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Pressemitteilungen

Johan Galtung: "Falludscha könnte zu einem Stalingrad für die USA werden"

Norwegischer Friedensforscher im Interview von DW-WORLD.DE


"Wenn Falludscha zerstört ist und es dort kein Leben mehr gibt, hat die US-Armee nichts gewonnen, dann geht es weiter in anderen Gebieten. Falludscha könnte sogar zu einem Stalingrad für die USA werden." Das sagte der norwegische Friedensforscher Johan Galtung in einem Interview von DW-WORLD.DE, dem Internet-Angebot der Deutschen Welle. "Die USA glauben, das Problem sei Falludscha und wenn das erledigt ist, werde es Ruhe geben und man könne Wahlen abhalten. Das ist eine Illusion", so Galtung.

Der Träger des alternativen Friedensnobelpreises sprach sich für Kontakte zur Widerstandsbewegung und geheime Verhandlungen zwischen den USA und den Aufständischen aus. Die US-Armee kämpfe mit kurdischen Soldaten in Falludscha. "Schlimmer könnte es nicht sein, denn es gibt einen althergebrachten Hass zwischen Kurden und Sunniten. Die USA haben so eine Situation eines Bürgerkriegs hergestellt, den man eigentlich verhindern wollte. Das Muster", so Galtung weiter, "kennen wir vom Vietnam-Krieg. Und das wird schief gehen".


Entscheidend sei die Frage des Ziels, das die Aufständischen im Irak verfolgen. Galtung: "Wollen sie eine Abspaltung des kurdischen Nordens und dann eine Versöhnung zwischen Schiiten und Sunniten, vielleicht eine föderale Republik?" Der irakische Ministerpräsident Allawi sei "ein Mann des Krieges und kein Verhandlungspartner". Es wäre "eine spannende Aufgabe für die EU, dort zu vermitteln". Die für Januar geplanten Wahlen im Irak bezeichnete Galtung "unter diesen Umständen als Kunstprodukt". Sunniten, Schiiten und Kurden sollten Wahlen zunächst in ihren Gebieten abhalten. "Es ist falsch, den Irak als Einheitsstaat zu betrachten, doch das ist das Modell, das Amerikaner und Briten haben", so der Friedensforscher im Interview der Deutschen Welle.

10. November 2004
227/04

  • Datum 10.11.2004
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