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Fußball

Jonathan Pitroipa: Fußballschule für sein Land

Der HSV-Spieler Jonathan Pitroipa kommt aus Burkina Faso, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. In der Hauptstadt Ouagadougou ging er in seiner Jugendzeit in eine Fußballschule. Inzwischen besitzt er selbst eine.

Jonathan Pitroipa (Foto: AP)

Jonathan Pitroipa

Bei einem Spieler wie Jonathan Pitroipa gerät sogar Comedian Oliver Dittrich, alias Dittsche, in seinem Hamburger Fernseh-Imbiss ins Schwärmen. "Ein Weltklassespieler" sei das, erzählt er Wirt Ingo am Tresen. Inzwischen hat der pfeilschnelle Mittelfeldspieler aus Burkina Faso viele Fans in der Hansestadt. Das war nicht immer so. Weil er vor dem Tor oft beste Chancen ausließ, wurde er vom heimischen Publikum auch schon mal ausgepfiffen. Fast wäre er vor der Saison zu einem anderen Verein gewechselt, doch Trainer Armin Veh sprach dem 24-Jährigen sein Vertrauen aus. Nun gehört er zum festen Stamm bei den Hamburgern.

Pitroipa bei einem Zweikampf mit einem Gegenspieler von Galatasaray Istanbul in einem UEFA-Cup-Spiel 2009 (Foto: AP)

Jonathan Pitroipa (r.) geht keinem Zweikampf aus dem Weg

Geboren ist Pitroipa in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou. Dort wuchs er zusammen mit drei Brüdern und einer Schwester auf. Er ging den Weg, vom dem wohl fast alle afrikanischen Jungs träumen. Der ehemalige Trainer des SC Freiburg, Volker Finke, gilt zusammen mit dem Spielerberater Nick Neururer als Entdecker des nur 1,76 Meter kleinen und rund 60 Kilo leichten Spielers. Aus Ouagadougou ging es 2004 in den Breisgau. Dann wechselte Pitroipa vier Jahre später ablösefrei nach Hamburg.

"Fußball ist nicht nur Training und Spiel"

Pitroipa mit einem HSV-Mitspieler nach dem verlorenen DFB-Pokal Halbfinale gegen Bremen 2009 (Foto: dpa)

Auch Verlieren will gelernt sein

In der Fußball-Bundesliga gilt Pitroipa als einer der besten Sprinter. Kein Wunder: In seiner Jugendzeit in einer Fußballschule in seiner Heimatstadt hat er unermüdlich an seiner Schnelligkeit gearbeitet. "Diese Schule hat mir viel geholfen. Deswegen bin ich nach Europa gekommen. Ich habe dort viel gelernt," sagt er im Rückblick. "Planète Champion International" hieß die Akademie, die zu einem gleichnamigen Club gehörte und im Besitz eines französischen Geschäftsmannes war. Vor drei Jahren wurde sie aber geschlossen, weil kein Geld mehr da war. So beschloss Pitroipa, eine eigene Schule zu gründen.

Zusammen mit seinem Freund, dem Kölner Spieler Wilfried Sanou, und den Eltern gründete er die Akademie "Kada-School". Sie wird vor Ort von Pitroipas Vater und der Tante von Sanou geleitet. 30 Schüler wohnen dort, 40 weitere kommen jeden Tag zum Training. Aber es geht nicht nur darum, Talente auszubilden. Die Schüler bekommen dort auch Unterricht und wohnen auf dem Gelände der Akademie in Mehrbettzimmern. "Fußball ist nicht nur Training und Spiel. Du musst auch wissen, was das Leben ist. Dein Kopf muss auch stark sein. Wenn du in die Schule gehst, ist das gut, weil du viel für das Leben lernst," betont Pitroipa.

Eliteschule ohne Rasenplatz

Staubige Straße in Ouagadougou (Foto: Katrin Gänsler)

Staubige Straße in der Hauptstadt Burkina Fasos

Rund 1000 Jungen aus dem ganzen Land hatten sich auf einen Platz in der Schule beworben. In verschiedenen Städten in Burkina Faso gab es Probetrainings, bei denen die Trainer schließlich die besten auswählten. "Wir möchten den Jungs helfen und ihnen die Chance auf ein besseres Leben geben", sagt Pitroipa. Irgendwann sollen "neue Pitroipas" den Weg in die europäischen Top-Ligen finden. So könnte sich das Projekt auch wirtschaftlich für ihn und Sanou lohnen. Denn noch ist es für sie ein Zuschussgeschäft. Und auch die Ausrüstung der Jungs ist bescheiden, zudem gibt es keinen Rasenplatz. Trotzdem ist die "Kada-School" die Fußball-Eliteakademie des Landes.

Schuhe mit Nationalflagge

Privat steht Pitroipa auf Musik. In seiner Wohnung in Hamburg hat er ein kleines Tonstudio, in dem er Songs aufnimmt. Vor allem Hip Hop hat es ihm angetan. Pitroipa versucht sich zuweilen auch als Sänger, etwa bei einem Lied, das er mit anderen Nationalspielern vor dem Afrika Cup 2010 aufgenommen hat. Eine große Sammlung Schuhe hat der freundliche und immer etwas unruhig wirkende Offensivspieler außerdem zuhause. Sein Lieblingspaar trägt seinen Namen und die Flagge von Burkina Faso. Heimweh nach Hause hat er immer wieder, berichtet er, auch wenn er sich in Hamburg sehr wohl fühlt. "Aber wenn ich mal längere Zeit nicht nach Afrika reisen kann, dann fehlt mir etwas."

Autor: Felix Hoffmann
Redaktion: Stefan Nestler

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