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Fußball

Juan Arango: Ich bin kein Künstler

Der Mittelfeldspieler aus Venezuela spricht im Interview mit der Deutschen Welle über seine spektakulären Freistoßtore und seine Führungsrolle bei Borussia Mönchengladbach.

Deutsche Welle: Juan Arango, die ganze Bundesliga bewundert Ihre kunstvollen Freistöße. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Juan Arango: Es gibt gar kein Geheimnis, es ist auch keine besondere Gabe. Ich trainiere extra jeden Tag Freistöße. Immer wieder aus verschiedenen Positionen und Winkeln. Ich habe kein angeborenes Talent, nur eine besondere Vorliebe für ruhende Bälle, die für mich eine besondere Herausforderung sind.

Und die Belohnung sind die schönen Tore, die Sie kürzlich per Freistoß erzielt haben.

Wenn die Freistöße im Tor landen, sage ich mir selbst: 'Es hat sich gelohnt, so viel Zeit darauf zu investieren.' Ja, es ist ein schönes Gefühl, mein Können unter Beweis zu stellen.

... und sich selbst auf Augenhöhe mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi zu sehen.

Ich habe mich selbst niemals mit Ronaldo oder Messi verglichen. Sie sind zwei Fußballspieler, die über allem stehen. Ich vergleiche mich grundsätzlich mit niemandem, weder mit besseren, noch mit vielleicht schlechteren Spielern als ich selbst. Aber ich weiß, was ich beim Thema Freistöße leisten kann, und ich bin sehr stolz darauf.

Mit Recht, Ihre Freistöße sind sehr kunstvoll.

Ich bin kein Künstler, aber man muss zugeben, dass meine Freistöße etwas Künstlerisches in ihrer Entstehung haben.

Juan Arango schießt gegen Fortuna Düsseldorf einen Freistoß. Foto: Reuters

Wenn Arango Maß nimmt, ist für die Abwehr des Gegners höchste Alarmstufe angesagt

Aber so schön Ihre Tore auch sind, Borussia Mönchengladbach scheint noch nicht richtig in der Saison angekommen zu sein. Die Ergebnisse sind wie eine Achterbahn: Kaum oben angelangt stürzt die Mannschaft ganz schnell wieder in die Tiefe.

Wir müssen kein Drama daraus machen. Wir sammeln regelmäßig Punkte und sind auch nicht so weit weg vom oberen Drittel der Tabelle. In unseren letzten Spielen haben wir vielleicht keinen exzellenten Fußball gespielt, aber auch keinen schlechten. Man kann eine gute Entwicklung sehen, wir haben uns genug Torchancen herausgespielt, es fehlte nur die Präzision.

Wann wird sich die Leistung von Borussia Mönchengladbach stabilisieren?

Der Fußball ist eine wunderbare Sportart, die dir sofort eine Chance anbietet, alles wieder gut zu machen. Das nächste Spiel ist genau deswegen immer wieder das wichtigste.

Bislang waren Sie an acht von 13 Gladbacher Toren beteiligt. Wenn es bei Ihnen gut läuft, läuft es auch bei der Mannschaft. Das ist eine riesige Verantwortung.

Eine Verantwortung, die ich jetzt trage, weil ich die Tore vorbereite oder selbst schieße. Wenn mir etwas nicht gelingt, habe ich das Gefühl, dass diese Verantwortung noch größer und schwerer wird. Ich versuche, das Beste daraus zu machen und etwas Positives zu bewirken.

Sie führen die Mannschaft, obwohl Sie nicht wie ein typischer "Leader" agieren..

Aber diese Rolle ist mir auch nicht unbekannt. Die habe ich schon in der Vergangenheit annehmen müssen. Beim RCD Mallorca war es sehr ähnlich, und in der Nationalmannschaft Venezuelas bin ich auch Führungsspieler. Bei Borussia Mönchengladbach trage ich zurzeit die Last auf meinen Schultern, was ich auch weiter machen werde, solange es geht.

Wann wird sich diese Situation ändern?

Bald, hoffe ich. Spätestens, wenn die Neuzugänge einschlagen, wenn sie der Mannschaft weiterhelfen und ihr gesamtes Potenzial in den Dienst des Teams stellen.

Obwohl Sie in Venezuela längst ein Fußballheld sind, fehlt Ihnen international noch die Anerkennung, die Stars normalerweise bei den wichtigsten Turnieren erlangen. Vermissen Sie diese?

Ich bin schon 32 Jahre alt. Deswegen ist es mein größtes Ziel, mit Venezuela die Teilnahme an der WM 2014 in Brasilien zu erreichen. Für mein Land wäre das die Verwirklichung eines Traums. Für mich gibt es einen zusätzlichen Antrieb: Es könnte mein einziges großes internationales Turnier sein.

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