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Kultur

Jenseits von Afrika

Am Horn von Afrika sind seit einem Jahr deutsche Marinesoldaten stationiert. Sie sollen mögliche Transportwege im Golf von Aden für Terroristen abschneiden. Der Einsatz zeigt einige Erfolge.

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Übung an Bord: Abwehr eines Speedbootangriffes

"Speedboot-Angriff von Backbord", ruft der Wachposten als er auf die Schiffsbrücke stürmt. Sofort geht alles rasend schnell: Schutzwesten und Gefechtshelme werden angelegt, die Soldaten nehmen auf Deck ihre Stellungen an den Geschützen ein. "Feuerbereitschaft herstellen", befiehlt der Kapitän. Sekunden später wird auch schon geschossen. Das Ziel: Die Weite des Indischen Ozeans. Routineübung an Bord des Kriegsschiffes "Mecklenburg-Vorpommern". Seit Mitte November nimmt die Fregatte an der Operation "Enduring Freedom" – "Dauerhafte Freiheit" - am Horn von Afrika teil.

500 Handelsschiffe kontrolliert

Dort unterstützt die Deutsche Marine mit etwa 700 Soldaten den Kampf gegen den Terror. Seit einem Jahr kontrolliert sie gemeinsam mit US-Amerikanern, Spaniern, Franzosen und Briten den Schiffsverkehr vor der ostafrikanischen Küste. So soll der verbotene Handel und Transport von Waffen für Terroristen abgeschnitten werden.

Übung: Schutzwesten und Gefechtshelme anlegen

Schutzwesten und Gefechtshelme anlegen an Bord der "Mecklenburg-Vorpommern"

Über 6000 internationale und regionale Handelsschiffe wurden dazu bisher untersucht: Schiffsname, Anzahl der Personen an Bord, Abgangs- und Zielhafen sowie Art und Umfang der Ladung sind nur einige der Informationen, die per Funk abgefragt werden. Alle Angaben dieses so genannten "Query" werden in einer Datenbank gesammelt. Unter Deck laufen hier die Fäden des Einsatzes zusammen. Alle Informationen landen schließlich beim amerikanischen Oberkommando des Einsatzes in Bahrain. Allein die "Mecklenburg-Vorpommern" hat in den vergangenen zwei Monaten 500 Handelsschiffe in dem Gebiet kontrolliert. So konnte während des bisherigen Einsatzes ein Profil über den regen Schiffsverkehrs erstellt werden. "Weichen Schiffe etwa von zuvor angegebenen Wegen ab, machen sie sich verdächtig", erklärt Kapitän Michael B., dessen Nachname wie bei allen Bundeswehr-Soldaten im Einsatz nicht genannt werden darf.

Langfristiger Einsatz

Nach einem Jahr ergibt sich heute ein Lageplan über wichtige Knotenpunkte des Schiffsverkehrs in dem Gebiet, das dreimal so groß ist wie Deutschland. Jetzt konzentrieren sich die Kontrollen auf diese besonders dicht befahrenen Routen. Dabei gilt den kleinen einheimischen Booten, den so genannten "Dhows", besondere Aufmerksamkeit. Denn gerade auf diesen meist von Jemen nach Somalia fahrenden Schiffen wird Nachschub für terroristische Organisationen vermutet.

Aber nur bei zwei von der "Mecklenburg-Vorpommern" abgefragten Schiffen ergaben sich bisher Verdachtsmomente, wurden also Transporte für Terroristen vermutet. An Bord der Schiffe fanden die Soldaten aber weder Waffen noch Terroristen. "Es kommt nicht so sehr darauf an, Terroristen zu fangen. Aber jeder muss hier mit einer Kontrolle rechnen, und das schränkt auch die Bewegungsfreiheit der Terroristen ein", betont der Kommandant des Schiffes. "Erfolge werden sich hier nur langfristig zeigen", erklärt Michael B. weiter. Denn es sei eine langfristig angelegte Operation, die sicher noch viele Jahre andauern werde.

Boarding – nur mit Erlaubnis des Kapitäns

Das Heli-Deck an Bord der Mecklenburg-Vorpommern

Das Helikopter-Deck auf der der "Mecklenburg-Vorpommern"

Gibt es einen Verdacht, geht eine Soldatengruppe an Bord: Das Boardingteam überprüft die Papiere und durchsucht die Ladung. Aber dazu muss der Kapitän des verdächtigen Schiffes seine Erlaubnis geben. Wenn ein Schiff eine solche Durchsuchung verweigert, können die Soldaten nichts tun. Erst wenn der Verteidigungsminister einem unerlaubten Boarding zustimmt. "Wir haben bisher nur zweimal geboardet und in beiden Fällen hatten die Kapitäne der Schiffe auch nichts dagegen", sagt der Kapitän der "Mecklenburg-Vorpormmern". Es sei wichtig, Zeichen zu setzen und bei den Terroristen Unsicherheit zu erzeugen, meint er. In Berlin werde aber derzeit auch darüber nachgedacht, den Auftrag zu ergänzen und der Deutschen Marine die Erlaubnis zu erteilen, ohne Zustimmung an Bord eines verdächtigen Schiffes zu gehen.

Was Terroristen verunsichern soll, macht Händler sicherer. Denn ein Erfolg der Operation stellte sich schnell ein: Die Piraterie hat seit der Präsenz des Militärs in der Region deutlich nachgelassen. Wohl wegen dieses gewünschten Nebeneffektes arbeiten die Handelsschiffe bereitwillig mit ihren Aufpassern zusammen, und die Kriegsschiffe sind bislang gerne gesehen.

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