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Filme

Jenseits von Kurosawa

Ein neues prachtvolles und reich bebildertes Buch informiert über das japanische Kino. "Japanese Cinema" rückt dabei im Westen weniger bekannte Regisseure sowie die Vielfalt des japanischen Genrekinos in den Blickpunkt.

Das nackte Paar aus Nagisa Oshimas Film Im Reich der Sinne ( akg-images )

"Im Reich der Sinne"

Es waren vornehmlich "die großen Drei", die jahrzehntelang das Bild des japanischen Kinos im Westen prägten. Die berühmten und auch völlig zu Recht gefeierten Filme der Regisseure Kurosawa Akira, Mizoguchi Kenji und Ozu Yasujiro vedrängten dabei aber fatalerweise die übrige ungemein vielfältige Filmszene des Landes - zumindest was das Interesse im Westen betraf. Das goldene Jahrzehnt des japanischen Kinos, die 1950er Jahre sowie der Beginn der folgenden Dekade, lösten seltsamerweise nur wenig Neugier auf das übrige japanischen Kino aus.

Samurai-Kämpfer in Filmszene (S/W Taschen Verlag)

Das japanische Kino war immer auch actionbetont: artistische Kampfeinlagen in "Rotbart" von Kurosawa Akira

Siegeszug in Europa mit "Rashomon"

Mit Filmen wie "Rashomon" von Kurosawa, der 1950 mit dem "Grand Prix" der Festspiele in Venedig den Boom hierzulande auslöste, oder den eleganten wie meditativen Familiendramen Ozus war der Durst des europäischen Publikums offenbar erst einmal gestillt. Zwar lenkten internationale Filmerfolge wie "Im Reich der Sinne" von Oshima Nagisa 1976 oder die Popularität japanischer Monsterfilme (Godzilla) punktuell das Interesse wieder auf Japan, doch es klafften weiter große Lücken. Erst in den letzten Jahren kann man diese schließen. Viele hochspezialisierte Internet-Angebote und das wachsende DVD-Angebot bezeugen dies.

Cover des Buches Japanese Cinema

Doch im Vergleich etwa zum Hollywood-Kino und dem europäischen Film weiß man hierzulande immer noch recht wenig über den immensen Reichtum und die Vielfalt der Kinematografie Japans. Genau diese Defizite aufzuarbeiten, hat sich das Buch "Japanese Cinema" zur Aufgabe gemacht. Natürlich spielen Kurosawa, Ozu und Mizoguchi auch in den zehn Kapiteln des neuen Bandes eine wichtige Rolle. Aber sie stehen hier eben nicht im Vordergrund.

Unbekannte Genrevariationen

Zeichentrickszene mit Figuren aus dem japanischen Heidi-Film (Taschen Verlag)

Japanische Heidi-Version

Einzelne Kapitel informieren über die Sicht der japanischen Filmemacher auf ihr eigenes Land oder die große Bedeutung der wichtigsten Produktionsstudios Japans. Der Autor des Buches, Stuart Galbraith, widmet sich aber vor allem der Genrevielfalt des japanischen Kinos. Und da werden dann nicht nur bekannte Samurai- und Yakuza-Filme besprochen. Wer weiß schon, dass es auch in Japan Anfang der 1960er Jahre eine Art "Nouvelle Vague" gab? Wer kennt sich schon aus in der Vielfalt des japanischen Musicalfilms? Und wer überblickt noch die vielen Verästelungen des Monsterfilmgenres, der Animes oder der japanischen Filmkomödien?

Filme als Schlüssel zum Verständnis

"Will man die japanische Seele verstehen, so bietet der japanische Film reiches Anschauungsmaterial zum Selbstverständnis dieser Nation", schreibt Galbraith am Anfang seines Textes. Der Leser muss sich nicht alle Namen der erwähnten Regisseure merken, um zu begreifen, dass er es hier mit einer der führenden Kinonationen der Welt zu tun hat - der wohl unbekanntesten hierzulande.

Regisseur im Gespräch mit zwei Darstellern (Taschen-Verlag)

Regisseur Imamura Shohei mit Darstellern aus "Die Ballade von Narayama"

Kaum noch erwähnen muß man die opulente Ausstattung des Bandes - das ist bei den Büchern dieses Verlages eine großartig gepflegte Tradition. Viele prächtige Schwarz-Weiß- und Farbfotos machen das Buch zu einem sinnlichen Ereignis. Leider mangelt es aber auch wieder an einer ordentlichen Filmografie, ärgerlich auch das fehlende Register. Das erschwert die Suchen nach Namen und Filmtiteln ungemein. Insgesamt ist "Japanese Cinema" aber ein sehr lesens- und sehenswerter Band über ein Kinoland, im dem es immer noch viel zu entdecken gibt.

Stuart Galbraith IV: Japanese Cinema, Taschen Verlag Köln 2009, 192 Seiten, ISBN: 978-3-8228-3157-1, 19,99 Euro.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Conny Paul

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