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Asien

"Jetzt sind die Überlebenden wichtig"

Durch den Taifun "Haiyan" sind womöglich Tausende Menschen ums Leben gekommen. Die DW sprach mit "World Vision". Einsatzteams der Organisation versuchen, den Bedürftigen auf den Philippinen schnell zu helfen.

Die Hilfsorganisation "World Vision Philippines" hat ihren Sitz in der Hauptstadt Manila, sie hat viel Erfahrung mit Taifun-Hilfen. Mitarbeiter der Organisation sind auf dem Weg zu besonders stark betroffenen Regionen. GJeff Lamigo koordiniert die Kommunikation des Notfall-Einsatzteams.

DW: Wie viele Helfer hat Ihre Organisation in die Katastrophengebiete geschickt?

GJeff Lamigo: Es sind drei Teams unterwegs nach Leyte und nach Samar, um die Lage zu beurteilen. Diese Inseln sind am stärksten betroffen, genau so wie die Pinai-Inseln.

Was berichten sie von dort?

Sie sind noch unterwegs. Der Weg dorthin ist schwierig. Der Flughafen der Stadt Tacloban wurde komplett zerstört. Wir müssen über andere Flughäfen und Fähren dorthin gelangen. Die Bilder, die uns von dort erreichen, sind furchtbar. Tacloban wurde vom Sturm förmlich verschlungen. Die Straßen dorthin sind blockiert durch entwurzelte Bäume und umgestürzte Strommasten.

Ist der Taifun mit anderen Wirbelstürmen auf den Philippinen zu vergleichen?

Das ist eine andere Art von Taifun, ein ganzes System von Taifunen. Allein schon, wenn man Größe und Durchmesser betrachtet. Der Wirbelsturm schlug sechs Mal hintereinander auf Land, wie sechs einzelne Peitschenschläge.

Wie will World Vision den Bedürftigen jetzt helfen?

In den kommenden Wochen wird es vor allem darauf ankommen, den Heimatlosen zu helfen. Sie brauchen Essen, Betten und Decken. Außerdem natürlich auch sauberes Wasser, das leicht zu transportieren ist - besonders für die Kinder. Wir hoffen, in den nächsten Wochen etwa 45.000 Familien helfen zu können.

Aber wie wollen Sie zu diesen Familien vordringen?

Das wird nicht leicht werden. Viele Straßen sind blockiert. Wir müssen dabei mit der Regierung zusammenarbeiten. Wir arbeiten schon jetzt mit den Vereinten Nationen zusammen, um Informationen zusammenzutragen.

Kennen Sie Menschen, die dem Sturm ausgesetzt waren?

Eine meiner Mitarbeiterinnen war dort, kurz bevor Haiyan auf Land traf. Bisher haben wir nichts von ihr gehört, die Kommunikation ist unterbrochen. Unser Team ist auf dem Weg dorthin. Wir hoffen, es geht ihr gut. Es gibt weitere Kollegen, die dort wohnen. Das Haus einer meiner Kolleginnen wurde komplett zerstört. Sie erfuhr davon, als sie selbst an einer anderen Hilfsaktion teilnahm. Es ist herzzerreißend, solche Geschichten zu hören. Dieses Unglück trifft alle, es unterscheidet nicht zwischen arm und reich.

Die betroffenen Gebiete sind aber vornehmlich ärmer im Vergleich zur Hauptstadt Manila, oder?

Das stimmt, viele Menschen dort sind arm und leben vom Fischen und davon, was sie selbst anbauen. Aber in Aklan und Leyke gibt es auch Tourismus. In Bohol hängt fast die gesamte Wirtschaft vom Tourismus ab. Und jetzt sind vier Flughäfen geschlossen. Hier in Manila haben wir vom Sturm nicht viel mitbekommen. Aber wir waren vorbereitet. Hier wurde Alarm ausgelöst. Der Sturm hätte ja jederzeit seine Richtung ändern und die Hauptstadt erreichen können, nicht nur mit starken Winden, sondern auch mit viel Niederschlag. Manila ist sehr anfällig für Überflutungen.

War das Land als Ganzes denn vorbereitet?

Ich glaube, die Philippiner haben von den Taifunen der letzten fünf Jahre gelernt. Die Menschen, die Regierung und die Gemeinden. Sie haben zusammengearbeitet und in Notfall-Vorsorge investiert. Es hat vor dem Eintreffen des Sturms großangelegte vorsorgliche Evakuierungen gegeben. Allerdings brach in vielen Regionen die Kommunikation zusammen. Das hat viele Menschen verängstigt und verunsichert. Menschen leiden, weil sie immer noch nichts von ihren Partnern oder Kindern wissen.

Unsere Wetterdienste und Katastrophen-Experten überwachen stets die Lage und lösen Alarm aus, damit wir vorbereitet sind, auch jetzt. Momentan beobachten wir ein anderes Tiefdruckgebiet, das sich zu einem weiteren Taifun entwickeln könnte. Im Schnitt erreichen jedes Jahr 20 bis 25 Wirbelstürme die Philippinen. Fünf davon sind üblicherweise groß.

Die Polizei spricht mittlerweile von womöglich 10.000 Toten. Können Sie diese Zahl bestätigen?

Samstagabend um 18 Uhr lag die Zahl der bestätigten Todesfälle noch bei 138. Trotzdem glaube ich, dass es Hunderte weitere Opfer geben könnte. Jederzeit könnten neue Leichen im Wasser entdeckt werden. Aus den betroffenen Gebieten kommen langsam weitere Meldungen. Aber es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Es ist jezt auch sehr wichtig, sich auf die Überlebenden zu konzentrieren. Fast eine Million Menschen sind von der Katastrophe betroffen. Wir brauchen jede Hilfe, die wir bekommen können, um sie zu unterstützen.

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