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Deutschland

Jobvermittler gibt Langzeitarbeitslosen neue Zukunft

4,37 Millionen Menschen waren in Deutschland im August arbeitslos - viel zu viele. Bei allen Negativbeispielen: Ein Jobvermittler in Thüringen zeigt, dass vielen Arbeitslosen doch geholfen werden kann.

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Der private Arbeitsvermittler Lars Naundorf vor seiner Arbeitsvermittlungsagentur "no limits"

In den Ohren von Lars Naundorf gibt es kein schöneres Geräusch als ein Rasseln. Denn eine Holzrassel schwingen er und seine Mitarbeiter immer dann, wenn sie einen Bewerber in Arbeit vermittelt haben: "Bei uns muss Erfolg auch gefeiert werden. Jeder Mitarbeiter hat bei sich am Platz so eine Rassel. Wir nutzen das, um die vielen Rückschläge, die wir jeden Tag erleben, wegzustecken und dann diese Freude daran zu haben."

Auch hoffnungslose Fälle haben wieder Arbeit

In letzter Zeit rasselt es bei Lars Naundorf immer öfter: Er ist der erfolgreichste private Arbeitsvermittler in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat er 238 Menschen eine neue Arbeitsstelle besorgt, dieses Jahr werden es wohl noch mehr sein. Naundorf findet Jobs auch für scheinbar hoffnungslose Fälle. Etwa für einen 63jährigen Tischler, der in seinem Alter als schwer vermittelbar galt.

Oder für die ostdeutsche Krankenschwester, die seit der Wiedervereinigung 1990 nicht mehr berufstätig war: "Die hat einen handschriftlichen Lebenslauf mitgebracht, weil sie keine Computerkenntnisse hat", sagt Lars Naundorf. "Die kennt sich mit aktuellen Abrechnungsregeln nicht aus, die kennt eigentlich gar nichts mehr. Sämtliche Medikamente, die sie damals verabreicht hat, gibt es heute gar nicht mehr. Es war also beinahe aussichtslos, etwas für sie zu finden." Doch Lars Naundorf hat es geschafft: er vermittelte der Krankenschwester eine Stelle in einer Kinderarzt-Praxis.

Über seine Grenzen gehen

Naundorfs Firma heißt "no limits!", zu deutsch: "Keine Grenzen". Und der Name ist Programm: "Wenn ich mir was in den Kopf setze, und ich habe jemanden hier, den ich in Arbeit bringen will, dann finde ich einen Weg. Die meisten sehen immer nur Probleme, auch die Arbeitslosen kennen nur Gründe, warum etwas nicht geht. Die sagen, ich bin zu alt, ich bin zu dick, ich bin zu klein. Die sehen aber gar nicht, was sie für Schätze haben, was sie einzigartig macht. Und wenn man das richtig rausputzt, dann haben die sehr wohl eine Chance auf Arbeit."

Lars Naundorf war selbst einmal arbeitslos. Er hatte als Handelsfachwirt in einem Elektromarkt gearbeitet, doch die Kaufhauskette ging pleite. Aber der 31-Jährige ist keiner, der aufgibt - er machte sich als Jobvermittler selbstständig. Ausgerechnet in Gera, einer Stadt mit 18 bis 20 Prozent Arbeitslosigkeit: "Viele Leute in meinem Umfeld haben sich an den Kopf gefasst und gesagt: Mensch Naundorf, du kannst doch keine Arbeitsvermittlung aufmachen, du schaufelst dir dein eigenes Grab, hier gibt es doch gar keine Arbeit." Doch Naundorf wollte es wissen und startete das Experiment. "Ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Es stimmt nicht, dass es hier keine Arbeit gibt."

Tägliches Klinkenputzen

Zu Naundorfs Firma gehören inzwischen acht Mitarbeiter und eine Filiale in Jena. Für jede erfolgreiche Vermittlung erhält er von der Bundesarbeitsagentur 2000 Euro. Denn jeder Arbeitslose, dem die Agentur nicht innerhalb von sechs Wochen einen neuen Job verschafft, erhält einen Gutschein für einen privaten Vermittler. Aber woher nimmt Lars Naundorf die Jobs, die es angeblich gar nicht gibt? "Wir tun das, was jeder gute Arbeitslose auch tun sollte: wir gehen jeden Tag Klinken putzen."

Inzwischen wissen viele Firmen den Service von "no limits!" zu schätzen. Denn Naundorf vermittelt passgenau ausgewählte Bewerber, während die Arbeitsagentur auf jede freie Stelle gleich Dutzende Kandidaten schickt. 3.500 Bewerber hat Lars Naundorf derzeit in seiner Kartei. Nicht alle von ihnen suchten wirklich nach Arbeit: dreißig Prozent seien wohl Drückeberger, schätzt Naundorf.

Ein Dankeschön ist mehr wert als alles Geld der Welt

Er ärgert sich über diese Menschen, die zu Vorstellungsgesprächen einfach nicht erscheinen oder sogar einen Arbeitsvertrag unterschreiben und die Stelle dann doch nicht antreten. Menschen, die einfach keine Lust hätten auf Arbeit. Doch mit jeder erfolgreichen Vermittlung sei er wieder versöhnt. So wie neulich, als er einer Frau nach langer Arbeitslosigkeit zu einer festen Anstellung verholfen hat: "Die hatte vor Freude Tränen in den Augen. Und wissen Sie, wenn Ihnen ein Mensch gegenübersteht und Sie in den Arm nimmt und einfach Danke sagt, Danke, dass sie mir ein neues Leben ermöglichen - das können Sie mit keinem Geld der Welt bezahlen."

Naundorfs Zukunft ist allerdings ungewiss, denn Ende des Jahres sollen die Vermittlungsgutscheine abgeschafft werden. Die Arbeitsagenturen dürfen den privaten Vermittlern dann kein Geld mehr zahlen. Damit würde Lars Naundorf seine Existenzgrundlage verlieren. Doch er will kämpfen: Bis ins Arbeitsministerium in Berlin hat er schon Kontakt aufgenommen. Naundorf will weitermachen und zeigen, dass es doch Arbeit gibt in Gera. Er will weiterhin die Rassel schwingen.

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