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Aktuell Deutschland

Joachim Gauck vereidigt: "Wir stehen zu diesem Land"

Bundespräsident Gauck hat die Bürger dazu aufgerufen, vertrauensvoll und ohne Angst die Zukunft zu gestalten. Zuvor hatte der 72-Jährige in der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat seinen Eid ablegt.

"Wie soll es denn nun aussehen, unser Land, zu dem unsere Kinder und Enkel einmal sagen sollen: Unser Land?" Mit dieser Frage leitete Gauck seine mit Spannung erwartete Rede in der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat ein. Jeder Tag bringe eine Fülle neuer Ängste und Sorgen hervor. Viele Bürger fürchteten die Gegenwart. "Mein Lebensthema Freiheit ist für sie keine Verheißung, kein Versprechen, sondern nur Verunsicherung", räumte Gauck ein. Ängste aber verminderten Mut und Selbstvertrauen. "Bis wir gar Feigheit für Tugend halten", sagte Gauck.

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Joachim Gauck als Bundespräsident vereidigt


Der elfte Präsident

Der 72-Jährige hatte zuvor seinen Eid auf das Grundgesetz geleistet und geschworen, er werde seine "Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen" sowie seine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben. Joachim Gauck ist der elfte Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Den frühere DDR-Bürgerrechtler war am vergangenen Sonntag mit 991 von 1228 gültigen Stimmen in der Bundesversammlung zum Nachfolger des zurückgetretenen Christian Wulff gewählt worden.

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Die Antrittsrede des neuen Bundespräsidenten

Gauck erinnerte in seiner Ansprache an die nationalsozialistischen Gräuel und daran, dass nach dem Krieg fehlende Empathie mit den Opfern den Zeitgeist geprägt habe. Erst mit der Generation der 68er habe sich das geändert. Der frühere DDR-Bürgerrechtler hob zugleich die Verdienste der Menschen beim Fall der Mauer hervor. Auf unblutige Weise sei damals der Ost-West-Gegensatz überwunden worden. "Ich wünsche mir eine lebendige Erinnerung an das, was in unserem Land gelungen ist."

"Euer Hass ist unser Ansporn"

Die Bundesrepublik müsse ein Land sein, das Freiheit und Gerechtigkeit verbinde, sagte Gauck mit Blick auf das schwindende Vertrauen der Bürger in die politischen Institutionen. Als zweite Stütze der Demokratie in Deutschland gebe es die aktiven Bürgergesellschaften, die die Mängel der Institutionen ausgleichen könnten. Mit Nachdruck wandte sich der neue Bundespräsident gegen rechtsextremistische Tendenzen. "Wir stehen zu diesem Land.“ Den rechtsextremen Verächtern sage er: "Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich."

Ein Wort Ghandis

Zum Abschluss seiner Rede bat Gauck die Bürger um Vertrauen: "Nach einem Wort Ghandis kann nur ein Mensch mit Vertrauen und Selbstvertrauen Fortschritt machen."

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Bundestagspräsident Lammert dankt Wulff und lobt Gaucks Wahl

Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesratspräsident Horst Seehofer hatten zuvor auch dem zurückgetretenen Amtsinhaber Christian Wulff gedankt, der in seiner zeit als Bundespräsident und in seinem politischen Wirken davor viele Impulse gesetzt habe. Wulff war nach Monaten journalistischer Recherchen erst zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen wegen Vorteilsannahme angekündigt hatte.

Die erste Reise geht nach Polen

Nach seiner Vereidigung als Bundespräsident wurde Gauck mit militärischen Ehren an seinem Amtssitz empfangen. Eine Ehrenformation der Bundeswehr begrüßte das neue Staatsoberhaupt im Park des Schlosses Bellevue in Berlin. An der Zeremonie, die mit der Nationalhymne begann, nahm auch Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) teil.

Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt werden kommende Woche zur ersten Auslandsreise des neuen Staatsoberhaupts aufbrechen. Das Ziel ist die polnische Hauptstadt Warschau.

ml/li (epd, dpa)

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