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Lateinamerika

Journalistische Ausbildung: "Durst nach Informationen"

Zwischen ihnen liegen Tausende von Kilometern. Die Leidenschaft für Journalismus eint sie: Shora Azarnousch und César Sánchez Carranza machen eine Ausbildung zum Redakteur - sie in Deutschland, er in Bolivien.

Shora Azarnoush aus Bonn und César Fabricio Sánchez Carranza aus La Paz (Foto: DW/M.Müller; DW Akademie/R.Villarzu).

Shora Azarnoush aus Bonn und César Fabricio Sánchez Carranza aus La Paz

Shora Azarnoush und César Fabricio Sánchez Carranza sind zwei ganz unterschiedlichen Typen. Sie, eine in Deutschland lebende Iranerin, interessiert sich vor allem für Politik. Er, Bolivianer, für Sport. Beide haben sich für eine ein- beziehungsweise eineinhalbjährige Journalistenausbildung auf Spitzenniveau entschieden - ein Redaktionsvolontariat mit Seminar- und Praxiseinheiten. Wir wollten wissen: Was verbindet die beiden Auszubildenden diesseits und jenseits des Atlantiks, welche Erwartungen haben sie an ihren künftigen Beruf?

Shora Azarnoush studierte Französisch und Literatur im Iran, verbesserte anschließend ihre Sprachkenntnisse bei einem zweijährigen Paris-Aufenthalt und kam schließlich zur Deutschen Welle (DW) nach Bonn, wo sie ein Praktikum in der Persischen Redaktion absolvierte. Seit 2014 gehört sie zu den Internationalen Volontären, die in der DW 18 Monate lang multimedial ausgebildet werden.

César Fabricio Sánchez Carranza studierte Kommunikationswissenschaften an der Katholischen Universität San Pablo (UCB) in La Paz und sammelte anschließend journalistische Erfahrungen unter anderem als Sportjournalist beim Onlinemagazin Late! Seit 2014 gehört er zum ersten Jahrgang der dualen Journalistenausbildung, den die Journalismus-Stiftung Fundación para el Periodismo (FPP) ins Leben gerufen hat - mit Unterstützung der DW Akademie und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Warum unbedingt Journalismus?
Shora Azarnoush: Ich habe einen großen Durst nach Informationen - im Iran ist der Zugang dazu stark eingeschränkt.
César Sánchez Carranza: Ich muss zugeben, dass der Fußball Schuld daran hat. Als Kind träumte ich davon, Profifußballer zu werden, aber nach einem Bänderriss platzte dieser Traum. Zum Glück hatte ich gleichzeitig von meinem Opa die Liebe zum Lesen und Schreiben geerbt. Sportjournalismus schien mir also eine gute Möglichkeit, meine beiden Vorlieben zu verbinden.

Zu welchem Thema möchten Sie unbedingt einmal eine Reportage verwirklichen?

César Fabricio Sánchez Carranza und Trainer Hans-Günter Kellner während eines Online-Seminars im FPP (Foto: DW Akademie/Carlos Portugal).

César Fabricio Sánchez Carranza und Trainer Hans-Günter Kellner während eines Online-Seminars im FPP

Azarnoush: Über das Leben der afghanischen Flüchtlinge im Iran. Das Thema bewegt mich sehr, und es hat leider schon eine sehr lange Geschichte. Auf der Flucht vor dem immerwährenden Krieg sind viele Afghanen im Laufe der Jahre in den Iran eingewandert. Wir sprechen eine gemeinsame Sprache - dennoch leben sie sehr abgeschottet, ohne jegliche Unterstützung. Die Lebensumstände sind grausam, da sich die iranische Regierung nicht um sie kümmert.
Carranza: Ich würde gerne über die Spielmanipulationen in der bolivianischen Fußballliga berichten. Oder über das Management im Fußballclub "The Strongest", der vergangenes Jahr kurz vor der Pleite stand.

Welche ist die wichtigste Eigenschaft, die ein Journalist besitzen sollte?
Carranza: Ethik.
Azarnoush: Neugier.

Welche journalistischen Projekte haben Sie zuletzt positiv überrascht?
Carranza: Mir hat die Reportage "Der Tag, andem Inca Kola Coca Cola besiegte" des peruanischen Onlinemagazins "Etiqueta Negra" sehr gut gefallen. Erzählt wird die Geschichte, wie eine kleine, lokale Firma es schafft, mehr zu verkaufen als ein internationaler Konzern. In der Sportberichterstattung ist mir außerdem noch eine Onlinereportage über Lionel Messi aufgefallen, ein Portrait jenseits des Fußballfeldes mit dem Titel "Messi - der Torjäger, der uns weckt, geht schlafen" ("Messi, el goleador que nos despierta, se va a dormir").
Azarnoush: Spontan fällt mir ein Projekt ein, das uns während unserer Ausbildung in unserem Seminar zu Multimedia-Storytelling vorgestellt wurde. Eine Berliner Lokalzeitung hat anhand einer Buslinie, die die gesamte Stadt durchquert, Daten visualisiert. So navigiert man entlang der Strecke und an jeder Haltestelle wird angezeigt, wie beispielsweise dort die Bewohner wählen oder wie viele Migranten leben, wie hoch die Kriminalitätsrate ist, und vieles mehr. Das fand ich sehr spannend.

Werden die neuen Technologien in der journalistischen Ausbildung und in den Redaktionen ausreichend behandelt?

DW-Volontärin Shora Azarnoush während eines VJ-Seminars (Foto: DW Akademie).

DW-Volontärin Shora Azarnoush während eines VJ-Seminars

Azarnoush: In der Ausbildung ja, in den Redaktionen nein. Unsere Trainer sind sehr motiviert und kennen sich digital ziemlich gut aus. In den DW-Redaktionen sind die Möglichkeiten hingegen begrenzt.
Carranza: Leider nein. Die Chefredakteure betrachten Journalismus immer noch in seiner klassischen Form. Die Neuen Medien haben da keine Chance. Und Facebook und Twitter werden weiterhin nicht als nützlich für die journalistische Arbeit angesehen - zumindest nicht in der bolivianischen Medienlandschaft.

Welche drei Seiten haben Sie auf Facebook zuletzt "ge-liked"?
Carranza: "El Compadre. Semanario de El Alto", die Seite der Lokalzeitung von El Alto; das Profil der spanischen Partei "Soberanía y Libertad" und die Seite der bolivianischen Profi-Fußballliga "Liga del Fútbol Profesional Boliviano".
Azarnoush: Ich "like" keine Seiten. Meine Familie lebt im Iran und ich möchte sie weiterhin einmal im Jahr besuchen können. Da es oft vorkommt, dass Nutzerprofile noch am Flughafen in Teheran überprüft werden, positioniere ich mich grundsätzlich nicht in den sozialen Netzwerken.

Innovativ sein - kann man das lernen?
Azarnoush: In vielen Fällen ja.
Carranza: Absolut. Um innovativ sein zu können, musst du dich in deinem Arbeitsfeld sehr gut auskennen.

Gab es schon einen Moment, in dem Sie gemerkt haben, dass Sie die journalistische Ausbildung weiterbringt?
Carranza: Ich merke das jeden Tag. Ich bin sehr kritisch mit Menschen, die sich "Journalisten" nennen ohne die entsprechende Ausbildung zu haben.
Azarnoush: Dem kann ich mich nur anschließen. Wenn man vorhat, journalistisch zu arbeiten, ist ein Volontariat das Beste, was man tun kann.

Beenden Sie diese Sätze.
Ohne Handy...

Carranza: …bin ich von meinen Freunden und Kontakten abgeschnitten.
Azarnoush: ...fühle ich mich unwohl.

Innovativer Journalismus ist...
Azarnoush: ...lebenslanges Lernen!
Carranza: …eine neue Möglichkeit der Berichterstattung.

Tageszeitungen finde ich…
Carranza: ...den besten Weg, um sich zu informieren.
Azarnoush: ...immer noch wichtig, aber seit Web 2.0 von begrenzter Reichweite.

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