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Sport

Jubel, Trauer und kein Bild

Der erste EM-Finalist steht fest. Mit einem glücklichen 3:2 besiegt eine schwache deutsche Mannschaft die Türkei. Die Deutschen feiern. Die Türken trauern. Und die UEFA rätselt über weltweite Bildpannen.

Podolski und Schweinsteiger jubeln nach dem Sieg (Foto: AP)

Die beiden Herren hier können am Sonntag Europameister werden

Deutschland träumt weiter vom EM-Titel. Nach einem Wechselbad der Gefühle, erlöste erst der Schlusspfiff in Basel Millionen von Menschen auf deutschen Fanmeilen, in Biergärten und vor dem heimischen Fernseher. Den Einzug ins Finale sicherte Linksverteidiger Lahm erst in der letzten Minute.

Fast weltweit ohne Bild

Angela Merkel und Abdullah Gül beim Fußballexpertengespräch (Foto: AP)

Fußballexperten unter sich: Angela Merkel und Abdullah Gül

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Spiel auf der Stadiontribüne live mitverfolgte, zeigte sich nach dem Spiel sichtlich zufrieden: "Ich habe oft die Luft angehalten, ich gratuliere unserer Mannschaft ganz besonders, aber auch die Türken haben ein gutes Spiel gemacht." Es sei zum Schluss eine absolute Nervenleistung der Mannschaft gewesen. Ein sehr, sehr schönes und spannendes Spiel, so die Bundeskanzlerin.

Die Fernsehzuschauer mussten die Nervenleistung bisweilen allerdings ohne Bild verfolgen. Mindestens sechs Minuten lang war die Übertragung in der zweiten Halbzeit gestört. Weltweit – außer in der Schweiz und beim arabischen Sender Al Jazeera. Ursache sei "ein unwetterbedingter Stromausfall im International Brodcastig Center in Wien", so lautete die erste Stellungnahme des Europäischen Fußballverbands. Schwere Unwetter hatten unter anderem zur Räumung der Wiener Fanmeile geführt. UEFA-Sprecher Wolfgang Eichler zog die Begründung später jedoch zurück und kündigte Untersuchungen an.

Terim will nicht mehr

Der türkische Trainer Fatih Terim (Foto: AP)

Der türkische Trainer Fatih Terim: "Ich bin sehr traurig"

Ein enttäuschter türkischer Trainer Fatih Terim kündigte nach dem Spiel seinen Rücktritt an. "Ich bin sehr traurig, wir waren so nah dran am Finale. Meine Spieler hätten es verdient gehabt", sagte Terim. Es sei "sehr wahrscheinlich“, dass er wieder als Trainer zu einem Verein nach Europa gehe, fügte er an. Vor einer endgültigen Entscheidung wolle er jedoch noch mit seinen Spielern sowie mit der Spitze des türkischen Fußballverbandes reden.

Weitgehend friedlich verliefen die zahlreichen Public Viewings in Deutschland. Bis in die Morgenstunden feierten deutsche Fußballfans zum Beispiel auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin, wo rund eine halbe Millionen Menschen zusammengekommen waren. In nahezu allen großen deutschen Städten kam es im Anschluss an das Spiel zu hupenden Autokorsos, die die Innenstädte verstopften.

Volksfest und Randale

Deutsche Fans feiern (Foto: AP)

Der Autocorso: Hupen, die ganze Nacht

"Ich glaube, der gestrige Abend hat zur Gemeinschaft der Deutschen und Türken in Deutschland erheblich beigetragen", sagte Parlamentspräsident Norbert Lammert am Morgen nach dem Sieg. Zum Auftakt der Bundestagssitzung am Donnerstag (26.06.08) gratulierte Lammert der deutschen Fußballnationalmannschaft und bezog ausdrücklich die türkische Mannschaft mit ein, die bewundernswert, mit großem Kampfgeist und sehr fair das Halbfinale wesentlich mitbestimmt habe. Auch die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen und türkischen Fans habe sich fair verhalten.

In Sachsen kam es allerdings zu Randalen und fremdenfeindlichen Ausschreitungen. In Dresden griff eine Gruppe Jugendlicher nach dem Spiel drei Döner-Buden an und verletzte zwei türkische Betreiber. Die 20 bis 30 Randalierer hätten außerdem türkische Fahnen angezündet. Mehrere Schaulustige und Mitläufer verfolgten die Randale. Auch in Chemnitz war die Stimmung laut Polizei sehr aufgeheizt. Als die Einsatzkräfte weitere Ausschreitungen verhindern wollten, seien die Randalierer plötzlich auf die Beamten losgegangen. Dabei wurden sechs Polizisten verletzt und mehrere Polizeiautos beschädigt. In Hannover nahm die Polizei 20 Rechtsradikale in Gewahrsam, die beim Fan-Fest wiederholt rassistische Parolen skandierten. (mb)

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