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Kultur

Joachim "Blacky" Fuchsberger gestorben

Mehr als 60 Kino- und Fernsehfilme hat er gedreht, Unterhaltungssendungen moderiert und sich als Autor, Stadionsprecher und Reisereporter betätigt. Nun ist Joachim Fuchsberger in Grünwald bei München gestorben.

Er zählte zu den Großen der westdeutschen Fernsehunterhaltung der Nachkriegszeit. Dabei zeigte Joachim "Blacky" Fuchsberger so viele Facetten wie kaum ein Zweiter.

Der größte Teil seiner Kindheit und Jugend war geprägt vom Dritten Reich. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war er zwölf Jahre alt und wurde zum Reichsarbeitsdienst herangezogen. Einen Schulabschluss machte er nie. Nach seiner Ausbildung in der Luftwaffe wurde er als 16-Jähriger an die Ostfront geschickt und geriet in Kriegsgefangenschaft. Damals schwor er sich, wie er später sagte, von nun an "unabhängig zu sein und nie wieder fremdbestimmt".

Vom Bergmann zum Schauspieler

Joachim Fuchsbergermit seiner Verlobten und späteren Frau Gundula - Foto: Göbel dpa

Joachim Fuchsberger mit seiner späteren Frau Gundula bei der Filmpremiere von "08/15"

Nach Kriegsende arbeitete Fuchsberger zunächst im Bergbau, dann als Monteur von Druckmaschinen und Werbeleiter. Anfang der 1950er Jahre sammelte er erste Erfahrungen als Hörfunksprecher.

Wenige Jahre später kam er, ohne je eine Stunde Schauspielunterricht genossen zu haben, an die Hauptrolle in der Kriegsroman-Trilogie "08/15" - und schaffte damit den Durchbruch auf der Leinwand. In mehreren weiteren Kriegsfilmen legte er die Uniform an, immer wieder verkörperte er aber auch charmante Liebhaber in Heimatfilmen. Ende der 1950er Jahre spielte er schließlich den Kommissar in einer Filmreihe nach Edgar Wallace.

Erfolge und Rückschläge

Parallel machte er sich auch als Quizmaster einen Namen, bis ihm 1977 mit "Auf los geht's los" auch hier dauerhafter Erfolg beschieden war. 1980 übernahm er die Talkshow "Heut' abend", in der er Prominente aus dem In- und Ausland zu Gast hatte.

Gerne unternahm Fuchsberger Abstecher in andere Bereiche. So war er 1972 Stadionsprecher bei den Olympischen Spielen in München und schrieb Texte für Schlagersänger wie Udo Jürgens.

Joachim Fuchsberger als Stadionsprecher bei den Olympischen Spielen 1972 - picture-alliance/dpa/G.Rauchwetter

Ausflug in die Welt des Sports: Fuchsberger moderiert die Olympischen Spiele 1972

Nur als sich der Allrounder ein Standbein im Immobiliengeschäft aufbauen wollte, endete dieses Abenteuer im finanziellen Desaster. Doch getreu dem Motto "Fang nie an, aufzuhören, höre nie auf, anzufangen" rappelte er sich immer wieder auf. Auch nachdem er 1978 bei einer Zirkusnummer von einem Schimpansen gebissen wurde, sich mit Hepatitis B infizierte und vier Monate auf der Intensivstation verbringen musste, gab er nicht auf. Als die Krankheit überstanden war, stand Fuchsberger bald wieder vor der Kamera.

UNICEF-Botschafter und "Priestermacher"

Als erster Deutscher wurde er 1984 zum Botschafter für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ernannt. Weil Fuchsberger große Begeisterung für Australien hegte, baute er sich mit seiner Frau in dieser Zeit einen Zweitwohnsitz in Tasmanien auf - und nahm das zum Anlass für eine Dokumentarfilmreihe über den Subkontinent, die von 1988 bis 2003 ausgestrahlt wurde.

Obwohl er schon mehrere Herzoperationen hinter sich hatte, ging er im Alter von 74 Jahren noch auf Bühnentournee: Insgesamt 170 Mal trat er als Geistlicher im Stück "Der Priestermacher" auf. Privat hatte er allerdings mit Religion seine Probleme: "Ich würde ja gerne glauben, aber ich kann es nicht", gestand er. Schuld daran seien seine Kriegserlebnisse.

Noch im Juni 2014 sagte Fuchsberger in einem Zeitungsinterview, er habe keine Angst vor dem Tod. "Ich mache es mir sehr leicht. Ich bin ein Verdränger." Am Donnerstag (11.09.2014) verstarb Joachim Fuchsberger im Alter von 87 Jahren.