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Fußball

Jubel, Erleichterung und ein wenig Ärger

Die Erleichterung nach dem 4:2 gegen Griechenland ist groß - zum vierten Mal hintereinander steht die deutsche Mannschaft im Halbfinale eines großen Turniers.

Der "Edelfan" saß wieder auf der Tribüne: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie schon beim Sommermärchen, der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006, zitterte und jubelte die Kanzlerin mit der deutschen Mannschaft. Sie saß zwischen dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Uefa-Chef Michel Platini und hatte offensichtlich großen Spaß beim Sieg der deutschen Mannschaft.

"Anfangs habe ich gebibbert. Danach hatte ich aber den Eindruck, dass die Mannschaft überlegen ist", sagte sie nach dem Abpfiff. André Schürrle war von der Begegnung mit der Regierungschefin ganz angetan. Die Kanzlerin sei in die Kabine gekommen, habe "allen persönlich gratuliert und eine kurze Rede gehalten". Für die Spieler hat sich der Halbfinaleinzug übrigens auch finanziell gelohnt: Sie bekommen eine Prämie von 100.000 Euro.

Philipp Lahm schießt das 1:0 Foto: REUTERS/Pascal Lauener (POLAND - Tags: SPORT SOCCER TPX IMAGES OF THE DAY)

Der Kapitän höchstpersönlich: Philipp Lahm erzielt das 1:0 und brint sein Team auf die Siegerstraße.

Druckvoll nach vorn, nachlässig nach hinten

Mit Schwung und Spielwitz waren die in allen Belangen überlegenen Deutschen zu zahlreichen Chancen gekommen und waren die ersten in diesem Turnier, die sich von der griechische Defensive nicht entnerven ließen. Bundestrainer Joachim Löw war jedenfalls voll zufrieden: "Das ist schon eine tolle Leistung. Wir können stolz sein auf die Mannschaft."

Einige Unzulänglichkeiten dürften ihm dennoch nicht entgangen sein: Die vermeidbaren Ballverluste in der Offensive hatten das Spiel unnötig spannend gemacht – gerade auf der vom Leverkusener Schürrle bearbeiteten linken Seite. Einer dieser Ballverluste führte zum zwischenzeitlichen Ausgleich der Griechen durch Georgios Samaras in der 55. Minute.

Außerdem hatte Löws "Leader" im deutschen Mittelfeldspiel, Bastian Schweinsteiger von Bayern München, einen ganz grauen Tag erwischt. Vor allem in der ersten Halbzeit fiel er durch eine ungewohnt hohe Fehlpassquote auf. Die Mittelfeldspieler Mesut Özil und Sami Khedira, beide in Klasseform, konnten das aber mehr als kompensieren.

Joachim Löw am Spielfeldrand Foto: REUTERS/Thomas Bohlen (POLAND - Tags: SPORT SOCCER)

Bundestrainer Joachim Löw war wegen eines "Maulwurfes" im eigenen Lager nur eingeschränkt guter Laune.

Maulwurf im Olivenhof

Trotz des guten Spiels seiner Schützlinge war Löws Laune nachhaltig getrübt. Er hatte geplant, die Beobachter und vor allem die griechischen Verteidiger mit einer neuen Offensivformation zu überraschen. Schürrle, der überragende Marco Reus und Routinier Miroslav Klose liefen für Lukas Podolski, Thomas Müller und Mario Gomez auf. "Die Zeit war reif, etwas zu verändern", so Löw nach dem Spiel.

Video ansehen 01:15

Fußball-EM: Deutschland erneut im Halbfinale

Doch eine Überraschung war das bei Anpfiff aber längst nicht mehr, weil die Wechsel schon weit vor Spielbeginn bekannt wurden. Joachim Löw war gar nicht amüsiert: "Das ist nicht in meinem Sinn, wenn das passiert." Die Suche nach dem Maulwurf im deutschen Quartier, dem Hotel Olivenhof bei Danzig, blieb erfolglos. Die betroffenen Akteure selbst stehen aber nicht unter Verdacht. "Von den Spielern kommt es jedenfalls nicht", ist sich Löw sicher.

Der Bundestrainer hegt keine großen Hoffnungen, das Leck finden und dichten zu können: "Letztlich wird man das auch nicht herausfinden." Der für das ZDF als Kommentator arbeitende ehemalige Weltklassetorhüter Oliver Kahn hat jedenfalls eine Vermutung, wie die Neuigkeiten nach außen dringen konnten: Die Spieler hätten wohl mit ihren Angehörigen und Freunden telefoniert. Wenn darunter auch ihre Berater waren, könnten die das weitergegeben haben.

Gelassene Spannung vor dem Halbfinale

Im Halbfinale warten die Deutschen nun auf den Sieger der Begegnung England gegen Italien, die beiden Teams treffen im letzten Viertelfinalspiel am Sonntag (24.06.2012) aufeinander. Joachim Löw blickt dem Ausgang dieses Spiels mit Gleichmut entgegen. Sowohl Italien wie auch England seien gefährliche Gegner: "Beide Mannschaften sind sehr, sehr unangenehm."

Allerdings hatte er das vor Turnierbeginn auch über die deutschen Vorrundengegner Niederlande, Portugal und Dänemark gesagt. Und die hatten am Ende gegen Deutschland ebenso das Nachsehen wie der Favoritenschreck Griechenland.

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