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Fokus Osteuropa

Jerewan verfolgt türkische Armenier-Debatte mit Misstrauen

Die erste Reaktion in Armenien auf die Debatte im türkischen Parlament zum Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich kam aus der Administration des Präsidenten. Jerewan zeigt sich skeptisch.

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Debatte im türkischen Parlament

Wiktor Sogomonjan, Pressesprecher des armenischen Präsidenten Robert Kotscharjan, hat am Donnerstag (14.4.) erklärt, die Präsidentenadministration habe vom türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan kein Schreiben mit dem Vorschlag erhalten, eine bilaterale Expertenkommission zur Untersuchung von Beweisen für einen Genozid an Armeniern im Jahre 1915 im Osmanischen Reich zu bilden. Diese Erklärung des Pressedienstes des armenischen Präsidenten ist die Antwort auf die Erklärung des türkischen Außenministers Abdullah Gül, wonach Erdogan ein entsprechendes Schreiben an Kotscharjan gerichtet habe. In dem Schreiben soll die Türkei sich bereit erklärt haben, mit Armenien über die Bildung einer Kommission zu verhandeln, was wiederum einen ersten Schritt auf dem Weg der Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern darstellen könnte. Mit dieser Reaktion Armeniens auf die Erklärungen der türkischen Führung und Parlamentarier war zu rechnen gewesen.

"Bumerangeffekt für die Türkei"

"Indem die türkischen Parlamentarier an ihre Kollegen in Ländern appellieren, die den Genozid an den Armeniern bereits anerkannt haben, und ihre eigene Geschichte umschreiben, versuchen die türkischen Abgeordneten auch andere Länder dazu zu bewegen, ihre eigene Geschichte umzuschreiben", sagte der Deutschen Welle der stellvertretende Außenminister Armeniens, Armen Bajburdjan. Eine solche Politik könnte sich für die Türkei, die an die Tür der Europäischen Union klopfe, als Bumerangeffekt erweisen, sagte der Diplomat. Er äußerte die Hoffnung, Ankara finde die Kraft und den Willen, den Genozid im Osmanischen Reich vor 90 Jahren anzuerkennen. Nur dann könne die Türkei zu einem vollberechtigten EU-Mitglied werden, betonte Bajburdjan.

"Armenien darf seinem Nachbarn nicht trauen"

Nach Ansicht des armenischen oppositionellen Abgeordneten Wiktor Dallakjan versucht die Türkei nicht nur die internationale Gemeinschaft, sondern auch das eigene Volk in die Irre zu führen. Er ist überzeugt, dass solange die Türkei den Genozid an den Armeniern nicht anerkenne, Armenien seinem Nachbarn nicht trauen dürfe, der über eine mächtige Armee verfüge und in der Berg-Karabach-Frage konsequent die aserbaidschanische Position vertrete. Von einem solchen Nachbarn werde immer eine Gefahr ausgehen, sagte Dallakjan.

"Es gibt nichts zu diskutieren"

"Vor dem 90. Jahrestag des Genozids an den Armeniern hat die Türkei eine betont harte Position in dieser Frage eingenommen", sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Welle der Leiter des Instituts für Geschichte der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Aschot Melkonjan. "Der Genozid im Osmanischen Reich ist eine unwiderlegbare Tatsache, über die nicht zu diskutieren ist", unterstrich er. Melkonjan sagte weiter: "Die Türkei erklärt, sie habe ihre Archive für die Erforschung dieser Frage geöffnet. In ihnen gibt es aber nichts, was auf den Genozid hinweist. Wir haben uns schon vor langem das Material britischer, deutscher, amerikanischer, russischer, französischer und anderer Archive angeschaut und haben Tausende Dokumente gefunden, die den Massenmord und die gewaltsame Deportation der Armenier beweisen."

Aschot Gasasjan, Jerewan
DW-RADIO/Russisch, 14.4.2005, Fokus Ost-Südost

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