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Nahost

Jubel und Massaker in Bagdad

Sunniten, Schiiten, Kurden und Turkmenen lagen sich in den Armen: Sensationell hat der Irak gegen Südkorea das Finale des Asia-Cups erreicht - doch mindestens 25 Menschen wurden bei den Jubelfeiern in Bagdad getötet.

Irakische Spieler freuen sich nach Erreichen des Endspiels im Asiencup

Irakische Freude nach Erreichen des Endspiels im Asiencup

In der Hauptstadt Bagdad strömten die Menschen auf die Straßen, Maschinengewehrsalven sorgten für ohrenbetäubenden Lärm. Frauen verteilten Süßigkeiten auf den Straßen und ließen Freudentriller erklingen. Überall waren Menschen mit ihren Autos unterwegs, die irakische Fahnen schwenkten. Mit Autokorsos und Sprechchören feierten die Fans des zerrissenen Landes den sportlichen Erfolg. Sogar Soldaten und Polizisten gaben aus ihren Dienstwaffen Freudenschüsse in die Luft ab. "So eine festliche Stimmung hat Bagdad seit Jahren nicht mehr erlebt", sagte ein Augenzeuge in der irakischen Hauptstadt. Allerdings holte die Realität die irakischen Fans rasch wieder ein. Mehr als 25 Menschen wurden bei Autobomben-Explosionen getötet, zudem 135 Menschen verletzt, wie die Polizei berichtete.

Gefeiert wurde das erste Mal, dass der Irak bei der Asienmeisterschaft das Finale erreicht hat. Die irakische Nationalmannschaft, die wegen der Gewalt im Land unter erschwerten Bedingungen trainieren muss und als 80. der FIFA-Weltrangliste nur als krasser Außenseiter galt, konnte das Halbfinale in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur gegen das eindeutig favorisierte Südkorea im Elfmeterschießen für sich entscheiden. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 0:0 gestanden.

Kollektive Einheit im Fußball

Im Elfmeterschießen avancierte Torhüter Noor Sabri Abbas zum Helden, der den vierten Elfmeter der Südkoreaner von Yeom Ki-hun parierte. Kim Jung-woo hatte als fünfter Schütze des WM-Gastgebers von 2002 Pech, dass sein Versuch am Pfosten landete. Im Finale der Asienspiele trifft Irak am kommenden Sonntag in Jakarta auf Saudi-Arabien, das sich in Hanoi überraschend mit 3:2 gegen Turnierfavorit Japan durchsetzte.

Unter Trainer Jorge Vieira spielen in der Nationalelf Sunniten, Schiiten und Kurden zusammen. Der brasilianische Coach, der das Team erst seit sechs Wochen trainiert, legt Wert auf eine kollektive Einheit, weniger auf die Leistung von Individualisten. "Wir hatten Probleme in der Mannschaft, aber er hat es geschafft, uns alle zusammen zu bringen und das Team zu vereinen", sagte Torhüter Sabri.

Selbstmordattentate bei Jubelfeiern

Jubelfeier in Sadr City

Jubelfeier in Sadr City

Die meisten Toten gab es im Vorort Mansur, als ein Selbstmordattentäter seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in einer Menschenmenge zur Detonation brachte. Der zweite Anschlag ereignete sich in der Nähe eines Kontrollpunkts im Stadtteil Ghadir, wo ausgelassene Iraker auf Autodächer kletterten und Fahnen schwenkten oder auf den Straßen tanzten. Zwei weitere Personen wurden nach Freudenschüssen mit automatischen Waffen getötet. Ein ähnlicher Vorfall hatte bereits nach dem Viertelfinalsieg am Samstag gegen Vietnam drei Personen das Leben gekostet. (wga)