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Katastrophen

Jetzt 30 Tote nach Hochhaus-Brand in London

Die Polizei vermutet noch weitere Leichen in dem Wohnhochhaus im Londoner Stadtteil Kensington. Die Zeitung "Sun" hat eine Liste von Menschen veröffentlicht, die seit dem Brand vor gut zwei Tagen vermisst werden.

Nach Angaben der Polizei gibt es bislang keine Hinweise, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. Die Behörden prüfen aber, ob es vor der Katastrophe strafrechtliche Vergehen gab.  In der Nacht zu Mittwoch war im Grenfell Tower im Westen Londons ein Feuer ausgebrochen. Die Behörden vermuten, dass sich rund 600 Menschen zu dem Zeitpunkt in dem Hochhaus aufhielten.

Die britische Zeitung "Sun" veröffentlichte Namen und Fotos von 65 Menschen, die seit dem Brand des Wohnkomplexes vermisst werden oder als tot gelten. Bislang ist völlig unklar, wie viele Menschen genau in dem Hochhaus ums Leben gekommen sind.

Die Suche und Identifizierung der Opfer werde Wochen dauern, hatte Stuart Cundy von der Londoner Metropolitan Police am Donnerstag gesagt. Es sei möglich, dass manche Opfer nie identifiziert werden könnten. Mit Blick auf die endgültigen Opferzahlen sagte er: "Ich hoffe, dass es nicht dreistellig wird." Die Suche in dem völlig ausgebrannten Gebäude gestaltet sich schwierig und für die Helfer gefährlich.

UK Hochhausbrand in London - Trauer (Reuters/P. Hackett)

Kondolenz-Botschaften an einer Wand nahe der Unglücksstelle

Das Gebäude im Stadtteil Kensington gilt zwar nicht als einsturzgefährdet, aber die Ränder des 24-stöckigen Turms seien in den oberen Stockwerken unsicher, hatte die Feuerwehrchefin Dany Cotton am Donnerstag gesagt. "Ich schicke keine Feuerwehrleute da rein." Deswegen sollten Hunde weiter nach Menschen in dem Gebäude suchen. Unter den Vermissten ist auch die Fotografin Khadija Saye, deren Werk zurzeit bei der Biennale in Venedig gezeigt wird. Sie lebte gemeinsam mit ihrer Mutter im Grenfell Tower, von der ebenfalls jede Spur fehlte. Die Rettungskräfte gingen nicht davon aus, noch jemanden lebend zu finden.

Bei dem gewaltigen Brand wurden am Mittwoch 65 Menschen von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet, anderen gelang selbst die Flucht. Nach Angaben der Rettungskräfte vom Mittwoch wurden mindestens 78 Patienten in Kliniken behandelt. Am Donnerstag galt der Zustand bei 17 Patienten als kritisch. In dem Sozialbau mit 120 Wohnungen lebten britischen Medienberichten zufolge zwischen 400 und 600 Menschen. Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen und hatte sich über die Fassade rasend schnell ausgebreitet. Viele Bewohner wurden im Schlaf überrascht.

Das Gebäude brannte vollständig aus (picture alliance/AP Photo/F. Augstein)

Das Gebäude brannte vollständig aus

Premierministerin Theresa May kündigte eine unabhängige Untersuchung des Feuerdramas an, auch um aufzuklären, ob der Brandschutz mangelhaft war. "Wir müssen wissen, was passiert ist und wir brauchen Erklärungen", forderte May. "Wir schulden das den Familien, den Menschen, die ihre Liebsten verloren haben und ihr Zuhause, in dem sie gelebt haben", erklärte May. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. Anwohner hatten sich über den angeblich mangelnden Brandschutz in dem Gebäude beschwert, das 1974 erbaut und von 2014 bis 2016 saniert worden war.

Der Grenfell Tower in der Brandnacht (picture-alliance/Zumapress)

Der Grenfell Tower in der Brandnacht

Viel Ärger fokussierte sich auf die erst kürzlich angebrachte Fassadenverkleidung. Laut BBC enthielt sie einen Plastikkern. Sie ähnelte demnach denen anderer Gebäude in Frankreich, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, in denen sich Brände ebenfalls rasch ausgeweitet hatten.

stu/jj (afp, dpa)

 

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