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Musik

José Carreras ist 70 - und kein bisschen leise

Er gilt als einer der großen Tenöre des 20. Jahrhunderts. Nach einer bemerkenswerten Karriere, die ihn in die berühmtesten Opernhäuser der Welt führte, verabschiedet sich José Carreras nun ganz gemächlich von der Bühne.

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José Carreras wird 70

Am Abend vor seinem 70. Geburtstag (05.12.2016) stand Carreras auf der Bühne in Tokio. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er: "Es ist wundervoll, dass ich in diesem Alter noch arbeiten und meine Gefühle durch die Musik transportieren kann." Zu Weihnachten und Neujahr sind Auftritte in China geplant. Am 15. Januar 2017 singt er ein Programm mit großen Melodien aus Oper, Operette und Musical in der Alten Oper in Frankfurt am Main.

Die ersten Auftritte

Mit seinem Gesang erfreute der Sohn eines Polizisten einst die Kundinnen im Friseursalon seiner Mutter. Stand die Berufswahl damals schon fest? Ein "einschneidendes Erlebnis" sei für José Carreras ein Kinobesuch gewesen, als er sechs Jahre alt war. Mit seinem Vater sah er den Film "Der große Caruso" mit Mario Lanza in der Titelrolle. Er sollte in die Fußstapfen des legendären Tenors treten.

Seine Eltern hatten wenig Ahnung von der Musik, förderten jedoch ihren Sohn nach Kräften und schickten ihn aufs Musikkonservatorium. Den ersten öffentlichen Auftritt hatte Carreras bereits im Alter von elf Jahren. Er studierte kurz Chemie, brach das Studium ab und gab sein Debüt als 24-jähriger Profisänger 1970 in seiner Heimatstadt Barcelona. Bis Mitte der Siebzigerjahre hatte er alle wichtigen Opernbühnen der Welt erreicht: die Metropolitan Opera von New York, Covent Garden in London und die Staatsoper in Wien. "Wenn ein Tenor gut ist, dann macht er schnell Karriere", sagte Carreras einmal ganz bescheiden. "Ein Tenor hat es da leichter als jeder andere Stimmtyp."

Benefizgala mit José Carreras und Montserrat Caballé in Deutschland (picture-alliance/dpa/W. Kluge)

José Carreras bei einer Benefizgala mit Montserrat Caballé, 1995

Das Timbre - und die persönliche Note

Das mag stimmen, aber irgendetwas Besonderes war dennoch an dem jungen Sänger. Zu seiner Mentorin wurde die berühmte Sopranistin Montserrat Caballé, nachdem er neben ihr die Rolle des Flavio in "Norma" von Vincenzo Bellini gesungen hatte - eine Nebenrolle eigentlich, jedoch war für sie der Klang seiner Stimme alles andere als nebensächlich.

Ausdruckskraft, Timbre und vollkommene Beherrschung der Stimme, vor allem eine ganz persönliche Ausstrahlung waren die Markenzeichen des jungen Sängers. "Weißt du, warum du so gut bist?", fragte ihn einmal Stardirigent Herbert von Karajan. "Weil jeder Opernbesucher glaubt, du singst nur für ihn alleine."

"Eine klangvollere und samtig schönere lyrische Tenorstimme von solch reinem Volumen und feiner Textur war lange nicht mehr zu hören gewesen", schrieb damals der Kritiker Jürgen Kesting. Und kein anderer als der große Tenor Luciano Pavarotti fand, das Timbre seines Kollegen Carreras sei "das schönste aller Tenöre nach dem Zweiten Weltkrieg".

Die drei Tenöre Placido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras (picture-alliance/dpa/PA Batchelor)

Die großartigen "Drei Tenöre" im Jahr 2003

Auch die Krankheit bezwungen

Herbert von Karajan förderte Carreras nachhaltig und drängte ihn zur Zeit der Hochkonjunktur der Schallplattenindustrie, nicht nur die lyrischen, sondern auch die hochdramatischen Rollen zu singen - zum Nachteil für seine Stimme, meinten die Kritiker.

1987, auf der Höhe seines Ruhms, kam der Schlag: Bei Carreras wurde Leukämie diagnostiziert, seine Ärzte gaben ihm wenig Überlebenschancen. Nach einer Knochenmark-Transplantation besiegte der Sänger dann die Krankheit. "Ein sehr emotionaler Moment für mich", sei das Konzert gewesen, das er ein Jahr nach seiner Krankheit in Barcelona gab. Der Sänger bezeichnete diesen Auftritt als einen der wichtigsten seiner Laufbahn.

1988 gründete er die Carreras-Stiftung für Leukämie, um die Krankheit stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihre Erforschung voranzutreiben. Dazu gehören unzählige Benefiz-Galas, die bis heute auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden. Im Laufe der Jahre sind über 100 Millionen Euro für die Stiftung zusammengekommen.

José Feliciano und José Carreras bei einem Bühnenauftritt (picture-alliance/dpa)

Weltstar José Feliciano bei der Carreras-Spenden-Gala in Rust, 2013

Die Krankheit hat den sich immer noch bescheiden gebliebenen Künstler geprägt: "Ich denke, ein Mensch, der in seinem Leben solche harten Momente hat, wird reifer und hat andere Ansichten und Prioritäten."

Der Superstar

Im Laufe der Jahre machte Carreras auch als Liedsänger Karriere und näherte sich sogar dem Pop an. Ein größeres Publikum erreichte José Carreras Anfang der 1990er Jahre zusammen mit Luciano Pavarotti und Plácido Domingo als einer der "Drei Tenöre". Sie sangen für astronomische Summen. Ihr Auftritt bei der Fußballweltmeisterschaft 1994 in Los Angeles erreichte durch die Fernsehübertragung rund 1,3 Milliarden Menschen. 

Im Oktober 2016 startete Carreras seine Abschiedstournee, die zwei bis drei Jahre dauern soll. "Ich versuche, dieses Ende so zu erreichen, dass es kein allzu großer Schock für mich ist. Langsam, langsam", sagt der Künstler, der mit 17 Jahren seine Mutter an Krebs verloren hatte und früh die Lebenslektion gelernt hat, dass jeder Moment zählt. Realistisch ist Carreras auch: "Unter der Dusche werde ich auf jeden Fall weiter singen. Das ist sicher."

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