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Bücher

Johann Wolfgang von Goethe: Die neue Melusine (1817)

Johann Wolfgang von Goethe (Porträt: picture-alliance / dpa, Montage: Philip Kleine / Peter Steinmetz)

"Nun begriff ich zum ersten Mal, was die Philosophen unter ihren Idealen verstehen möchten, wodurch die Menschen so gequält sein sollen. Ich hatte ein Ideal von mir selbst und erschien mir manchmal im Traum wie ein Riese."

Der Autor

Johann Wolfgang von Goethe (Foto: picture-alliance / dpa)

Johann Wolfgang von Goethe

Geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
Gestorben am 22. März 1832 in Weimar

Johann Wolfgang von Goethe (geadelt 1782) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Sein Jurastudium führte ihn zunächst nach Leipzig und Straßburg. Er forschte und publizierte auf den verschiedensten naturwissenschaftlichen Gebieten und war nur kurz als Jurist tätig. Bereits als 25-Jähriger erreichte er den ersten Höhepunkt seines literarischen Erfolgs durch den Roman "Die Leiden des jungen Werthers". Der Roman machte ihn in ganz Europa berühmt. Auf Einladung von Herzog Carl August zog er nach Weimar, wo er in den Staatsdienst trat. Tatsächlich jedoch ermöglichte ihm diese Tätigkeit ein ausführliches literarisches Schaffen. Seine umfangreiche Produktion umfasst Dramen, Prosa und Gedichte, autobiografische, ästhetische, kunstkritische und philosophische Schriften und Essays. Er war Vorreiter des "Sturm und Drang", einer Bewegung junger Literaten, die auf Gefühl und das Künstler-Genie setzten anstatt auf Regelpoetik. Später wurde er zusammen mit Friedrich Schiller der wichtigste Vertreter der sogenannten "Weimarer Klassik".

Goethe in der Campagna, Gemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) - (Foto: picture-alliance / akg-images)

International gilt Goethe bis heute als bedeutendster Repräsentant deutscher Dichtung. Sein Faust I wurde in die meisten gängigen Sprachen übersetzt. Sein Werk, besonders die Dramen, gehört zur Weltliteratur. Goethe starb am 22.März 1832 in Weimar, vermutlich an einem Herzinfarkt.

Der Text

"Die neue Melusine" ist Teil von Goethes Roman "Wilhelm Meisters Wanderjahre" und erschien gesondert in zwei Teilen 1817 und 1819 im "Taschenbuch für Damen". Wenn Goethe die Erzählung oder auch das Märchen, als das es manchmal bezeichnet wird, heute seinem Verleger anböte, könnte es passieren, dass dieser strahlend verkündete: "Prima, lieber Goethe! Endlich mal wieder etwas von Ihnen, das wir wunderbar auf der Fantasy-Schiene vermarkten können!" Und tatsächlich nimmt uns der Ich-Erzähler, ein junger Barbier, auf eine wundersame Reise mit, die ganz harmlos und berechenbar beginnt.

Etude pour le portrait de Johann Wolfgang van Goethe, 1786, Gemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) - (Foto: picture-alliance / ©Electa/Leemage )

Goethe stattet am Anfang seine Erzählung gekonnt, wenn auch nicht übermäßig originell, mit allen literarischen Ingredienzien aus, die beim Leser gut ankommen, bekannt sind und Erfolg versprechen: Da gibt es den charmanten, leichtfüßigen wie unzuverlässigen jungen Mann, der alle Frauenherzen im Sturm erobert, mit ihnen jongliert und sie schließlich achtlos fallen lässt. Der nicht nur stetig untreu ist, sondern trinkt, spielt und zum Jähzorn neigt. Ein eher zwiespältiger Held. Ihm begegnet die überirdisch schöne, die aufregende, die geheimnisvolle Dame, die so anders ist als alle anderen vor ihr.

Lili Schoenemann, 1782, Pastell von Franz Bernhard Frey (1716-1808) - (Foto: picture-alliance / dpa)

Sie zieht ihn, man ahnt es, sofort in ihren Bann. Er ist ihr verfallen. Das wiederum nutzt die feine Dame dazu aus, ihm einen seltsamen Beweis seiner Liebe abzuverlangen: Er soll das wertvolle Kästchen, das sie bei sich führt, beschützen. Sie stellt ihm nicht einmal ihre Gesellschaft in Aussicht, vielmehr solle er allein weiter reisen, das Kästchen mit sich führen, gut darauf aufpassen und auf weitere Instruktionen warten. Das geht so lange gut, bis er erfährt, was das geheimnisvolle Kästchen birgt. Das Happy End scheint trotzdem zum Greifen nah und rückt dann wieder in weite Ferne.

Goethe gelingt es wie einem versierten Taschenspieler, mit unseren Erwartungen und gedanklichen Schlüssen zu spielen, uns zu necken und das scheinbar Unvermeidliche, das Altbekannte komplett auf den Kopf zu stellen. Letzten Endes ist nichts so, wie es scheint. Und das Kästchen?


Der Sprecher

Der Schauspieler Philipp Schepmann

Philipp Schepmann

Es gibt Tonlagen, die kann man nicht lernen: Philipp Schepmann, Jahrgang 1966, bringt für ein Märchen für Erwachsene, wie es "Die neue Melusine" anklingen lässt, die nötige Portion fröhlicher Zuversicht und guten Mutes mit - bei aller Skepsis, die die Situation gebietet. Er gibt der Geschichte die fein abgestuften "Untertöne", in denen man den "alten Goethe", wie er lebte und liebte, gut wieder erkennt.

Schepmann kommt aus einer Schauspielerfamilie. Seine Ausbildung hat er an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main und danach an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen absolviert. Die erste Zeit spielte er in festen Engagements. Seit 1997 arbeitet er freiberuflich. Neben klassischen Theaterrollen sind zahlreiche TV-Engagements von Krimiserien bis zu Unterhaltungs-Formaten hinzugekommen. 2004 und 2006 erhielt er dafür den Deutschen Comedy-Preis. Als außergewöhnlich vielseitiger Sprecher für literarische Texte ebenso wie für komplexe Hörspielrollen, arbeitet er bei fast allen ARD-Sendern und für zahlreiche Hörbuchproduktionen.


Die Klassiker - Johann Wolfgang von Goethe: Die neue Melusine
Sprecher: Philipp Schepmann
Produktion: interface studios, Köln
Regie: Heike Mund
Online-Realisation: Claudia Unseld
Redaktion: Gabriela Schaaf

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