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Wissen & Umwelt

Jetzt neu: Palmöl drin, Palmöl drauf!

Palmöl war bisher immer als pflanzliches Öl oder Fett unter den Inhaltsstoffen getarnt. Das wird sich nun ändern: Wenn das Öl drin ist, steht's ab sofort auch auf dem Etikett. Umweltschützern ist das nicht genug.

Ob Fertigsuppe, Tiefkühlpizza, Schokolade, Lippenstift, Seife, Shampoo, Creme oder Waschpulver - die Liste ließe sich womöglich endlos weiterführen - auf den Verpackungen steht "pflanzliches Fett" oder "pflanzliches Öl" unter den Inhaltsstoffen. Schön und gut - denn sie gelten als wichtige Energielieferanten. Vor allem sind unser Gehirn, Nervensystem und Stoffwechsel auf sie angewiesen, da unser Körper diese wichtigen Fettsäuren nicht selbsttätig produzieren kann.

Gesund, aber nicht gut

Oliven-, Raps-, Distel- oder Leinöl sind damit zum Beispiel gemeint. Was aber die wenigsten wissen: Unter "pflanzlichem Fett" oder "pflanzlichem Öl" kann sich auch

Palmöl

verbergen, was aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird. Und wo Palmölplantagen entstehen, müssen oft Regenwälder weichen. So entscheidet der Verbraucher unwissentlich beim Einkauf über das Schicksal bedrohter Arten wie Orang-Utan oder Tiger - und das Abholzen des Regenwaldes. Forscher von der Princeton University haben nachgewiesen, dass zum Beispiel mehr als die Hälfte der Palmölplantagen in Indonesien und Malaysia dort angelegt wurden, wo vorher Regenwald stand.

Abholzung des Regenwalds in Indonesien (Foto: BAY ISMOYO/AFP/Getty Images).

Kein schönes Bild: Der Regenwald in Indonesien muss weichen - für Palmölplantagen

Allerdings war es bisher auch gar nicht so einfach für Verbraucher, Palmöl-Produkte zu identifizieren: Denn jedes zweite Supermarktprodukt enthält das Öl, schätzt die Umweltstiftung WWF, nur bei den wenigsten taucht es auf der Zutatenliste auf. Das wird sich ab dem 13. Dezember 2014 ändern, denn ab dann treten neue EU-Kennzeichnungsregeln für Lebensmittel in Kraft: Ab dann sind Hersteller verpflichtet, die pflanzlichen Fette und Öle explizit unter den Inhaltsstoffen aufzuführen.

Eine Maßnahme, die Naturschutzorganisationen hoffen lässt: "Wir hoffen, dass dies entweder ein Anreiz für die Hersteller ist, auf Palmöl zu verzichten, oder dass sich mehr Hersteller dazu bekennen, von nun an

nachhaltigeres Palmöl

zu verwenden", sagt Roland Gramling vom WWF Deutschland.

Denn neben dem ganz normalen Palmöl mit all seinen negativen Umwelt- und sozialen Auswirkungen, gibt es zum Beispiel das nachhaltige Palmöl des

Roundtable on Sustainable Palm Oil

(kurz: RSPO) oder Bio-Palmöl. "Das ist zwar nicht das Nonplusultra, aber zumindest schon mal ein Mindeststandard, " sagt Gramling. Diese Palmöl-Produzenten lassen sich zertifizieren: Sie verzichten auf bestimmte Pestizide, sorgen für gewisse Arbeitsstandards auf ihren Plantagen und holzen keine geschützten Regenwälder ab, um stattdessen Ölpalmen anzupflanzen.

Die Inhaltsstoffe auf einer Kekspackung (Foto: Foto: Hannah Fuchs / DW).

"Pflanzliche Fette" wird man so auf Lebensmittelpackungen in Zukunft nicht mehr sehen

Wobei die Kriterien für das Biosiegel noch einmal strenger sind als die des RSPO. Das bisherige Problem war allerdings, dass - schätzt Gramling - gerade mal 18 Prozent des verwendeten Palmöls RSPO-gerecht war, und nur ein Prozent "bio".

"Sie finden am Markt einfach keine Abnehmer", mahnt der WWF an. Aber wie auch, wenn die Endverbraucher keine Chance haben, sich für das umweltfreundlichere Palmöl zu entscheiden. Als Zusatz zur neuen Kennzeichnungspflicht wäre eine RSPO-Plakette jedenfalls wünschenswert - oder irgendein Vermerk, der das verwendete Palmöl einstuft, sagt Gramling.

Nachhaltiges Palmöl: nicht ohne bitteren Beigeschmack

Maike Förster, Biologin und wissenschaftliche Beraterin beim SAVE Wildlife Conservation Fund, ist mit der aktuellen Situation auch noch nicht ganz glücklich. RSPO hält sie für "Greenwashing". "Die Idee ist gut, aber Verstöße zu schwer zu ahnden", sagt sie. Es müsse Richtlinien und Sanktionen geben. Die Schlupflöcher seien noch zu groß. Selbst beim Bio-Palmöl gebe es Negativbeispiele, wo Plantagen beispielsweise nicht so aussehen, wie der Bio-Zusatz es verlangen würde.

Palmöl-Alternativen nicht gut genug

"Bei den Lebensmitteln ist es tatsächlich so, dass es eigentlich alternative Zutaten geben würde. Aber Palmöl ist nun mal unschlagbar billig", sagt Förster. Bei Waschmitteln und anderen Produkten fehle es dagegen noch an Möglichkeiten."Da müsste einfach mehr in die Forschung investiert werden."

Allerdings fehlt hier der Anreiz. Denn während Kunden von nun an ihre Lebensmittel gezielt palmölfrei auswählen können, gilt die neue Kennzeichnungspflicht nicht für Seifen und Co. "Hier fällt es mir selbst als Biologin schwer, die ganzen chemischen Begriffe, hinter denen sich Palmöl verstecken könnte, parat zu haben", gibt die Umweltschützerin zu. Das zu ändern, ist eine weitere Forderung, ergänzt Roland Grammling vom WWF.

Ein erster Schritt ist trotzdem gemacht

Eine Orientierungshilfe ist aber schon in Arbeit, verrät Maike Förster. Im Rahmen der

ZeroPalmöl-Kampagne

haben SAVE eine Datenbank für palmölfreie Produkte erstellt. Rund 3800 Produkte sind bisher gelistet. "Außerdem ist eine App in Planung, mit der man sich schnell informieren kann."

Die Kennzeichnungspflicht, zusammen mit der Datenbank, sorgt also schon mal für mehr Transparenz am Markt - und auch dafür, dass sich Kunden gezielt gegen Palmöl oder für nachhaltigere Palmöl-Varianten entscheiden können - sofern eine spezielle Bezeichnung hierfür noch eingeführt wird.

"Ich glaube, da wird sich am Markt und beim Verbraucher jetzt wirklich ein neues Bewusstsein bilden, es wird sich etwas verändern", sagt Gramling. Ein erster Schritt wäre damit gemacht.

Die neue Kennzeichenregelung für Lebensmittel betrifft übrigens nicht nur das Palmöl. Auch Allergene müssen in Zukunft explizit angegeben werden, und auch die Schrift der Zutatenliste soll zumindest ein kleines bisschen größer werden.

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