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Politik

Jetzt ist es raus!

Mit seiner Wende in der US-Nahostpolitik gefährdet Präsident Bush zwar seinen eigenen Friedensplan. Aber er fühlt sich freier. Eine Polemik von DW-Korrespondent Udo Bauer.

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An jedem Wort, an jeder Geste konnte man es geradezu ablesen: Der Präsident war mal wieder mit seiner Geduld am Ende. Und obwohl der israelische Premier neben ihm stand, Bush ging es in erster Linie um die, die nicht da waren bei dieser Pressekonferenz am Mittwoch, um die Palästinenser. Die nämlich haben noch nie auf seine Appelle gehört, sie haben sich keine neue politische Führung gewählt, sie haben nicht mit dem Terror gegen Israel aufgehört, sie haben sich sogar geweigert mit Israel zu verhandeln. Jetzt geht es eben weiter ohne sie. Unilateral, genauso wie es sein "wirklich guter Freund" Ariel Scharon vorgeschlagen hat. Das Rückkehrrecht für Palästinenser ins israelische Kernland kommt jetzt für Bush genausowenig in Frage, wie ein Szenario, bei dem sich Israel hinter seine alten Grenzen von 1949 beziehungsweise 1967 zurückzieht. Basta!

Unter Ausschluss Palästinas

Wenn Präsident Bush in einem derartigen Zustand von Rage ist, dann antwortet er auch auf keine kritischen Reporterfragen mehr. Am Mittwoch wollte zum Beispiel ein Journalist wissen, ob jüdische Siedlungen in der Westbank denn nicht ein Hindernis für den Nahostfrieden sind (was zu konstatieren jahrzehntelang amerikanische Politik war). Bushs Antwort: "Das Problem ist, dass es Terroristen gibt, die Leute umbringen, um diesen Prozess zu stoppen!" Eigentlich hätte man Bushs Nahost-Kehrtwende erahnen müssen in den letzten drei Jahren: Kein einziges Mal in seiner Amtszeit hatte Präsident Bush auch nur einem Palästinenser eine Hand geschüttelt. Ariel Scharon jedoch schien Dauergast zu sein im Weißen Haus, auch wenn nicht immer alles in Bushs Sinne lief in der Vergangenheit.

Manchmal hatte es bei den gemeinsamen Auftritten gar den Anschein, dass der mürrische alte Kämpe hier und da dem Filius nicht richtig zuhörte, als der ihm auf eine anbiedernde Art widersprach (aber auch nur weil seine Berater ihm das so eingeredet hatten). Die Zeiten sind jetzt vorbei. Jetzt ist es heraus, jetzt kann Bush endlich sagen, was er denkt. Man muss eben mutig sein und in historischen Dimensionen denken, sagte Bush wie zu sich selbst.

Amerikanischer Optimismus

Und so soll sich die arabische Welt in historischen Dimensionen a la George Bush entwickeln: Am Anfang steht Irak, als eine echte Erfolgsgeschichte. Von diesem Hort der Stabilität und der Demokratie aus breitet sich die frohe Botschaft der Freiheit und der Menschenrechte für alle wie ein Lauffeuer in der gesamten Region aus, reformiert alle die umliegenden, rückständigen Gesellschaften.

Gleiches gilt für alle korrupten politischen Systeme, die kollabieren werden unter dem Druck rebellierender Volksmassen. Irgendwann wird diese Botschaft auch die sturen Palästinenser erreichen, die sich dann endlich die Mühe machen und mit Israel zu Israels Bedingungen Frieden schließen. So einfach ist das, die Araber müssen uns Amerikanern nur glauben, dass wir bei dem Ganzen nur Gutes im Schilde führen und alles ganz uneigennützig tun, dann klappt es schon. Das ist unerschütterlicher amerikanischer Optimismus!

Europäischer Idealismus

Aber da kommen die schon wieder angejammert, diese ewig nörgelnden Berufspessimisten aus Europa mit ihrem moralinsauren Gutmenschentum und ihren absurden Vorstellungen von internationalem Völkerrecht und interkulturellem Dialog und so. Zeit wird’s, dass die endlich kapieren, dass im Laufe von Jahrzehnten im Heiligen Land Fakten geschaffen wurden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können! Hört auf mit Eurer Prinzipienreiterei, denkt pragmatisch, konzentriert Euch aufs Machbare, in Gottes Namen! Denn eins ist doch klar: Zur Not muss man die Araber zu ihrem Glück zwingen. George W. ist halt mit seiner Geduld am Ende.