisch und deutsch verlegt. "Es herrscht eine literarische Dürre. Das Verlagwesen ist eigentlich fast tot, darum sind unsere Bücher dort einfach wichtig, gefragt."

Verlag mit Auszeichnung

Klassiker - der Al-Kamel-Verlag bringt deutsche und arabische Bücher auf den Markt (Quelle: DW, Loay Mudhoon)

Klassiker - der Al-Kamel-Verlag bringt deutsche und arabische Bücher auf den Markt

Inzwischen hat Al-Maaly mit seinem Verlag und für seine Texte zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und das Böll-Stipendium für verfolgte ausländische Schriftsteller. "Es wird immer geschrieben, egal wie. Gibt immer Menschen, die schreiben, das hat mit diesen Zuständen nichts zu tun", beteuert Al-Maaly.

Mehr als 330 Titel hat der Al-Kamel-Verlag jetzt im Programm. Ein Drittel davon sind deutsche Klassiker, Philosophen, aber auch Ilja Trojanows "Weltensammler", die neu ins Arabische übersetzt wurden.

Ein kritisches Buch über Sadam Hussein aus dem Al-Kamel-Verlag (11.4.2008, Quelle: DW, Kästner)

Frisch verlegt - Vergangenheitsbewältigung im Irak

Weil sich viele Menschen die Bücher nicht leisten können, beträgt die Erstauflage nur 1000, maximal 1200 Stück. Zu einer zweiten kam es bisher nur einmal, bei Nietzsche. Mit diesen Werken reist Al-Maaly zu internationalen Buchmessen wie jetzt nach London, aber auch nach Teheran und Bagdad. Denn auch nach dem Sturz Saddam Husseins ist dort noch Aufklärung nötig, findet er. "Es ist manchmal auch wie in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg, wo das Gespräch über die Vergangenheit fast verboten ist, und jeder unschuldig ist. Unsre Arbeit ist für die Zukunft."

Für die Zukunft seines Verlages plant Al-Maaly deshalb ein Großprojekt. Er will klassische Werke von Nietzsche, Kant und Baudelaire neu herausgeben. Denn die arabischen Übersetzungen, die es gibt, findet er unzureichend. Vor allem in den maghrebinischen Staaten sind diese Titel sehr gefragt. In Deutschland wiederum bekommen seine Ausgaben arabischer Lyrik gute Kritiken. Manchmal wird er dann allerdings in eine Rolle hineingedrängt. "Ich bin einfach von der Herkunft her Muslim, aber ich bin nicht gläubig und Religion sagt mir gar nichts, aber trotzdem werde ich als Muslim angesehen." Das passt Al-Maady nicht.

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