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Deutschland

Jobcenter wegen Diskriminierung in der Kritik

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat untersucht, ob Jobcenter und Arbeitsagenturen allen Erwerbslosen die gleichen Chancen bieten. Sie tun es nicht. Verantwortlich ist der interne Erfolgsdruck.

Jobcenter und Arbeitsagenturen gewähren nicht allen Erwerbslosen die gleiche Unterstützung. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Besonders betroffen sind Gruppen, die es auf dem Arbeitsmarkt ohnehin schwer haben - so wie Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen und Migranten.

Der Bericht spricht von "teils gravierenden Diskriminierungsrisiken". Hauptgrund seien die Abläufe in den Behörden - zum Beispiel das Kennzahlensystem der Jobcenter. Für die Vermittler komme es darauf an, möglichst hohe Vermittlungszahlen zu erreichen. Dadurch sei es von Vorteil, sich auf Arbeitslose zu konzentrieren, die leicht wieder einen Job finden. Erwerbslose, die besonders viel Unterstützung und Beratung bräuchten, würden dadurch vernachlässigt. 

Unprofessionelle Arbeit trifft auf Menschen mit Förderbedarf

Befristete Verträge und hohe Fluktuation, fehlende Weiterbildung und Einarbeitung der Jobcenter-Mitarbeiter führten zudem zu Mängeln bei der Vermittlung. "Von einer unprofessionellen Arbeit sind viele Menschen mit besonderem Förderbedarf betroffen", sagte der Arbeitsmarktforscher Martin Brussig, der das Problem für den Bericht analysiert hatte. Die Entscheidungen der Jobcenter seien für Arbeitssuchende zudem oft nicht transparent. Weitere Probleme: Defizite bei Dolmetscherdiensten und Beratungsangeboten sowie Barrieren für behinderte Menschen.

Deutschland Christine Lüders Antidiskriminierungsstelle (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Christine Lüders kritisiert die Praxis in den Behörden

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, sagte, Arbeitsagenturen und Jobcenter machten einen guten Job. Für Menschen, die in Verfahrensabläufen benachteiligt werden, sollte es aber unabhängige Ombudsstellen geben. Die Migrationsbeauftragte Aydan Özoguz sagte, "dass es Bewerber mit ausländischen Wurzeln vor allem mit ausländischem Namen auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben".

Fast jeder Dritte hat Diskriminierung erfahren

Insgesamt hat laut der Erhebung für die Antidiskriminierungsstelle fast jeder Dritte in Deutschland mindestens einmal Diskriminierung erfahren - etwa aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Behinderung. Frauen, Homosexuelle und Muslime seien besonders betroffen. Die Antidiskriminierungsstelle erhielt von 2013 bis 2016 fast 9100 Anfragen zu Diskriminierungserfahrungen. Die Betroffenen haben Probleme, eine Arbeit oder Wohnung zu finden, werden in der Öffentlichkeit herabgewürdigt oder beleidigt oder fühlen sich in Ämtern schlecht behandelt. Mit 41 Prozent betreffen die meisten Fälle das Arbeitsleben.

wo/se (dpa, afp, epd)

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