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Parteien

Jetzt erst recht: Wegen Trump in die Politik

Donald Trump wird US-Präsident, und die Deutschen sind starr vor Schreck? Nicht alle Deutschen. Vor allem die SPD, die Grünen und die Linken freuen sich seit der US-Wahl über vermehrte Eintritte.

Deutschland Protest gegen Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten in Berlin (DW/A.-S. Brändlin)

Protest gegen den neuen US-Präsidenten in Berlin am Samstag nach der Wahl: da waren schon viele Deutsche wegen Trump in die Parteien eingetreten.

Mareike Graepel, Journalistin aus Haltern in Nordrhein-Westfalen, verbrachte wie viele Deutsche die Nacht vom 8. auf den 9. November mehr oder weniger vor dem Fernseher. Dann, am Morgen, ging sie unter die Dusche, und ihr Entschluss stand fest: ich muss jetzt politisch aktiv werden. Jetzt trete ich in die SPD ein! "Ich dachte: Wie sage ich das, was wir da gerade gesehen haben,  jetzt meinen Kindern beim Frühstück? Ich müsste zugeben dass in den USA ein Mann zum Präsidenten gewählt wurde, der kein Modell sein kann für junge Menschen, der keine Nächstenliebe hat."

Trump als Auslöser

Überlegt hatte sie sich schon öfters, dass es jetzt Zeit sei, in der SPD aktiv zu werden, aber die Wahl des Multi-Milliardärs war denn doch ein Auslöser: "Ich kenne viele Menschen in den USA. Das ist immer noch ein Traumland für uns. Und dann d a s !" Politisch engagiert ist Mareike Graepel sowieso, im Asylkreis in ihrem Wohnort, in der Willkommensklasse für Flüchtlinge in der Schule der Tochter.

Mareike Graepel Medienhaus Bauer (privat)

Neu in der SPD: Pferdefreundin Mareike Graepel

Zuletzt hat sie versucht, über die sozialen Medien zu argumentieren, sich für Flüchtlinge einzusetzen etwa, dort mit Menschen, die anders denken, ins Gespräch zu kommen: "Aber das ist mühsam und verpufft schnell." 

70 Eintritte bis 9 Uhr Morgens

So wie Mareike Graepel denken gerade viele Menschen in Deutschland. Seit der Wahl in den USA traten nur über die Online-Funktion auf der SPD-Seite rund 1300 Bürger der SPD bei, wie Benjamin Seifert, stellvertretender Pressesprecher der SPD der DW sagte: "Allein zwischen 4 und 9 Uhr morgens am Mittwoch, als die Ergebnisse aus den USA Konturen annahmen, waren es über 70." Die hatten wohl wie Mareike Graepel die Wahlnacht und den unerwarteten Sieg Donald Trumps am Bildschirm verfolgt.

Parteien verlieren eigentlich an Mitgliedern

In einem normalen Monat verzeichnet die SPD rund 1000 Beitritte. Online oder auch ganz einfach, indem man das Parteibüro in seinem Wohnort aufsucht oder anruft. Der Anteil der Online-Beitritte liegt meistens zwischen 40 bis 50 Prozent. Hochgerechnet dürfte die Zahl der November-Eintritte in die SPD also zwischen 2500 und 3000 liegen. Und der Monat ist noch nicht vorbei. Und das alles in Zeiten, in denen eigentlich alle Parteien kontinuierlich an Mitgliedern verlieren, allen voran die SPD. Noch im Sommer ergab eine Studie des Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer, dass die Sozialdemokraten vor allem aus Altersgründen flächendeckend in allen Bundesländern an Mitgliedern verlieren. Die stolze Partei Willy Brandts, einst mit über einer Million Mitgliedern, kam noch auf rund 443.000 Genossinnen und Genossen.

Trump-Effekt auch bei den Grünen

Auch die Grünen hatten am Tag nach der US-Wahl 114 Online-Anfragen auf eine Mitgliedschaft, in den vier folgenden Tagen waren es nochmal 145. Das sind merkbar mehr als in ruhigen Zeiten. In der Berliner Parteizentrale glaubt man aber, dass es neben der US-Wahl dafür noch andere Gründe gibt: Den Parteitag etwa, der am Wochenende unmittelbar nach dem Sieg von Donald Trump stattfand. Und die Urwahl der Spitzenkandidaten, die immer eine politisierende Funktion hat, auch wenn da nur abstimmen darf, wer vor dem 1. November Mitglied der Grünen war.

Linke rufen in den sozialen Medien zum Eintritt

In der Parteizentrale der Linken in Berlin hat Martin Bialluch, Vize-Pressesprecher, allein in der Woche nach dem Triumph von Donald Trump 314 Eintritte registriert: "Das ist das Viereinhalbfache einer normalen Woche." Am Donnerstag nach der Wahl riefen die Linken über die sozialen Medien auf, "wegen Trump, der AfD und Marine Le Pen" jetzt zu den Linken zu kommen. Allein an diesem Tag folgten 111 Menschen der Aufforderung.

Keine Auswirkungen bislang bei der CDU

Bei der CDU sieht das anders aus. Keine spürbare Steigerung der Eintritte nach der Wahl von Donald Trump, heißt es aus dem Konrad-Adenauer-Haus. Auch bei der CDU melden sich beitrittswillige Bürger zumeist bei den Kreisverbänden, von dort dauert eine Rückmeldung nach Berlin zumeist einige Wochen. Spürbar waren bei der Partei Angela Merkels mehr Eintritte, als die rechts-populistische "Alternative für Deutschland" (AfD) bei den Landtagswahlen im Frühjahr in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt hohe Stimmenanteile holte.

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