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Kultur

Jesus als Comic-Held

Humor ist wenn man trotzdem lacht. Es sei denn, es geht um Jesus Christus in einem Comic, das in Griechenland vertrieben wird. Eine Geschichte von religiöser Zensur und Hoffen auf Europa.

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Abhängen oder gerade deshalb?

Wegen "Verletzung des öffentlichen Anstandes und religiöser Gefühle" ist der österreichische Karikaturist Gerhard Haderer von einem Athener Gericht in Abwesenheit zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Gerichtsurteil hat nicht nur in Griechenland für Aufregung gesorgt: Zwar hat der Comic "Das Leben des Jesus" auch in Österreich, Deutschland und Tschechien Proteste ausgelöst, doch verboten wurde das Heft bisher in keinem anderen Land. In Tschechien wollte eine Abgeordneter mit einer Strafanzeige ein Gerichtsverfahren erzwingen - er wurde abgewiesen weil es sich bei dem Band um "zulässige Satire" handele, so das tschechische Gericht.

Der Comic stellt das Leben Jesu auf ironische Art dar. Der Gottessohn wird als liebenswerter Weihrauchkiffer dargestellt, die wundersame Fischvermehrung als Bootsunglück und der Gang über den See Genezareth als Surf-Trip. Mit verflochten in der Geschichte sind Karikaturen des österreichischen Kanzlers Wolfgang Schüssel und des deutschen Modezars Karl Lagerfeld.

Religiöse Zensur?

Der Künstler verteidigte seine Arbeit: "Ich habe ein Comic gezeichnet über diese verniedlichte Darstellung des katholischen Glaubens in kitschige und kindliche Bildchen. Und ich habe nichts anderes gemacht, als den Gegensatz zwischen diesen unglaubwürdigen Erzählungen und der wirklichen Substanz des Glaubens auf die Spitze zu treiben."

Gerhard Haderer mit seinen Karikaturen

Gerhard Haderer 2003 in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Haderer und sein Verlag Carl Ueberreuter in Wien wollen Berufung gegen das Urteil einlegen. "Man kann dagegen sein, man kann es lustig finden, aber dass ein Gericht einen Urteilsspruch gegen einen Autor fällt, ist für mich eine völlige Überraschung." Zwar wusste Gerhard Haderer, dass er mit seinem Comic anecken würde - doch dass die griechische Übersetzung beschlagnahmt werden sollte und alles dann von einem staatlichen Gericht abgesegnet werden würde, dass grenzt für ihn und seinen Verleger an religiöse Zensur.

Haderers Verleger Fritz Pantzer will die Sache notfalls bis vor das Europagericht bringen, wie er dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" mitteilte. "Griechenland ist schließlich ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union und - so sollte man annehmen dürfen - kein Gottesstaat, in dem die Freiheit der Kunst mit Füßen getreten wird", kritisierte der Verleger.

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Auch für Gerhard Haderer geht es in der Sache um eine prinzipielle Entscheidung in Sachen Meinungsfreiheit: "Selbstverständlich haben wir gegen dieses Urteil Einspruch erhoben. Wir gehen in die Berufung, und ich will unbedingt die Aufhebung dieses Urteils, denn es erzeugt im Moment große Unruhe unter meinen Kollegen." Sehr viele Kollegen hätten sich gemeldet, die eine Erklärung abgeben wollen. Was bedeutet dieses Urteil für all jene, die Comics und Satire zeichnen. Denn wenn man von staatlicher Seite plötzlich Limits gesetzt bekommt für seinen Humor, dann ist das tatsächlich für sehr viele ein Grund zur Beunruhigung.

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