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Politik

Jetzt geht es zur Sache

George W. Bush will wieder US-Präsident werden. Seinen Gegner John Kerry macht er zum Feigling. Und was ist Bush? Ein Held? Peinlicher Texaner? Belzebub?

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Ralf Hoogestraat

Der Parteitag der Republikaner ist vorbei, das Leben in New York kehrt wieder zur Normalität zurück. Viele New Yorker waren geflohen und hatten die Stadt der Doppelinvasion von Republikanern und Demonstranten überlassen. Die Medien hatten Chaos und Weltuntergang angekündigt, aber das war wohl etwas übertrieben gewesen.

Stattdessen hatte sich das konservative Amerika zu einer einwöchigen Party getroffen und schon mal den Sieg bei den Wahlen am 2. November gefeiert. Und bei seiner Rede vor dem Parteitag gab sich George W. Bush schon mal ganz als Sieger.

Chaos und Anarchie

In breiten Pinselstrichen zeichnete er ein strahlendes Bild der Zukunft. Die Wirtschaft- und Finanzkrise der USA werden sich in Luft auflösen. Der Krieg gegen den Terror wird gewonnen werden und Amerika wird als strahlender Held dastehen. Denn eines ist sicher: Ohne den Schutz der USA würde die Welt in Chaos und Anarchie versinken.

Das ist zwar ein bisschen vereinfacht dargestellt, der US-Präsident hat sich schon ein bisschen ausführlicher geäußert, aber internationale Beobachter könnten seine Rede so zusammenfassen:

Feiger Kerry?

Der Parteitag war ein Musterbeispiel an Stimmungsmache und der Feind war John Kerry. Der demokratische Herausforderer wurde als windelweicher Vaterlandsverräter dargestellt, der den tapferen amerikanischen Jungs und Mädels, die Freiheit und Demokratie in Irak verteidigen, die Unterstützung verweigert. Kerry, so die republikanische Meinungsmaschine, sei unfähig, die USA gegen die Terroristen zu verteidigen, er sei zu feige, das Wort wurde zwar nicht benutzt, aber es schwebte in der Luft.

Und das kam von einem Präsidenten, der sich im Vietnam-Krieg aufgrund der guten Beziehungen seines Vaters zu Hause in Amerika die Sonne auf den Bauch scheinen ließ, während seinem Herausforderer im Dschungel Vietnams die Kugeln um die Ohren flogen.

Die Box-Handschuhe sind ausgezogen worden, jetzt wird mit den bloßen Händen gekämpft, der Wahlkampf geht in seine heiße Phase. Es sind nur noch knappe zwei Monate bis zum Wahltag, und für die USA geht es um mehr als nur die Frage, wer im Weißen Haus sitzen darf.

Überrascht von der Bush-Wahl


Es ist eine kulturelle und politische Wasserscheide. Das konservative Amerika war von George W. Bushs Wahlsieg im Jahre 2000 wahrscheinlich genauso überrascht worden wie der Kandidat. Aber jetzt hat man die Macht und jetzt will man sie auch behalten.

Das liberale Amerika war 2000 von der Niederlage Al Gores mindestens genauso überrascht worden. Und nach vier Jahren Bush-Regierung erkennen sie ihr eigenes Land kaum noch wieder.

Doch die Wähler geben keine klaren Signale, das Land scheint genau in der Mitte gespalten zu sein. Für 50 Prozent der Amerikaner ist George W. Bush ein Held, für die anderen 50 Prozent ist er der Belzebub. Dazwischen gibt es kaum noch Spielraum.

Im schlimmsten Fall peinlich

Wenn Amerika irgendein Land wäre, dann wäre das alles ziemlich egal und die Meinungen und Leidenschaften irgendwelcher Provinzpolitiker aus Texas oder North Dakota wären im schlimmsten Falle peinlich.

Aber die USA sind die letzte verbliebene Weltmacht: Provinzpolitiker aus Texas können den Verlauf der Welt ganz entscheidend beeinflussen. Das haben die vergangenen vier Jahre deutlich gezeigt. Und der Rest der Welt kann da gar nichts machen.