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Donald Trump auf Twitter

Joseph Nye: Die USA haben Soft Power eingebüßt

Auch als Präsident will Donald Trump Twitter so benutzen wie bisher. Trumps Tweets schwächen die Soft Power der USA, sagt der Politologe Joseph Nye im DW-Interview.

In unserem letzten Interview vor der Wahl sagten Sie, Donald Trump habe keine Außenpolitik, sondern lediglich Haltungen. Hat sich an Ihrer Einschätzung etwas geändert?

Joseph Nye: Nur ein Stück weit. Inzwischen musste er einige Fragen beantworten. Er hat außerdem einige Posten besetzt, das macht manches klarer. Aber im Großen und Ganzen ist Vieles an seiner Politik noch immer sehr vage. Zum Beispiel beim Klimawandel: Im Wahlkampf war er Skeptiker, aber in einem Interview mit der "New York Times" nach der Wahl sagte er, da könnte was dran sein. Und trotzdem hat er einen Skeptiker als Leiter der Umweltbehörde EPA nominiert. Es ist schwierig zu definieren, wann seine Haltung zu Politik wird.

Wir müssen abwarten, wie sich diese Besetzung auswirkt und wie die EPA etwa mit dem Außenministerium zusammenarbeitet, dessen zukünftiger Chef Rex Tillerson zwar Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns Exxon Mobil war, aber auch gesagt hat, dass der Mensch beim Klimawandel eine Rolle spielt. Das ist so ein Beispiel für ein Gebiet, auf dem wir die Haltung von Donald Trump kennen und wo sie aufgrund von Antworten auf Fragen und durch die Besetzung von Leitungsposten etwas klarer geworden ist. Aber wir wissen noch immer nicht, welche Politik daraus folgt. Und das betrifft viele Bereiche.

Wenn man Donald Trumps Äußerungen und die Nominierungen für sein Kabinett in eine grundlegende geopolitische Perspektive übersetzen würde, käme heraus, dass er Freundschaft zu Russland anstrebt und härter gegenüber China auftreten will. Teilen Sie diese Einschätzung und wäre eine solche Strategie zwangsläufig falsch?

Er hat tatsächlich seine Haltungen entlang dieser Linien geäußert - bessere Beziehungen zu Russland und Härte gegenüber China. Aber noch einmal: Es hängt davon ab, was das bedeutet. Wenn bessere Beziehungen zu Russland bedeuten, dass die Sanktionen zwar aufrecht erhalten werden, es aber eine geschäftsmäßigere Zusammenarbeit mit Moskau gibt, etwa was den Nahen Osten oder Waffenlieferungen betrifft, dann wäre das gesund. Wenn er jedoch die gemeinsame Position des Westens im Hinblick auf die Ukraine aufgibt, wäre das ungesund.

Sie haben in unserem früheren Interview gesagt, dass der politische Diskurs in den USA im letzten Jahr die Attraktivität des Landes international schädigen könnte. Wie würden sie den Effekt beschreiben, den die Wahl Donald Trumps bis jetzt auf Amerikas globales Ansehen und Vertrauenswürdigkeit hat?

Ich glaube immer noch, dass die USA als Resultat des Wahlkampfes und der Qualität des politischen Diskurses Soft Power eingebüßt haben. (Soft Power ist ein politikwissenschaftlicher Begriff, den Joseph Nye geprägt hat. Er beschreibt die politische Machtausübung auf Grundlage kultureller Attraktivität, der Ideologie und mit Hilfe Internationaler Institutionen; Anm. d. Red.) Und ich denke, das wird weitergehen, wenn Sie die Art und Weise betrachten, wie Donald Trump Twitter für provozierende Aussagen nutzt, um die Presse zu manipulieren. Viele seiner Tweets machen die USA nicht unbedingt attraktiver oder sorgen für mehr Bewunderung. Auf der anderen Seite bleibt die Tatsache bestehen, dass die USA trotz aller politischen Differenzen eine stabile Gesellschaft sind, in der Machtwechsel durch Wahlen und nicht mittels Waffen vollzogen werden. Ich denke, das hat einigen Effekt auf die Attraktivität Amerikas. Aber im Großen und Ganzen hat die Art und Weise des politischen Diskurses wahrscheinlich die Soft Power der USA geschwächt.

Sie erwähnten Twitter. Was halten Sie von Trumps beispielloser Twitter-Diplomatie?

Es ist nicht das, was wir bisher als präsidiales Verhalten kennen. Auch Präsidenten wie Obama  haben Twitter genutzt, aber das waren von Mitarbeitern lancierte politische Positionen. Trump betreibt seinen Twitter-Account teilweise selbst und das führt oft zu wütenden oder provozierenden Tweets, die dafür bestimmt sind, die Öffentlichkeit über die Köpfe der Medien hinweg zu erreichen und damit die Presse zu manipulieren. Es ist also eine andere Nutzung von Social Media und besonders von Twitter als wir das in der Vergangenheit gesehen haben. Und offenbar will er das während seiner Präsidentschaft weiter so handhaben.

Denken Sie, dies ist tragbar, wenn Trump Präsident ist?

Donald Trump war ein unkonventioneller Kandidat in seinem Umgang mit Twitter und den Medien insgesamt. Und ich vermute, er wird ein unkonventioneller Präsident sein, in der Art, wie er regiert. Allein die Tatsache, dass seine jüngste Pressekonferenz die erste seit sechs Monaten war, ist sehr ungewöhnlich. Diese unkonventionelle Art wird wohl auch während seiner Präsidentschaft weitergehen, davon sollten wir ausgehen.

So mancher sorgt sich, dass seine Tendenz, oft und schnell zu twittern, zu internationalen Konflikten oder Krisen führen könnte. Wie sehen Sie das?

Einiges wird schwieriger zu managen sein, es ist beispielsweise sehr schwierig, sich in 140 Zeichen über Atompolitik zu äußern. Andererseits glaube ich nicht, dass es per se für Krisen sorgen wird, auch wenn dadurch Schwierigkeiten bei der Interpretation durch das Außenministerium entstehen können.

Joseph Nye ist Professor an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University. Er gilt als einer der einflussreichsten Politikwissenschaftler auf den Feldern Internationale Beziehungen und US-Außenpolitik.

Das Interview führte Michael Knigge.