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Fokus Südosteuropa

Journalistenmord-Prozess in Kroatien

In Zagreb hat der Prozess gegen eine kriminelle Vereinigung begonnen. Ihnen wird ein Auftragsmord an einem Enthüllungsjournalisten und seinem Mitarbeiter im Herbst 2008 zur Last gelegt wird. Wer sind die Hintermänner?

Das Wrack von Punkanics dunklem Auto nach dem Bombenanschlag am 23.10.2008 (Foto: DPA)

Der Kronzeuge der Tat wiederrief seine Aussage

Der Prozess im Mordfall des Verlegers der Zeitschrift "Nacional" und Journalisten Ivo Pukanic und seines Mitarbeiters Niko Franjic begann am 03.02.2010. Das Zagreber Gericht verlas eine etwa hundertseitige Anklageschrift. Darin weist die Staatsanwaltschaft die Schuld für die Tat einer kriminellen Organisation zu.

In Kroatien stehen vier Männer vor Gericht, zwei müssen sich vor einem Gericht in Belgrad verantworten. Ein weiterer Mann hat sich erst kürzlich der Polizei in Bosnien gestellt und wird wohl bald ausgeliefert werden. Unklar ist jedoch noch an wen, denn sowohl Kroatien als auch Serbien haben einen Auslieferungsantrag gestellt. In Belgrader Untersuchungshaft sitzt der mutmaßliche Kopf der Bande, Sreten Jocic, genannt Joca Amsterdam.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen

Eine Statue der Justitia, Göttin der Justiz, der Rechtsprechung und der Gerechtigkeit, hält eine Waage mit zwei Wagschalen in der linken und das Richtschwert in der rechten Hand (Foto: DPA)

Verdächtige kommen aus Kroatien, Serbien und Bosnien

Die vier, die sich im Gewahrsam der kroatischen Justiz befinden, wurden unter hohen Sicherheitsmaßnahmen in den Gerichtssaal im Zagreber Zentrum begleitet. Die Angeklagten erklärten sich nach Verlesung der Anklageschrift für nicht schuldig. Einer der Anklagten beschwerte sich zudem bei der Richterin, dass die kroatische Behörde für den Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität und der Generalstaatsanwalt ihn ausgetrickst hätten.

Robert Matanic beteuerte, der kroatische Generalstaatsanwalt Mladen Bajic habe ihm über einen Mittelsmann den Kronzeugenstatus zugesagt, wenn er den Auftraggeber für den Autobombenanschlag an Ivo Pukanic verrate. Den Kronzeugenstatus habe er jedoch nicht bekommen. Im Gegenzug zog er seine Aussage zurück, in der er mutmaßliche Auftraggeber des Mordes belastete. Anfangs hatte Matanic vier Männer beschuldigt: Neben Sreten Jocic, dem mutmaßlichen Kopf der Bande, auch den wegen Amtsmissbrauch und Veruntreuung von Staatsvermögen verurteilten kroatischen Ex-General Vladimir Zagorac, den serbischen Geschäftsmann Stanko Subotic und einen weiteren Mitangeklagten, Slobodan Djurovic. Vor Gericht sagte Matinic jetzt, er habe in der Aussage bei der Polizei gelogen.

Mundtot gemacht

Ivo Pukanic von unten aufgenommen hält eine Zeitung in der Hand (Foto: AP)

Wusste Ivo Pukanic zuviel?

Der Anklage zufolge wurde der Pukanic ermordet, um ihn mundtot zu machen. Pukanic galt als häufig sehr gut informiert und berichtete regelmäßig über kriminelle Organisationen sowohl innerhalb als auch außerhalb Kroatiens. Niko Franjic dagegen war kein Ziel der Attentäter, er befand sich nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Sreten Jocic soll die kriminelle Vereinigung laut Anklage in der ersten Hälfte 2008 in Serbien gegründet haben. Danach habe der Mitangeklagte Slobodan Djurovic von Jocic die Order bekommen, für 1,5 Millionen Euro ein Attentat auf Pukanic in Auftrag zu geben. Am 23. Oktober 2008 explodierte die tödliche Bombe mitten im Zentrum von Zagreb.

Die Medien spekulieren, wer von den 31 Zeugen der Anklage nun eigentlich der Kronzeuge ist. Angeblich ist es jemand, der sich zwar an den Vorbereitungen für den Mordanschlag, nicht aber an dem Attentat selbst beteiligt hat. Ob es überhaupt einen Kronzeugen gibt, haben die Ermittlungsbehörden jedoch nicht bestätigt.

Autoren: Goran Prokopec / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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