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Fokus Osteuropa

Journalisten in Albanien von Politik und Kommerz abhängig

Albanische Journalisten und NGOs beklagen Fehlentwicklungen in den Medien. Kommerzielle Herausgeber kontrollierten Inhalte. Politische Einflussnahme bedrohe die Pressefreiheit.

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Kontrollierte Pressefreiheit?

Experten klagen darüber, dass einflussreiche Medien in Albanien durch Geschäftsleute und die Politik vereinnahmt würden. Die Arbeit der Journalisten werde dadurch immer schwieriger. Der Vorsitzende der Journalistenunion, Piro Nase, weist insbesondere auf die Schwierigkeiten hin, unter denen regionale Korrespondenten der wichtigsten Medien arbeiten müssten. Er berichtet, immer wieder komme es vor, dass kritische Journalisten eingeschüchtert würden. Dabei komme es auch zu körperlichen Angriffen. Das zahlenmäßig größte Problem seien aber verbale Drohungen gegen Medienvertreter, die zudem arbeitsrechtlich ungenügend geschützt seien. „Uns besorgt insbesondere, dass wir keinerlei Tarifverträge zwischen den Journalisten und den Arbeitgebern haben. Dadurch sind die Journalisten rechtlich überhaupt nicht geschützt und den Arbeitgebern ausgeliefert. Zudem haben viele nicht einmal eine Krankenversicherung“, sagt Nase.

OSZE fordert Tarifverträge

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) engagiert sich in Albanien schon seit längerer Zeit für die Unterstützung der Medienfreiheit. Ihre Vertreter betonen die Bedeutung einer verbesserten Gesetzgebung zum Schutz der Journalisten vor Einflussnahme durch Eigentümer und Politik. OSZE-Expertin Silva Anagnosti fordert deshalb Tarifverträge oder zumindest individuelle Arbeitsverträge. Sie nimmt dabei auch die Journalistenverbände in die Pflicht. Diese müssten die Journalisten in ihren berechtigten Forderungen unterstützen. Sie müssten die Rolle von Gewerkschaften übernehmen. „Es ist die Aufgabe der Verbände, als Gewerkschaften aufzutreten und Tarifverträge mit den Arbeitgebern auszuhandeln. Journalistenverbände können doch Gewerkschaften bilden“, meint Frau Anagnosti.

Aleksandar Cipa, der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, sieht Nachbesserungsbedarf im albanischen Arbeitsrecht. Hier müsse die Rolle der Gewerkschaften gestärkt werden, meint er. Zurzeit erarbeitet eine Medienkommission des Parlaments einen Gesetzentwurf, der die Beziehungen zwischen Herausgebern und Journalisten regeln soll. „Eine Gruppe von Juristen, die am albanischen Medieninstitut angesiedelt ist und auch mit der Gewerkschaft in Verbindung steht, ist dabei, ein Modell zu entwerfen. Wir werden dann der Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen, den diese dann berücksichtigen und auf den Weg bringen kann“, berichtet Cipa.

Odise Kote